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Friday, 15. May 2026
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Porträt – Marcus Reineke

Leiter des Insalco

Vom Industriekaufmann zum Berufsschulleiter

Desde agosto de 2025, Marcus Reineke dirige el Insalco en Santiago. Tras más de 25 años en un instituto de formación profesional comercial en Düsseldorf, este profesor de Economía y Alemán dio el paso de mudarse a otro continente, junto con su esposa y sus dos hijos, quienes ahora asisten al Colegio Alemán de Santiago.

«Für uns alle war die Ankunft hier im chilenischen Winter nicht einfach», berichtet Marcus Reineke über die ersten Monate der Familie in Santiago. Gerade für seine Kinder, 13 und 15 Jahre alt, sei der Start in der Schule herausfordernd gewesen: «Sie hatten im Grunde keine Sommerferien, sondern direkt wieder Unterricht in einer anderen Sprache, mit sehr langen Unterrichtszeiten an drei Tagen in der Woche. Dazu kamen die Freunde, die sie in Deutschland zurückgelassen hatten. Aber sie sind gut aufgenommen worden und fühlen sich inzwischen recht wohl.»

Auch für ihn und seine Frau war die Eingewöhnung anspruchsvoll: «Wir hatten sehr viel bürokratische Arbeit zu erledigen und sind immer noch dabei, alles fertigzustellen. Überrascht waren wir aber von der Freundlichkeit der Menschen.»

Marcus Reineke verbindet kaufmännische Ausbildung und Lehramtsstudium: «Während meiner Ausbildung zum Industriekaufmann entstand überhaupt die Idee, Lehrer zu werden. Ich wollte praxisnah unterrichten und habe mich bewusst für die Berufsschule entschieden.» Fast 25 Jahre war er zudem Mitglied eines Prüfungsausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK). Das Gremium der IHK, bestehend aus Vertretern von Berufsschulen und Betrieben, nimmt Prüfungen in Ausbildungsberufen ab und bewertet, ob Auszubildende die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten besitzen.

Aus seiner Zeit am Walter-Eucken-Berufskolleg in Düsseldorf schöpft er Erfahrungen für die Leitung des Insalco: «Ich war viele Jahre in der erweiterten Schulleitung tätig, hatte durch Fortbildungen und Arbeitskreise Kontakte zu anderen Schulen und vielfältige Einblicke in Schulentwicklung. Allerdings leite ich das Insalco nicht allein – wir haben einen Geschäftsführer, eine akademische Leiterin und einen Vorstand. Das ist für deutsche Lehrkräfte sicherlich ungewohnt und macht Entscheidungsprozesse nicht immer einfacher.»

Marcus Reineke unterrichtete als Lehrer Marketing, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Deutsch. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm Marketing-Projekte mit realen Kunden: «Die Schülerinnen und Schüler hatten immer sehr gute und kreative Ergebnisse. Generell prägend ist für mich die Arbeit mit den Lernenden und die Interak-
tion – man lernt selbst immer wieder von den Schülerinnen und Schülern. Auch wenn man oft dieselben Inhalte vermittelt, bringt jeder neue Perspektiven ein und gibt praktische Tipps für den Alltag.»

Als Insalco-Leiter verfolgt Marcus Reineke klare Ziele: «Wir möchten erfolgreich den neuen Bildungsgang für Kaufleute im Digitalisierungsmanagement einführen und die Absolventenzahlen mit deutschen Abschlüssen im bilingualen Zweig steigern.» Außerdem hofft er, «noch mehr Unternehmen für die duale Ausbildung begeistern zu können».

Herausforderungen sieht er vor allem in der Bürokratie: «Die Vorschriften und Kontrollmechanismen hier in Chile sind teilweise strenger als in Deutschland. Zudem werden wir oft eher wie eine Universität behandelt, obwohl wir eine Schule sind. Viele Regeln passen daher nicht ideal und machen die Organisation anspruchsvoll.»

Beim Vergleich der dualen Ausbildung fällt ihm auf, dass die grundsätzliche Aufteilung zwischen Berufsschule und Praxis ähnlich ist: «Drei Tage im Unternehmen, zwei Tage in der Schule. Anders ist das Berichtswesen – die Unternehmen müssen für jeden Auszubildenden einen Rotationsplan führen und bei der AHK einreichen. Das bedeutet mehr Arbeit, aber auch mehr Kontrolle, weil das duale System hier noch nicht so bekannt ist.»

Marcus Reineke ist überzeugt, dass die duale Berufsausbildung weiterhin wichtig bleiben wird: «Sie muss aber an moderne Entwicklungen angepasst werden. Viele Prüfungsformate sind noch wie vor 30 Jahren und nicht mehr zeitgemäß.»

Einen Schwerpunkt legt der Pädagoge bei seiner neuen Aufgabe auf die Verbesserung des Unterrichts: «Es ist wichtig, Lehrer von bürokratischen Aufgaben zu entlasten, Wege für den Einsatz von KI und den Umgang mit KI zu finden sowie neue Aufgabenformate zu entwickeln. Der Lernerfolg darf nicht an betriebswirtschaftlich orientierten Kennziffern gemessen werden, die auf Schule meist nicht passen.» Dabei ist ihm wichtig: «Ideen erst einmal umzusetzen und nicht nur die möglichen Probleme zu sehen.» Schülern möchte er vor allem Toleranz und Respekt vermitteln.

Privat wünscht er sich, «dass wir uns weiterhin gut einleben und noch viel vom Land und den umliegenden Ländern kennenlernen». In seiner freien Zeit liest Marcus Reineke gern: «Das kann ich hier natürlich dank E-Book-Readern und Apps für deutsche Zeitungen weiterhin.» Sportlich hat die Familie neue Wege gefunden: «In Deutschland habe ich Tischtennis im Verein gespielt. Das ist hier schwieriger, weil es kaum Vereine gibt. Dafür haben wir Padel angefangen – eine schöne Alternative zu Tennis oder Tischtennis, die uns allen sehr viel Spaß macht.» Auch Musik bleibt ein wichtiger Teil seines Lebens: «Ich gehe auch gerne auf Konzerte. Überraschend war für mich, dass viele Künstler, die ich mag, auch in Santiago auftreten.»

Foto: privat

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