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Sunday, 14. June 2026
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Priscila Radke Witzke

Leiterin der Zeitschrift Ya Puerto Varas

Den Ursprung kennen und die Wurzeln pflegen

Priscila Radke wurde 1986 in der argentinischen Stadt Posadas in der Provinz Misiones geboren, einer Region, die als «Schmelztiegel der Kulturen» gilt und eine der höchsten Einwanderungsraten aus unterschiedlichsten Ländern aufweist. Dort besuchte sie die Schule und blickt auf eine glückliche Kindheit zurück: Sie fuhr gern Fahrrad, lief Rollschuh und malte viel. Ihr Vater, von Beruf Lkw-Fahrer, starb, als Priscila erst zwei Jahre alt war. Ihre Mutter, damals Hausfrau, baute sich anschließend ein neues Leben auf. Heute hat Priscila zwei Brüder.

Nach ihrem Schulabschluss studierte sie Journalismus und Multimedia-Kommunikation am Instituto Superior Antonio Ruiz de Montoya in ihrer Heimatstadt. Schon als kleines Kind wusste sie, dass «die Medien mein Ding sind». Alles, was mit Kommunikation zu tun hat – Fernsehen, Radio, Bücher und Kino – interessierte sie. «Die Wahl meines Studienfachs und die Weiterentwicklung meiner Kommunikationsfähigkeiten fielen mir daher leicht. In Argentinien habe ich mehrere Jahre bei Fernsehsendern gearbeitet. Dort habe ich mich auch beim Schreiben engagiert, an mehreren Anthologien mitgewirkt und sogar Wettbewerbe gewonnen.» Seit zwölf Jahren lebt Priscila im Süden Chiles. 2015 gründete sie dort die Zeitschrift Ya Puerto Varas. Außerdem arbeitete sie von 2015 bis 2018 als Redakteurin für den Diario El Llanquihue.

«Wenn man ein Kommunikationsmedium wie die Zeitschrift Ya Puerto Varas betreibt, erlebt man viele schöne und unterhaltsame Momente, insbesondere hört man Geschichten von Menschen, die in die Stadt kommen, niemanden kennen oder nicht wissen, wo sie Informationen über das Leben hier finden können und dann in der Zeitschrift fündig werden. Oft schreiben sie mir und bedanken sich dafür, dass wir ihre Informationsquelle sind. Das bedeutet mir sehr viel. Die Zeitschrift hat mir große Freude und Anerkennung eingebracht – so wurde ich im Jahr 2017 zu einer der 50 jungen Führungskräfte der Region gewählt.» Ya Puerto Varas verfügt heute über eine starke Online-Präsenz: eine eigene Website mit Artikeln und Kategorien sowie aktive Social-Media-Profile auf Facebook, Instagram und X. Priscila Radke berichtet, dass dies am Anfang schwierig war, denn die Menschen waren damals noch nicht so offen für neue Plattformen. Heute sind sie bereits sehr vertraut damit, und das Magazin konnte sich in der Region stark positionieren. Der Inhalt fokussiert sich auf Kultur, Gastronomie, Tourismus, Nachhaltigkeit und lokales Unternehmertum sowie Veranstaltungen. Gelegentlich und zu besonderen Anlässen erscheint es als Sonderausgabe oder auch gedruckt. Priscila möchte die Zeitschrift in der Region weiter etablieren, die Reichweite vergrößern und neue Marken hinzufügen. Zusätzlich hat sie noch andere persönliche Projekte, die sie bald umsetzen möchte, so zum Beispiel den Aufbau eines Beratungsangebots im Bereich Kommunikation für Unternehmen und Unternehmer. Außerdem schließt sie gerade ihre Ausbildung zum Visual Creator im Bereich KI ab, wodurch sie sich neuen Herausforderungen stellen kann.

Gefragt nach ihrer Familiengeschichte erklärt sie: «Ich habe mich schon immer sehr für meine Vorfahren interessiert, weil ich wissen möchte, woher wir kommen. Die Traditionen unserer Vorfahren als Teil unserer Identität zu bewahren, ist für mich persönlich sehr wichtig. Seitens meiner Mutter waren meine Urgroßeltern aus Pommern. Sie kamen am 23. Dezember 1923 mit dem Schiff ‚Sierra Nevada‘ in Rio de Janeiro, Brasilien, an, nachdem sie einige Monate zuvor den Bremer Hafen in Deutschland verlassen hatten. Sie waren Bauern aus einem Ort namens Glansee in der Nähe der Ostsee. Der See gehörte damals zu Deutschland und gehört heute zu Polen.» Sie blieben nur kurze Zeit in Brasilien und beschlossen, weiter nach Argentinien auszuwandern, wo sie sich in der Provinz Misiones niederließen. Hier wurde ihnen Land überlassen und sie widmeten sich der Landwirtschaft, wie Priscila berichtet. Die Familie ihres Vaters stammte ebenfalls aus dieser Gegend. Im Jahr 2010 wurde sie hier zur «Königin der polnischen Gemeinschaft» gekürt und nahm anschließend an der nationalen Wahl in Buenos Aires teil, wo sie den Titel «Miss Sympathie» erhielt. In ihrer Familie sprechen fast alle Deutsch; sie selbst versteht die Sprache, spricht sie jedoch nicht aktiv. Wann immer sie Zeit findet, reist Priscila gern. Bevor sie nach Chile kam, lebte sie eine Zeit lang in Mexiko-Stadt. «Zu den Ländern, die ich kennenlernen möchte, gehören Polen, Deutschland, Frankreich und Ägypten. Ich finde es faszinierend, alles über ihre Geschichte und Bräuche zu erfahren.» In ihrer Freizeit stehen Lesen, Musikhören und Kinobesuche ganz oben auf der Liste, ebenso wie Treffen mit Freunden und Familie. «Ich habe mich sehr gut in Chile eingelebt, vermisse aber doch mein Geburtsland, seine Menschen, Bräuche, Gerüche und Farben. Als echte Argentinierin liebe ich Asado und Mate, aber auch Milanesas (Schnitzel) sowie gekochtes Kohlgemüse mit Fleisch.» Ihre liebste Süßspeise ist eine deutsche Spezialität: der Bienenstich.

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