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Saturday, 14. February 2026
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Ein Leben im Wasser

Kristel Köbrichs außergewöhnliche Schwimmkarriere

Kaum eine Sportlerin in Chile steht so sinnbildlich für Ausdauer, Hingabe und Leistungsbereitschaft wie Kristel Köbrich Schimpl. Dieses Jahr feierte sie ihren 40. Geburtstag und hat sich über 30 Jahre dem Schwimmsport gewidmet – eine Zeit, in der andere ihre Karriere bereits beendet hätten. Doch für Kristel Köbrich war Aufhören nie eine Option. Ihre besondere Haltung zum Leistungssport ist schon eigenwillig und speziell. Viele bezeichnen sie auch als einzigartig. Im Sport, in der Kunst oder auch in anderen alltäglichen Tätigkeiten kommt es auf vieles an, doch eines ist unersetzbar: Talent.

Kristel und Michael Köbrich Anfang November in Santiago

Bei Kristel Köbrich kommen hinzu eine gute Portion Entschlossenheit, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit. Welche Überzeugung muss man haben, um nicht aufzugeben? Um auf ein Ziel zu setzen, die Leistung zu verbessern oder einfach nur zu halten? Seit ihrer Kindheit lebt sie nach strengen Trainingsplänen, verzichtet auf Partys, Urlaube und manche Familienfeste – denn stets wartet der nächste Wettkampf, ob in Melbourne, Rom oder Shanghai.

Seit vielen Jahren beginnt jeder Tag um vier Uhr morgens mit der ersten Trainingseinheit. Nach einer kurzen Pause folgen Wassertraining, Kraftübungen, Yoga und alles, was die Vorbereitung erfordert. Jede Minute ist für Wochen genau vorgeplant, Zufälle gibt es in ihrem Alltag nicht.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht gehören zwei Momente zu den größten Höhepunkten ihrer außergewöhnlichen Karriere: 2004, als Kristel die Fahne Chiles bei den Olympischen Spielen in Athen tragen durfte, und 2023, als sie bei den Panamerikanischen Spielen in Santiago Silber gewann – beide Male vor ausverkauften Tribünen und begeistertem Publikum. Für mich bleiben es unvergleichliche Erinnerungen, die ich hautnah miterlebte. Als stolzer Vater, aber vor allem als Fan einer besonderen Tochter, egal wie oder was sie im Wasser leistet, es gibt immer nur Applaus und Anerkennung.

Kristel ist die jüngste von drei Schwestern. Katherinne lebt mit ihrer Familie in Santiago und arbeitet seit vielen Jahren als Erzieherin an der Deutschen Schule. Stephanie, Ärztin von Beruf, hat ihre Familie in Puerto Varas. Alle drei verbindet ein starker Zusammenhalt – und die gemeinsame Vergangenheit im Wettkampfschwimmen, bevor sich ihre Wege trennten.

Preisverleihung in Lima

Nach dem Schulabschluss traf Kristel eine mutige Entscheidung: jung, unerfahren, aber entschlossen zog sie nach Argentinien, um ihre professionelle Schwimmkarriere fortzusetzen. Eine Herausforderung – auch für ihre Eltern –, die den Grundstein für ihre jahrzehntelange Laufbahn legten.

In Chile wird der Bedarf an Nachwuchs im Schwimmsport immer deutlicher. Seit 2003 war Kristel die einzige Athletin, die bei Panamerikanischen Spielen eine Schwimm-Medaille für das Land gewann – insgesamt fünf auf diesem Niveau. 2024 startete sie in Paris zum sechsten Mal bei Olympischen Spielen, ein Rekord für Chile.  Ihre Bedeutung zeigt sich auch darin, dass das Hallenbad des größten Schwimmleistungszentrums des Landes nach ihr benannt wurde – eine Ehre, die ihresgleichen sucht.

Und vielleicht schließt sich der Kreis bald erneut: Ihr elfjähriger Neffe wird schon in Kürze in genau diesem Becken als Regionalmeister seine Leistung zeigen. Die Geschichte wiederholt sich.

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