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sábado, 28. noviembre 2020
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In vielen Ländern Alltag

Schuluniform als Schutz vor Mobbing

Sehr praktisch und seit Jahrzehnten in Chile üblich:
Die kleinen Kinder tragen einen Kittel zum Schutz über ihrer Schuluniform.

Von Silvia Kählert

Erfunden wurde die Schuluniform in England vor rund 500 Jahren. In Chile sind Jungen und Mädchen mit Schuluniform fester Teil des Alltagsbilds.

Das Ende der Ferien bedeutet für viele Familien in Chile: Einkaufen gehen! Nicht nur Stifte und Hefte, sondern oft auch eine neue Schuluniform. In vielen Ländern auf der Welt ist es ganz normal, eine einheitliche Schulkleidung zu tragen. Dazu gehören die englischsprachigen Länder, wie England, Irland, Kanada, Australien, USA und Neuseeland. Auch in China und Japan herrscht Uniformpflicht sowie in Indien, Südafrika, Kenia und in vielen südamerikanischen Staaten. Ein Grund, warum sich diese Sitte nicht in Deutschland durchgesetzt hat, ist die Erinnerung an das Dritte Reich, vor allem an die Hitlerjugend mit uniformierten Jungen und Mädchen.

England

Wie kommt es, dass ausgerechnet in England die erste Schuluniform in Europa getragen wurde? Tatsächlich war es keine Eliteschule, sondern ganz im Gegenteil eine staatlich geförderte Institution, nämlich die Schule des Christ’s Hospital in der Nähe von Horsham, Sussex, wo es erstmals 1552 eine Einheitskleidung für den Unterricht gab. Dort wurde Kindern aus ärmeren Familien eine bessere Schulbildung ermöglicht. Bewusst wählte man die Farbe Blau, weil dies damals die günstigste Textilfarbe war und Bescheidenheit symbolisierte. Bis heute haben dort die Schüler lange dunkelblaue Trenchcoats an.

Heinrich VIII. setzte während seiner Herrschaft zu Beginn des 16. Jahrhunderts einheitliche Schulkleidung in Großbritannien durch. Bis in die 1970er schrieben Schulen im Vereinigten Königreich Stil und Farbe sogar der Schuhe und manchmal sogar der Unterwäsche genau vor. Im Winter trugen die Schüler Pullis mit V-Ausschnitt, Blazer und einen Dufflecoat. Für Mädchen galt Rockpflicht, auch bei klirrender Kälte. Im Sommer durften es Kleider oder für die Jungen kurze Hosen sein. Die kleinen Jungen mussten dagegen sogar im Winter kurze Hosen tragen. Dieser Brauch ist bei den Royals bis heute üblich, wie man auf den Fotos mit Prinz George sehen kann.

Heute reicht es den meisten englischen Schulen, dass ihre Jungen und Mädchen irgendwie als zugehörig erkannt werden, und sei es durch die Farbe ihrer Kleidung.  

Chile

In Chile wird in fast allen Schulen eine Schuluniform getragen. Eine große Ausnahme bilden die Schweizer Schule in Nuñoa, die internationale Schule Nido de Águilas in Lo Barnechea und die Waldorfschulen. Die Regierung von  Carlos Ibáñez del Campo entschied im Jahr 1931, dass eine Schuluniform sowohl in privaten als auch öffentlichen Schulen Pflicht sei. Einer der Hauptgründe: Es gab viele arme Familien in Chile und durch die gleiche Kleidung für alle sollte Diskriminierung und Mobbing vermieden werden.

Seit der Schulreform 1965 unter Präsident Eduardo Frei Montalva trugen alle chilenischen Schüler eine einheitliche Kleidung: Die Jungen graue Hosen und ein weißes Hemd mit einem blauen Jackett zunächst ohne, nach einigen Jahren mit Kragen, die Mädchen einen blauen Trägerrock. Bis heute wurde bei den kleinen Kindern die praktische Sitte beibehalten, dass die Jungen einen braunen oder beigen Kittel und die Mädchen eine blau-weiß karierte Schürze überziehen.

Ab Mitte der 1990er Jahre legten die Privatschulen und subventionierten Schulen immer mehr Wert auf ein eigenes Design und eigene Farben, damit die Schüler sich mit ihrer Schule identifizieren konnten. Statt dem Trägerrock, dem Jumper, zogen die Mädchen sich nun Röcke an und die Blusen wurden ersetzt durch Poloshirts oder Hemden. In den öffentlichen Schulen war aber weiterhin die traditionelle Uniform üblich.

So kam es auch, dass im Jahr 2006 Chile mit den Farben der Schuluniform weltweit Schlagzeilen machte. Im ganzen Land protestierten Schüler für die freie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und gegen hohe Schulgebühren. Da die meisten dabei die traditionelle weiß-blaue Schuluniform trugen, wurde in den Medien weltweit von der Pinguin-Revolution gesprochen.

Der brasilianische Staat Bahia hat den Vogel abgeschossen: Seit 2012 wird in die Schuluniform der Kinder ein Chip eingenäht. Wenn dieser registriert, dass der Schüler nicht auf dem Schulhof ist, werden die Eltern gleich per SMS informiert. Keine Chance für Zuspätkommer und Schulschwänzer!

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