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viernes, 9. junio 2023
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Porträt – Werner Watznauer

Bauingenieur mit Spuren in aller Welt

«Gutes tun und Dankeschön sagen»

Werner Watznauer wurde im Süden Chiles in der Stadt Tomé geboren. Heute lebt er wieder in seinem Geburtsland, nachdem er als Bauingenieur in den unterschiedlichsten Regionen der Welt unterwegs war und Spuren hinterlassen hat – von Österreich über Spanien bis Venezuela und Tunesien.

Werner Watznauer wurde im Süden Chiles in der Stadt Tomé geboren. Heute lebt er wieder in seinem Geburtsland, nachdem er als Bauingenieur in den unterschiedlichsten Regionen der Welt unterwegs war und Spuren hinterlassen hat – von Österreich über Spanien bis Venezuela und Tunesien.

Vater Walter Watznauer, von Beruf Textilingenieur, siedelte 1950 aus Deutschland nach Chile über und arbeitete in Tomé im Unternehmen Paños Bellavista Tomé, das auf Wollverarbeitung spezialisiert war. Hier lernte er María Elisabeth Weller kennen, die in Bellavista Tomé als Kindergärtnerin tätig war. Ihre Vorfahren stammten aus Hamburg, waren als Kapitäne auf der Route Corral – Sydney unterwegs und lebten in Valdivia.

Mit den Söhnen Wieland und Werner wurde zu Hause ausschließlich Deutsch gesprochen, was sich als sehr nützlich herausstellte, als die Familie 1971 nach Österreich auswanderte, wo der Vater in Innsbruck eine Stelle als Direktor eines Textilbetriebes angenommen hatte. 

Viele Jahre war Werners Vater in Chile Vorsitzender des Deutschen Andenvereins gewesen, und die Liebe zum Skifahren konnte nun in der Alpenrepublik weiter ausgelebt werden. Werner war schon als Kind sportbegeistert und nicht nur im Schnee unterwegs: Im Sportverein Manquehue trainierte er Schwimmen und Laufen, sicher auch angespornt vom Vorbild seiner Tante Annegret Weller, die 1948 als Sprinterin für Chile an den Olympischen Spielen teilnahm. 

In Innsbruck ließ sich Werner zum Bauingenieur ausbilden und arbeitete danach 20 Jahre lang für das Unternehmen Preussag mit Sitz in Hannover. In dieser Zeit war er unter anderem an Pipeline-Projekten in Italien, Chile und Argentinien beteiligt, sammelte in Barcelona Erfahrungen bei Bauvorhaben im Rahmen der Olympiade 1992 und spezialisierte sich im Tunnel- und Brückenbau. Es folgten sechs Arbeitsjahre in Venezuela als Betriebsleiter eines Erdölfeldes. «Hier konnte ich die spanische Sprache nutzen, die ich ebenso fließend beherrsche wie Deutsch und Englisch. Die Sprachen waren im Grunde immer mit meinem Werdegang verbunden», stellt er fest. Und an Venezuela hat er die besten Erinnerungen: «Es war ein wunderschönes Land zum Leben, mit herrlichen Landschaften und vielen Möglichkeiten, um Sport zu treiben».

Nachdem die Preussag an das französischen Unternehmen Gas de France, heute Engie, verkauft war, ging Werner Watznauer für zwei Jahre nach Paris und wurde von dort aus zu unterschiedlichen Erdgas-Projekten in Nordafrika abkommandiert. So lernte er Libyen, Ägypten und Algerien kennen, wo er in der Stadt Adrar, inmitten der Wüste Sahara, einer Temperatur von bis zu 54 Grad standhalten musste. «Besonders beeindruckt hat mich in den nordafrikanischen Ländern die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen», hebt er hervor. 

Es folgte ein weiteres spannendes Kapitel im Lebenslauf: Sechs Jahre lang war Werner für die zweitgrößte österreichische Baufirma als Geschäftsführer zuständig, darunter für so bedeutende Projekte wie die Allianz-Arena in München und den Gotthard-Tunnel (mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt), die U-Bahn in Singapore sowie Staudämme in verschiedenen Ländern. «Ich finde die Bauindustrie enorm wichtig, weil damit die Lebensbedingungen der Menschen verbessert werden – von Wohngebäuden über Krankenhäuser bis zu Infrastruktur wie Brücken, Straßen und Tunnel», unterstreicht er.   

Vor zehn Jahren reiste Werner nach Chile, da seine Mutter erkrankt war. Hier übernahm er die Geschäftsführung der Firma Noracid in Mejillones, ein Tochterunternehmen der Gruppe Ultramar. Noracid ist Spezialist bei der Herstellung von Schwefelsäure für die Bergbauindustrie – von den rund 8 Millionen Tonnen H2SO4, die von der Branche jährlich verbraucht werden, liefert Noracid 10 Prozent.  

Wenn man die unterschiedlichen Stationen in so vielen Ländern betrachtet, verwundert es nicht, dass Werners vier Kinder in vier verschiedenen Staaten geboren wurden: in Spanien, Italien, Venezuela und Frankreich. Die beiden älteren Söhne, Lukas ist Wirtschaftsingenieur und Max Pilot, leben heute in Innsbruck. Auch Tochter Rebecca möchte nach dem Abitur an der Deutschen Schule in Santiago nach Österreich gehen, und der jüngste Sohn Niklas besucht derzeit noch dieselbe Schule. Natürlich sind auch die Kinder dreisprachig aufgewachsen, «was ihnen im Leben viele Türen öffnen wird», so Werner Watznauer.

Dem Sport ist er bis heute verbunden; Bergtouren und Skifahren, Segeln und Golfspielen gehören zu seinen Hobbies. Außerdem grillt er gern mit und für Freunde und kocht einfache, deftige Gerichte, wie Lammeintopf mit Kartoffeln, Fisch und Meeresfrüchte.

Neben seinen beruflichen Aufgaben ist Werner Watznauer heute Präsident des chilenischen Fachverbandes Asiquim und beim Unternehmerverband Sofofa als Vertreter der Chemieindustrie eingebunden. Aber Zeit für eine neue Reise sollte es jedenfalls geben – Australien steht ganz oben auf der Wunschliste. Und auch in diesem fernen Land wird er sich aⁿ sein Lebensmotto halten: «Gehe auf die Menschen zu, tue ihnen Gutes und vergiss nicht, Dankeschön zu sagen.»

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