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jueves, 23. mayo 2024
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Cornelia Sonnenberg erhält das Bundesverdienstkreuz

«Brücke zwischen unseren Ländern»

Zur Person:

Cornelia Sonnenberg wurde 1961 in Wismar geboren. Die verheiratete Diplom-Ökonomin der Hochschule für Ökonomie Berlin lebt seit 1986 in Santiago und hat drei Kinder. Nach Tätigkeiten bei Hoechst Chile und der Leitung einer eigenen Firma für den Export von Agrarprodukten nach Deutschland arbeitet sie seit 1994 bei der AHK Chile, seit 2007 als Hauptgeschäftsführerin. Sie ist Vizepräsidentin des Boards der Stiftung Fraunhofer Chile Research, Mitglied des Beirats der Bildungsstiftung des Metallverbands Asimet für die Berufsschule Lichan, Vorsitzende des Finanzausschusses des weltweiten Netzes der AHK und zweite Weltsprecherin des globalen Netzes der deutschen Auslandshandelskammern. Drei Mal wurde sie als eine der «100 herausragendsten Frauen in Chile» ausgezeichnet.

Seit 17 Jahren leitet Cornelia Sonnenberg als Hauptgeschäftsführerin die deutsche Auslandshandelskammer in Chile (AHK). Seitdem hat sie dafür gesorgt, dass die AHK Chile sich insbesondere hinsichtlich der Themen Nachhaltigkeit, Innovation und duale Berufsausbildung sowie mit dem Aufbau starker Netzwerke positioniert hat. Für ihren Einsatz wurde ihr am 10. April das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Die deutsch-chilenische Auslandshandelskammer ist mit knapp 550 Mitglieder die größte binationale Handelskammer in Chile. Sie gehört außerdem zu den größten der Region und mit ihrer Gründung vor 107 Jahren zu den ältesten. Viele Jahre konnte man die geschäftsführenden Frauen im Netz der 130 Auslandshandelskammern weltweit an den Händen abzählen. Inzwischen sind es 20. Seit zwei Jahren ist Cornelia Sonnenberg außerdem stellvertretende Weltsprecherin des deutschen Kammernetzes, eine Wahl, die Erfahrung und Engagement über ihre unmittelbaren Aufgaben hinaus anerkennt.  Von Beginn an hatte Cornelia Sonnenberg die Interessen ihrer Mitgliedsfirmen im Hinblick auf die deutsch-chilenische Wirtschaftsförderung entsprechend den Marktbedingungen im Blick. Im Cóndor-Gespräch berichtet sie über die persönliche Sicht ihrer Arbeit und die Entwicklung und Schwerpunktverlagerung der AHK Chile im Laufe der Jahre.

Der Cóndor gratuliert Ihnen ganz herzlich zu der höchsten Auszeichnung, die die Bundesrepublik Deutschland an Personen mit besonderen Leistungen vergibt. In Chile sind Sie bereits drei Mal als eine der «100 wichtigsten Frauen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik » ausgezeichnet worden. Kam die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für Sie sehr überraschend?

Cornelia Sonnenberg mit der deutschen Botschafterin Irmgard Maria Fellner vor der Überreichung des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland.

Ja, es war wirklich eine riesige Überraschung. Ich habe ein paar Tage gebraucht, diese Nachricht wirklich zu verarbeiten, konnte es kaum glauben, aber jetzt bin ich stolz und freue mich. Eine solche Auszeichnung gibt einem nach einer langen Laufbahn eine besondere Bestätigung dafür, dass die Anstrengungen richtig waren und man einen realen Beitrag zur Entwicklung unserer Länder leisten konnte.  

Sie haben von 1992 bis 1996 im Bereich Messen zum ersten Mal in der AHK gearbeitet. Das heißt, sie kennen die Institution seit über 30 Jahren. Nachdem Sie dann 1998 in die Kammer zurückgekommen waren, übernahmen Sie bereits neun Jahre später das Amt der Hauptgeschäftsführerin. Wie haben Sie diese ersten Jahre erlebt?

Als ich in der Kammer anfing, befanden sich die Büros noch in Ahumada, im Zentrum Santiagos. Unten, am Eingang des Gebäudes, wurden lauthals Dollars zum Kauf angeboten. Wir waren damals gerade mal acht Personen. Mitte der 1990er Jahre zog die Kammer dann in modernere Büros, dieselben in denen wir auch heute noch arbeiten. Und dann sind wir mit der schrittweisen Ausweitung unserer Themenfelder recht kontinuierlich gewachsen.  

Wie haben sich im Laufe der Zeit die Schwerpunkte und Themen verlagert? Und wie kam es dazu? 

Zu Beginn meiner Arbeit bei der AHK gab es neben dem Mitgliederbereich, der ja die Essenz einer Kammer ausmacht, eigentlich nur das Messegeschäft als solches – daneben wurden kaum Dienstleistungen erbracht. Die große Mehrheit der Mitglieder waren entweder deutsche Niederlassungen oder Vertretungen deutscher Produkte. Mit der Zeit haben wir dann den Bereich der Dienstleistungen professioneller aufgestellt und erweitert. Neben der Unterstützung für deutsche Firmen, die am chilenischen Markt interessiert waren, konnten wir zunehmend auch chilenischen Firmen dabei helfen, Kunden oder auch Technologiepartner in Deutschland zu finden. Immer stärker wurde damit die Brücke zwischen unseren Ländern auch in beide Richtungen genutzt. Das vergrößerte unseren Aktionsradius und natürlich auch den Wert einer Mitgliedschaft in dieser wachsenden und stärker sichtbaren Kammer. Der Name «Camchal» wurde zum Symbol einer anerkannten, leistungsstarken und an den Zukunftsthemen aktiv teilhabenden deutsch-chilenischen Wirtschaftsgemeinschaft, die einen realen Beitrag zur Entwicklung beider Länder erbrachte. 

Der Schlüssel ist eigentlich einfach: Was braucht die chilenische oder deutsche Wirtschaft? Was kann die jeweils andere bieten? Und an welcher Stelle können wir als Kammer diese Schnittmenge mit wettbewerbsfähigen und innovativen Lösungen, best practices und knowhow bedienen? Und da wir uns selbst finanzieren müssen, muss unsere Arbeit außerdem so gut sein, dass die Kunden bereit sind, dafür zu zahlen.

Gibt es besondere Projekte oder Erfolge, auf die Sie im Rückblick besonders stolz sind, beziehungsweise solche, die besonders viel Anstrengung und Kooperation verlangten?

Cornelia Sonnenberg erhielt das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Ein besonderer Erfolg ist die Dimension, die unser Bildungsbereich heute erreicht hat. Die Kammer ist traditionell im Bereich der technischen Berufsausbildung nach dem Vorbild des deutschen dualen Systems aktiv gewesen. Aber viele Jahre war dies nur mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland möglich und beschränkte sich auf das Insalco und das Lichan. Dann haben wir mit Unterstützung des damaligen Vorstands der Kammer den Schritt gewagt, eine eigene OTEC zu gründen. Ein Unterfangen, das mit hohem administrativem Aufwand verbunden war und sich auf die Dauer als so nicht tragbar erwies.

Trotzdem habe ich das Thema nicht aufgegeben. Zum einen, weil ich zutiefst überzeugt war, dass der akute Mangel an Fachkräften die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Firmen behinderte und damit auch Handelsaustausch und Investitionen. Gleichzeitig aber sah ich hier vor allem auch die Möglichkeit, jungen Menschen aus schwächer gestellten Gruppen der chilenischen Gesellschaft die Chance zu geben, sich über eine qualitativ anerkannte Ausbildung einen Weg zu eröffnen. Heute arbeiten wir nicht nur mit öffentlichen Partnern eng zusammen, sondern auch mit immer mehr privaten Unternehmen, die erkennen, dass sie sich aktiv in die berufliche Bildung einbringen müssen.

Und dann gibt es Projekte, zu denen die allererste Idee einem einfach so zufällt und bei denen es davon abhängt, ob man bereit ist, sich damit zu befassen oder es einfach ignoriert. Wenn man sich für ein solches Projekt entscheidet, dann braucht es gehöriges Durchhaltevermögen und den strategischen Blick, um die richtigen Verbündeten zu finden. So war es jedenfalls 2008 bei dem ersten zufälligen Zusammentreffen mit dem Präsidenten der Fraunhofergesellschaft und einem seiner Institutsleiter, die Chile besuchten, aber mehr als Universitäten vor allem Unternehmen treffen wollten. Daraus entstand die Idee, ein Fraunhofer Center in Chile einzurichten, dessen Finanzierung über die Entwicklung eines neuen Förderinstruments ermöglicht wurde. Die Konzepte hierfür, die Anträge und Bewerbungen haben wir damals in der Kammer erarbeitet. Ich selbst bin Gründungsmitglied und Vizepräsidentin des lokalen Vorstands, natürlich ad honorem. Bis heute ist das Fraunhofer Chile Research Center die einzige Niederlassung der Fraunhofer Gesellschaft in Lateinamerika und Leuchtturm der bilateralen Zusammenarbeit für angewandte Forschung.  

Warum, glauben Sie, erfreut sich die AHK Chile besonderer Beliebtheit der Mitgliedsunternehmen, deren Zahl im Laufe der Jahrzehnte weiter gestiegen ist? 

Ich denke, wir leisten einfach gute Arbeit. Unser Team ist divers, super engagiert und zuverlässig. Unsere Mitglieder und Kunden ebenso wie unser «Mutterhaus», die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), und das deutsche Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz vertrauen uns. Sie wissen, dass wir die Projekte transparent, fristgerecht und vor allem mit real fassbaren Ergebnissen umsetzen. Viele deutsche Unternehmen haben durch unsere Unterstützung in Chile Fuß gefasst, viele chilenische Firmen haben neue Partner in Deutschland gefunden. Und die AHK Chile hat auch im weltweiten Kammernetz einen guten Namen. Sicherlich beruht unser Erfolg auch darauf, dass wir mit vielen Themen, die heute selbstverständlich scheinen, in Chile die ersten waren: Innovation, Technologietransfer, angewandte Forschung, Industrie 4.0, Nachhaltigkeit im weitesten Sinne, grüner Bergbau, etc. Diese strategische Aufstellung sowie die Aktualität unserer Projekte und Initiativen hat es uns auch ermöglicht, neue Mitglieder zu gewinnen. 

Wie sehen Sie aktuell die Rahmenbedingungen für deutsche Firmen in Chile?

Chile bietet viele Chancen, aber sie wirklich nutzen zu können bedarf oftmals erheblicher Anstrengungen. Ständige Veränderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen und langwierige Genehmigungsprozesse machen es nicht immer einfach. Das wohl größte Potenzial bietet die Kombination aus erneuerbaren Energien, grünem Wasserstoff und seinen Derivaten sowie deren Anwendung für einen nachhaltigeren Bergbau. Hier sehen wir starkes Interesse der deutschen Firmen. Aber auch Digitalisierung, Industrie 4.0 und intelligente Lösungen für Wasser, Landwirtschaft, Bau, Transport und Logistik, den Gesundheitssektor und die schnell alternde Gesellschaft bieten attraktive Ansätze für ein stärkeres deutsches Engagement.  

Wie war es für Sie während der Jahre bei der AHK, die Familie mit drei Kindern, später auch die Betreuung Ihrer Eltern und Ihre Arbeit miteinander zu vereinbaren?

Cornelia Sonnenberg ist seit 2007 Hauptgeschäftsführerin der AHK Chile. Im Gebäude auf dem Foto befindet sich seit Mitte der 90er Jahre das Büro der Kammer.

Anfangs war ich mit meinem Ältesten noch allein, da war es nicht so einfach. Aber ich war damals auch noch nicht in so großer Verantwortung. Und vor 27 Jahren lernte ich dann Mauricio kennen. Beide brachten wir einen Jungen in die Ehe ein und vor 21 Jahren wurde unsere «Kleine» geboren. Definitiv wäre meine Laufbahn ohne die enorme Unterstützung meines Mannes nicht möglich gewesen. Der Impuls, meine Eltern nach Chile zu holen kam sogar von ihm. Er wusste, dass ich unter der Vorstellung litt, ihnen im Alter wegen der Distanz nicht beiseite stehen zu können. Und zu meiner Überraschung willigten die Eltern sofort ein, diesen großen Schritt ins Unbekannte zu tun. Wir haben es nie bereut, haben viele schöne Momente gemeinsam verbracht und konnten ihnen dann auch bis zum letzten Tag beistehen. 

Gibt es gerade oder in Zukunft besondere Projekte der AHK?

Für die erst genannte Triade setzen wir auf die Verlängerung bilateraler Kooperationsvereinbarungen wie die Energiepartnerschaft, die Rohstoffpartnerschaft und H2upp. Hier sind in den vergangenen Jahren im Zusammenwirken öffentlicher und privater Akteure wesentliche Grundlagen geschaffen worden, die wir weiter vertiefen wollen. In den unterschiedlichen anderen Themen arbeiten wir an neuen Projekten, Delegationen, Messebeteiligungen und Geschäftspartnervermittlungen, um sie unseren Mitgliedern ebenso wie neuen Kunden zugänglich zu machen. Hinzu kommen unsere Aktivitäten in Innovation, Start-ups, aber auch in Compliance und nachhaltigen Lieferketten. Die Palette ist breit. Und wir prüfen sie immer wieder im Kontext neuer Entwicklungen und Herausforderungen. Wir planen auch, verstärkt über Chile und Deutschland hinaus Projekte anzubieten, die unseren Firmen sowohl andere Länder Lateinamerikas als auch schnell wachsende Märkte in Asien zugänglich zu machen. Es wird also nie langweilig. Und ständig ergeben sich neue Herausforderungen, denen man sich stellen muss..

Die Fragen stellte Silvia Kählert.

Fotos: AHK

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