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Sunday, 26. April 2026
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Johann Sebastian Bach zum 275. Todestag

«Bach ist die Quintessenz aller Musik»

El notable compositor, que además era un virtuoso del violín, del órgano y del clavecín, personifica la cumbre de la música religiosa del barroco. No menos importante es su obra secular, de singular belleza, profundidad y perfección. 

Der junge Bach, Gemälde von Johann Ernst Rentsch   

Es war am 7. Mai 1747, als während des allabendlichen Konzerts auf dem Potsdamer Stadtschloss ein Diener Friedrich dem Großen meldete, Johann Sebastian Bach sei soeben eingetroffen. Der König unterbrach sofort das Konzert und rief: «Meine Herren, der alte Bach ist gekommen!» Er nahm den prominenten Gast freudig in Empfang, führte ihn durch verschiedene Säle, in denen Cembali und Hammerklaviere standen, und forderte ihn auf, auf ihnen zu fantasieren. Johann Nikolaus Forkel, Bachs erster Biograf, berichtet: «Schließlich bat er sich vom König ein Thema aus, um darüber eine Fuge zu improvisieren. Der König bewunderte die gelehrte Art, mit welcher sein Thema so aus dem Stegreif durchgeführt wurde.» Die «Berlinischen Nachrichten» schrieben tags darauf, Bach habe eine dreistimmige Fuge so meisterhaft improvisiert, dass «nicht nur Se. Majest. Dero allergnädigstes Wohlgefallen darüber zu bezeigen beliebten, sondern auch die sämtlichen Anwesenden in Verwunderung gesetzt wurden».

Bach hatte die beschwerliche Reise von Leipzig aus unternommen, wo er als Thomaskantor tätig war. Denn der Preußenkönig, der ihn bewunderte, hatte Bach nach Berlin eingeladen. Der zweite Sohn des Komponisten, Carl Philipp Emanuel, arbeitete an der Königlichen Hofkapelle als Cembalist, und Friedrich hatte diesem nahegelegt, er wolle mit seinem Vater zusammentreffen. Zudem bot sich Bach damit die Gelegenheit, die Ehefrau von Carl Philipp Emanuel und seinen ersten Enkel kennenzulernen.  

Das vom König erfundene Thema verarbeitete Bach zu einem Kammerwerk größeren Ausmaßes, dem «Musikalischen Opfer», das er Friedrich am 7. Juli 1747 in überschwänglich-blumigem Stil widmete. Einleitend schreibt er: «Allergnädigster König! Eurer Majestät weihe hiemit in tiefster Unterthänigkeit ein Musikalisches Opfer, dessen edelster Teil von Deroselben hoher Hand selbst herrühret.» 

Hochbegabter Virtuose und Improvisator

Friedrichs Interesse an Bachs Person und Werk zeugt ohne Zweifel vom Musikverstand des Königs. Zu Lebzeiten Bachs wurde er nämlich nicht als der Größte unter Seinesgleichen anerkannt. Es waren Georg Philipp Telemann, Georg Friedrich Händel und Christoph Graupner, die damals als die führenden Persönlichkeiten der Musikwelt galten. Johann Sebastian Bach wurde eher als ausführender Musiker, als Orgelvirtuose und hochbegabter Improvisator geschätzt. Er stammte aus einer weitverzweigten Familie, deren Vorfahren Organisten, Stadtpfeifer, Mitglieder von Hofkapellen und Kantoren gewesen waren.  

Bachs Grab in der Leipziger Thomaskirche

Der Komponist und Herausgeber der Zeitschrift «Der critische Musicus» Johann Adolf Scheibe etwa äußerte sich im Jahr 1737 wie folgt über Bachs Orgelspiel: «Ich habe diesen grossen Mann unterschiedene mahl spielen hören. Man erstaunet bey seiner Fertigkeit, und man kan kaum begreifen wie es möglich ist, daß er seine Finger und seine Füsse so sonderbahr und so behend in einander schrenken, ausdehnen und damit die weitesten Sprünge machen kan, ohne einen einzigen falschen Ton einzumischen oder durch eine so heftige Bewegung den Körper zu verstellen.»

Flucht aus Lübeck

Johann Sebastian erlernte bereits als Kind das Orgel- und Geigenspiel. Außerdem sang er im Kirchenchor. Im November 1705, er war gerade einmal 20 Jahre alt, pilgerte er nach Lübeck, um «den dasigen berühmten Organisten an der Marienkirche Dieterich Buxtehuden zu behorchen». Er blieb bis Januar des folgenden Jahres, um das Werk dieses Meisters näher kennenzulernen und vor allem, um sein unvergleichliches Orgelspiel zu verinnerlichen. 

Das Bach-Denkmal vor der Thomaskirche

Buxtehude, der mittlerweile 70 Jahre alt war und daher kurz vor seiner Pensionierung stand, erachtete den jungen Kollegen als idealen Nachfolger. Um die Stelle zu erhalten, war allerdings Vorbedingung, Buxtehudes Tochter Anna Margreta zu heiraten, die zehn Jahre älter war und durchaus nicht Bachs Geschmack entsprach. Dazu war er in der Zwischenzeit seiner Cousine zweiten Grades Maria Barbara Bach nähergekommen, die später seine erste Frau werden sollte. Bach ergriff kurzentschlossen die Flucht und stapfte durch den Schnee heim nach Arnstadt, wo er in der Neuen Kirche als Organist angestellt war und am Lyzeum den Chor leitete. 

Später folgten Anstellungen in Mühlhausen, Weimar, Köthen und Leipzig, während denen er parallel zu seiner Tätigkeit als ausführender Musiker unermüdlich komponierte.  

Im Mai 1723 trat er in Leipzig seine letzte Stellung an, die er bis zu seinem Tode innehaben sollte. Als Kantor und Musikdirektor war er für vier Kirchen verantwortlich: für Sankt Thomas und Sankt Nikolai sowie für die Peterskirche und die Neue Kirche. Zusätzlich gab er in der Thomasschule Musikunterricht. Wesentlich für diese Zeit war Bachs Beschäftigung mit Kantaten. Der Inhalt dieser Werke basiert auf Bibeltexten, die im Original wiedergegeben oder paraphrasiert werden. Hinzu kommen freie Dichtungen, die den jeweiligen Bibeltext auslegen und meist schließen sie mit einem feierlichen Choral. Für jeden Sonntag des Kirchenjahres und einige zusätzliche Feiertage musste Bach eine Kantate komponieren. Anschließend studierte er sie mit Solisten, Chor und Instrumentalgruppe ein und führte sie auf. So entstand im Laufe der Jahre ein geistliches Kantatenwerk von 200 Titeln. 

«Gott allein die Ehre»

Bach war ein tiefgläubiger Mensch, der seine gesamte Tatkraft, sein Wissen und seine Begabung der evangelischen Kirche weihte. Viele Werke unterschrieb er mit «SDG», also «Soli Deo Gloria», zu Deutsch «Gott allein die Ehre». Als überzeugter Luther-Anhänger besaß er jedoch zu Andersgesinnten eine für damalige Verhältnisse große Offenheit. Schon als junger Mann offenbarte sich diese Toleranz, als er zu seinem herzoglichen Dienstherrn, der Calvinist war, ein enges persönliches Verhältnis pflegte, und während der späten Leipziger Jahre komponierte er für den katholischen Dresdner Hof eines seiner Meisterwerke, die h-Moll-Messe.

Bach schuf auch weltliche Kantaten, die qualitätsmäßig den religiösen durchaus das Wasser reichen. Meist handelt es sich um Auftragswerke, die aus einem bestimmten Anlass entstanden, zu dem der fürstliche Besteller gehuldigt wurde. Eine Ausnahme stellt hier die berühmte «Kaffeekantate» dar, die er im Leipziger Zimmermannschen Kaffeehaus uraufführte. Ihr Text stammt von Picander, der die Angewohnheit verulkt, Kaffee zu trinken. In der Handlung nehmen zwei Personen und ein Erzähler teil: Der alte Schlendrian ist wütend, dass seine Tochter Lieschen den ganzen Tag dem Laster des Kaffeetrinkens frönt. Seine Drohungen bleiben wirkungslos, bis er seine Taktik ändert und ihr eine Heirat in Aussicht stellt, wenn sie endlich ihre Neigung aufgibt. Lieschen ist entzückt und dankt dem Vater, obwohl sie heimlich mit dem Gedanken spielt, sich einen Mann zu nehmen, der ihr jederzeit das Kaffeetrinken erlaubt. 

Die erste Seite der Violinsonate Nr. 1 in g-Moll BWV 1001, in Bachs Handschrift

Johann Sebastian Bachs Genialität ermöglichte ihm, für die verschiedenen Instrumentalgruppen mit der gleichen Ausdruckskraft zu komponieren, ob es sich um Tasteninstrumente wie die Orgel und das Cembalo oder Streich-
instrumente wie die Violine handelt, für die er hochkomplexe Sonaten und Partiten schrieb. Einzigartig in ihrer melodischen Schönheit sowie in ihren technischen Anforderungen und ihrer höchsten Virtuosität sind die Suiten für Cello, die den großen spanischen Cellisten Pablo Casals zum Ausspruch anregten: «Sie sind die Quintessenz von Bachs Schaffen, und Bach selbst ist die Quintessenz aller Musik.» 

Zu seinen beliebtesten Schöpfungen gehören die sechs Brandenburgischen Konzerte, die er dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt widmete. Sie sind alle stimmungsvoll in Dur-Tonarten gehalten und überraschen mit den verschiedensten Instrumentalkombinationen. Das zweite etwa hat eine Trompete, eine Blockflöte, eine Oboe und eine Geige als Solisten. Und im sechsten wirken nur tiefe Streicher mit, wobei die Solobratsche die oberste Tonhöhe hat. 

Nach seinem Besuch beim Preußenkönig Friedrich II. verlangsamte Bach seinen Arbeitsrhythmus. Ein fortschreitendes Augenleiden erschwerte den Umgang mit Feder und Notenblatt. Als eine motorische Störung im rechten Arm hinzukam, musste er das Schreiben vollends aufgeben. Mitte Juli 1750 erlitt er einen Schlaganfall, dem ein hohes Fieber folgte, von dem er sich nicht mehr erholte. Am Abend des 28. Juli 1750, vor 275 Jahren, erlag Johann Sebastian Bach seinem Leiden.

Johann Sebastian Bach – Diskografische Empfehlungen

Matthäus-Passion BWV 244

Ernst Haefliger (Evangelist / Tenorarien), Kieth Engen (Jesus), Irmgard Seefried (Sopranarien),  Antonie Fahberg (Sopranarien / Erste Magd, Pilatus Weib), Hertha Töpper (Altarien / Zweite Magd), Dietrich Fischer-Dieskau (Bassarien), Max Proebstl (Bassarien / Petrus, Pilatus, Hohepriester), Münchner Chorknaben, Münchner Bach-Chor, Münchner Bach-Orchester/Karl Richter 

Profil Medien, 3 CDs 

Referenzaufnahme des großen Bach-Kenners Karl Richter, mit üppiger Chorbesetzung, dramatisch-impulsiv und voller Expressivität.

Messe in h-Moll BWV 232

Julie Roset (Sopran), Beth Taylor (Mezzosopran) Lucile Richardot (Alt), Emiliano González Toro (Tenor), Christian Immler (Bass), Pygmalion/Raphaël Pichon

Harmonia Mundi, 2 CDs

Raphaël Pichon (1984), der in letzter Zeit als Barockspezialist von sich reden macht, legte im vergangenen April diese Einspielung vor, der der Kritiker der Londoner «Times» attestierte, dass in ihr «Bachs großartiges Werk vielleicht an Noblesse» verliere, aber dafür «sicherlich an menschlicher Dramatik und Spannung» gewänne.

Die Cello-Suiten BWV 

1007-1012

Steven Isserlis (Cello)

Hyperion, 2 CDs

Als Steven Isserlis dieses Album vorstellte, äußerte er, dass Bachs Cello-Suiten «von solch absoluter Perfektion und Erhabenheit» seien, dass es nahezu unmöglich sei, ihnen gerecht zu werden. Die Aufnahme erhielt zahlreiche Preise, darunter die Auszeichnung als «Platte des Jahres».

Die Englischen Suiten Nr. 1-6 BWV 806-811

András Schiff (Klavier)

Decca, 2 CDs 

Bach komponierte die Englischen Suiten wahrscheinlich während seiner Weimarer Zeit, um 1715. Die Aufnahme entstand Ende der 1980er Jahre und erhielt zahlreiche Preise.

Kantaten

Vokalsolisten, Bach-Collegium Stuttgart, Gächinger Kantorei/Helmuth Rilling

Hänssler, unzählige CDs

Helmuth Rillings Bachbegeisterung ließ ihn das Bach-Collegium gründen, mit dem er sich jahrzehntelang mit der Einspielung der Bach-Kantaten beschäftigte. Seine Deutung folgt nicht der bis heute üblichen historisierenden Aufführungspraxis, sondern vertritt die Ansicht, dass Bachs Musik mit modernen Instrumenten durchaus die richtigen Ausdrucksbedingungen hat. 

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