Poco antes de Navidad de 2025 apareció el segundo volumen del autor y experto forestal Herbert Siebert, «El Oro Chilote», que en los últimos meses despertó un gran interés en varias presentaciones del libro, la más reciente en Panguipulli. La obra continúa su aproximación literario-histórica al aprovechamiento de los recursos naturales en el sur de Chile y conduce esta vez a los lectores a la isla de Chiloé en el siglo XIX.
Befasste sich der vor zwei Jahren erschienene erste Band mit der ungeregelten Nutzung und Übernutzung der Naturwälder im Gebiet der heutigen Region Los Ríos, insbesondere mit der Ausbeutung der Urwaldressourcen der Baumart Raulí, so widmet sich der zweite Band von Herbert Siebert vergleichbaren Prozessen, die im 19. Jahrhundert auf der Insel Chiloé stattfanden beziehungsweise von deren Bevölkerung im Umfeld der «Gran Isla» ausgingen. Dieses ebenso sorgfältig recherchierte wie erzählerisch dichte Buch soll im Folgenden näher vorgestellt werden.

Geschichte als Roman – Roman als Geschichte
Der Autor folgt dabei seinen ausgeprägten historischen Neigungen, indem er immer wieder die Verzahnung des geschichtlichen Umfelds mit den privaten Lebensumständen der zeitgenössischen Bevölkerung herausarbeitet. Anders als professionelle Historiker verpackt Siebert seine sorgfältig recherchierte Rückschau in Romanform. Er verknüpft historische Ereignisse mit den Menschen, die sie erleben oder erdulden müssen, und verleiht diesen Figuren eine große Authentizität – bis hin zu den Redensarten, die sie benutzen.
Wenn der Autor von «oro» spricht, ist dies nicht wörtlich, sondern figurativ zu verstehen. Gemeint ist der jeweilige Fächer an natürlichen Ressourcen, der sich einer menschlichen Gesellschaft eröffnet.
Im Falle des «oro chilote» sind dies in erster Linie die Urwälder im weiteren Umfeld der Inselbewohner. Diese Wälder enthielten – neben vielen anderen Baumarten – zwei besonders wertvolle Koniferen: Zum einen die emblematische Alerce, die vor allem auf dem kontinentalen Gegenüber der Insel Chiloé wuchs und von den Chiloten in groß angelegten Schiffsexpeditionen gefällt wurde. Nach der Bearbeitung floss das Holz teils in den Eigenbedarf, teils in den Export. Zum anderen war es der Ciprés de las Guaitecas mit ähnlichen positiven Holzeigenschaften, der auf der gleichnamigen Inselgruppe südlich von Chiloé in frühindustriellem Stil ausgebeutet und bis nach Peru verschifft wurde, wo er unter anderem als Schwellenmaterial im Eisenbahnbau Verwendung fand.
Über Ressourcen, Beutezüge und Handwerk
Eine weitere wichtige Ressource stellte die Meeresfauna dar: Dazu gehörten sporadisch auftauchende Schwärme der Walart Cachalote, die von kleinen Booten aus mit Harpunen erlegt wurden. Ebenso spielte die Pelztierjagd eine bedeutende Rolle – angefangen bei der gnadenlosen Tötung von Seelöwenjungen bis hin zur Jagd auf Coipos (eine großwüchsige Bisamrattenart) sowie auf zwei verschiedene Fischotterarten, die im Küstenbereich der zahlreichen Inseln der patagonischen Fjordlandschaft vorkommen.

Fotos: privat
Sehr hilfreich bei der Nachvollziehbarkeit der zahlreichen Schiffsexpeditionen sind die Karten auf den Innenseiten des Buchumschlags – denn wer kennt sich schon im Detail in der Geografie des südchilenischen Inselreichs aus?
Diese Beutezüge wechseln sich im Roman mit langen Arbeitsperioden der Chiloten ab, die als Handwerker tätig waren, insbesondere als Schreiner, Schiffsbauer und Betreiber von Sägereibetrieben, einschließlich der dazu notwendigen Holzernte und des Transports.
Um dem Ganzen einen besonderen historischen Anstrich von nationaler Bedeutung zu verleihen, lässt Siebert eine seiner Hauptfiguren, Don Segundo, drittes Glied in der Generationenfolge der Familie Ramillanca, an der Expedition des umgebauten Kriegsschiffes «Ancud» bis zur Magellanstraße teilnehmen. Dort errichtet die Besatzung im Jahr 1843 in Santa Ana das Fort Bulnes und hisst die chilenische Flagge, um das südpatagonische Inselreich symbolisch zum nationalen Eigentum zu erklären.
So viel zum Leitfaden dieses ebenso spannenden wie vielschichtigen Buches – ohne dem Leser die Überraschungen und inneren Juwelen des Textes vorwegzunehmen.
Verantwortung und Lernfähigkeit
Zum Abschluss dieser Besprechung seien einige nachdenkliche Anmerkungen erlaubt. Sie gelten der Verantwortung des Menschen bei der Nutzung der Ressourcen dieser Erde. Sowohl im Vorwort als auch im Nachwort des Buches wird dieses Thema aufgegriffen. Der Autor ordnet den historischen Raubbau an der Natur in den sozio-kulturellen Kontext des 19. Jahrhunderts ein. Es wäre zu einfach, aus heutiger Perspektive moralische Urteile über Vorgänge zu fällen, die unter völlig anderen Voraussetzungen vor rund 200 Jahren stattfanden.
Zugleich erscheint diese Optik problematisch angesichts der Tatsache, dass auch heute – in Chiloé, in Chile und weltweit – Raubbau an der Natur an der Tagesordnung ist, potenziert durch den technologischen Fortschritt, obwohl unser Wissen um die Endlichkeit der Ressourcen längst die damalige Vorstellung ihrer unbegrenzten Verfügbarkeit abgelöst hat.
Wichtiger als ein drohender Zeigefinger in Richtung Vergangenheit ist daher die Lernfähigkeit, die in Entschlossenheit münden sollte: Entschlossenheit, jene Bedingungen zu schaffen, die – wo möglich – eine Wiederherstellung oder zumindest eine Sicherung der verbliebenen Natur erlauben. Dies ist das zentrale Plädoyer Herbert Sieberts. Indem er das Ausmaß des Verlustes sorgfältig dokumentiert, macht er zugleich die Größe der Herausforderung sichtbar, die uns eine überstrapazierte Natur heute wie eine Rechnung präsentiert.



