Bericht der Camport

Jorge Ronda, Experte für Hafenprojekte Kurzfristig müssen wir wieder die dritte Schicht, die Nachtschicht, einführen, die Straßen- und Eisenbahnverbindungen verbessern und uns mit dem Drogenschmuggel durch Chile auseinandersetzen. Wir dürfen nicht vergessen, dass eine Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Chile hat Ende der 1990er Jahre sehr gute Entscheidungen im Hafenbereich getroffen, indem der Betrieb der wichtigsten Containerhäfen an private Betreiber übergeben wurde. Dank dieser Entscheidungen haben sich die Häfen stark entwickelt und mit ihnen der gesamte internationale Handel nach und aus Chile. Doch nun ist es an der Zeit, größer zu denken. Wie kann ein Hafen im großen Maßstab in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten mit den bestehenden Standorten in Valparaíso und San Antonio konkurrieren? Was können wir aus den jüngsten Ausschreibungen in Callao und Chancay lernen? Das sind einige der Fragen, die wir uns in naher Zukunft stellen müssen. Die Zeit ist gekommen, über Chile nachzudenken – über das Chile, das wir wollen.
La economía portuaria chilena se encuentra en un punto de inflexión. Camport, la asociación que agrupa al sector portuario y naviero, propone 99 medidas para asegurar a largo plazo la competitividad de los puertos. El mensaje es claro: Chile debe actuar ahora para no perder terreno en el comercio internacional +2
Im Bericht der Camport (Cámara Marítimo y Portuaria de Chile) vom Dezember 2025 «99 Propuestas para la competitividad marítimo portuaria» wird deutlich, dass Chiles Hafensystem an einem Wendepunkt steht. Die in den 1990er Jahren eingeleiteten Reformen haben den Außenhandel stark vorangebracht, doch mit dem Auslaufen vieler Konzessionen stellt sich nun erneut die Frage nach der langfristigen Ausrichtung der Hafenwirtschaft.
Das Hafensystem
Das chilenische Hafensystem beruht auf zwei zentralen gesetzlichen Grundlagen. Zum einen gilt für staatliche Häfen das sogenannte Hafengesetz von 1997, das die Verwaltung, den Betrieb, die Entwicklung und den Erhalt öffentlicher Hafenanlagen regelt. Zum anderen ermöglicht ein bereits 1960 erlassenes Gesetz, dass private Unternehmen Küstenabschnitte in Konzession übernehmen und dort eigene Häfen bauen und betreiben können. Auf dieser Basis gibt es in Chile heute drei Arten von Häfen.
Erstens die staatlichen Häfen, die von eigenständigen staatlichen Hafenunternehmen geführt werden. Sie dienen vor allem dem allgemeinen Güterumschlag und dem Außenhandel. Der Staat besitzt zehn solcher Hafenunternehmen, die insgesamt 13 öffentlich zugängliche Häfen betreiben.
Zweitens existieren private Häfen mit öffentlicher Nutzung. Diese wurden von privaten Firmen errichtet, stehen aber auch anderen Nutzern offen. Im Jahr 2023 gab es landesweit 15 Häfen dieser Art. Sie spielen eine wichtige Rolle als Ergänzung zu den staatlichen Anlagen.
Die dritte Gruppe bilden rein private Häfen, die ausschließlich vom jeweiligen Betreiber genutzt werden. Diese Häfen sind meistens mit bestimmten Industriezweigen verbunden, etwa dem Bergbau, der Energieversorgung oder der Fischerei. Mit 44 Anlagen stellen sie zahlenmäßig den größten Teil der chilenischen Hafeninfrastruktur dar und sind vor allem im Norden des Landes angesiedelt.
Ein zentrales Thema für die kommenden Jahre ist das Auslaufen der ersten Welle von Hafenkonzessionen, die in den 1990er Jahren vergeben wurden. Chile steht damit vor einer zweiten Konzessionsphase, die idealerweise den Zeitraum von 2030 bis 2050 und darüber hinaus abdecken soll. Dabei geht es nicht nur um Vertragsverlängerungen, sondern auch darum, aus bisherigen Erfahrungen zu lernen und das System an neue Rahmenbedingungen anzupassen wie größere Containerschiffe, neue Handelsrouten, Digitalisierung und den Klimawandel.
Fünf große Handlungsfelder
Camport nennt erstens die Infrastruktur und Anbindung: Chiles Häfen müssen erweitert und modernisiert werden. Dazu gehören leistungsfähigere Kräne, effizientere Lagerflächen und automatisierte Abläufe. Ebenso wichtig sind bessere Straßen- und Bahnverbindungen ins Hinterland, damit Waren schneller und zuverlässiger zu den Häfen gelangen. Zweitens bezieht sich der Bericht auf Regeln und Steuerung: Zu viel Bürokratie bremst den Hafenbetrieb. Genehmigungen und Zollverfahren sollen vereinfacht werden. Zudem fordert Camport eine stärkere nationale Koordination, damit Hafenprojekte besser aufeinander abgestimmt sind. Öffentliche und private Akteure sollen dabei enger zusammenarbeiten. Drittens sollten Digitalisierung und Innovationen vorangetrieben werden: Moderne Häfen funktionieren digital. Einheitliche elektronische Plattformen sollen es ermöglichen, Güter lückenlos zu verfolgen vom Produzenten bis zum Zielhafen. Automatisierung kann Abläufe beschleunigen und Unfälle reduzieren, erfordert aber auch besseren Schutz vor Cyberangriffen. Viertens Verbesserung der Umwelttechniken: Häfen sollen ihren CO2-Ausstoß senken, etwa durch erneuerbare Energien und effizientere Technik. Gleichzeitig müssen sie widerstandsfähiger gegen extreme Wetterereignisse werden. Internationale Umweltzertifikate könnten Chiles Häfen zudem attraktiver für umweltbewusste Handelspartner machen. Fünftens die Förderung von Fachkräften und Qualifikation: Neue Technik braucht gut ausgebildete Fachkräfte. Camport fordert mehr spezialisierte Ausbildungsangebote, laufende Weiterbildung für bestehende Beschäftigte und eine stärkere internationale Zusammenarbeit in Forschung und Lehre.
Am Ende steht eine strategische Frage: Wie kann Chile in den nächsten 20 bis 30 Jahren mit großen internationalen Häfen konkurrieren – insbesondere mit Blick auf Valparaíso und San Antonio? Und was lässt sich aus jüngsten Hafenprojekten in anderen Ländern lernen? Der Bericht kommt zu dem Schluss: Die Reformen der Vergangenheit waren richtig. Doch jetzt ist es Zeit, die Häfen fit für die Zukunft des globalen Handels zu machen.
Häfen der Zukunft?
Die Wettbewerbsfähigkeit der chilenischen Hafenwirtschaft hängt laut Camport von einem umfassenden Maßnahmenpaket ab, das Infrastruktur, Regulierung, Innovation, Nachhaltigkeit und Humankapital gleichermaßen berücksichtigt. Jeder dieser Bereiche ist für sich genommen wichtig, doch erst ihr Zusammenspiel gewährleistet ein modernes, effizientes Hafensystem, das den Herausforderungen des globalen Handels gewachsen ist. Chile hat Ende der 1990er Jahre in der Hafenpolitik die Entscheidung getroffen, den Betrieb der wichtigsten Containerhäfen privaten Unternehmen zu übertragen. Der Camport-Bericht betont, dass diese Reformen die Häfen – und damit den gesamten internationalen Handel von und nach Chile – deutlich vorangebracht haben. Wie kann ein künftiger Großhafen in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten mit den etablierten Standorten Valparaíso und San Antonio konkurrieren? Und welche Lehren lassen sich aus den jüngsten Ausschreibungen in Callao und Chancay ziehen? Diese Fragen, so die Verfasser, müssten in Chile bald beantwortet werden.
Weitere Informationen auf der Internetseite: www.camport.cl



