Städteserie Teil 2
En honor al entonces ministro del Interior Antonio Varas, Puerto Varas recibió su nombre. Oficialmente, la comuna fue fundada hace 100 años, el 30 de diciembre de 1925, mediante un decreto del Ministerio del Interior que dividió el territorio nacional en provincias, departamentos y comunas. La pequeña pero vibrante ciudad, con cerca de 50.000 habitantes, se encuentra en el extremo más austral del enorme lago Llanquihue.

Gegründet wurde Puerto Varas 1853, als sich die ersten Einwanderer am Llanquihue-See und in seiner Umgebung niederließen. 1897 erhielt es Stadtrechte und 1925 wurde es offiziell per Dekret zu einer Gemeinde ernannt. Das Stadtgebiet erstreckt sich über ein auffällig ausgedehntes Gebiet, das vom westlich gelegenen Nueva Braunau bis zum See Todos Los Santos an der Grenze zu Argentinien reicht. Das sind um die 100 Kilometer Entfernung und die Fläche entspricht einer Größe, die circa viermal so groß wie Las Condes ist.

Heute ist Puerto Varas als ein beliebtes Reiseziel bekannt. Die Seen- und Vulkanlandschaft, ein großes Angebot an Hotels und preiswerten Sommerwohnungen, viele Restaurants und Cafés, aber gleichzeitig ein gemütlicher Alltag machen den Reiz der Stadt aus. Was sie für einige Besucher aber besonders interessant macht, sind die vielen Spuren der deutschen Einwanderer, die man bis heute vorfindet. Puerto Varas bietet zum Beispiel alles, was das Herz an deutschen Köstlichkeiten begehrt: Von Läden für Wurstwaren, insbesondere der Cecinas Llanquihue und Nueva Braunau, bis hin zu lokalen Bierbrauereien, Bäckereien und Konditoreien deutscher Art – überall zeigt sich der über 170-jährige Einfluss der deutschen Kultur und Lebensart.
Puerto Varas – eine Stadt aus der Zeit der Deutschen Einwanderung
Vor 1850 war das Gebiet kaum besiedelt. Die chilenische Regierung unter Präsident Manuel Bulnes Prieto bemühte sich, vor allem deutsche Einwanderer zu motivieren, sich im Süden Chiles niederzulassen. Ein Gesetz von 1845 zur Förderung der «Kolonisierung von unbesetzten Gebieten» sollte dieses Vorhaben vorantreiben. Es entstanden die ersten Dörfer. Die Siedler bekamen Ländereien zu günstigen Bedingungen, Werkzeuge, auch Saatgut sowie Nutztiere und, wer es wollte, die chilenische Staatsbürgerschaft.


Allerdings waren die Grundstücke weit voneinander entfernt und manchmal schwer zu erreichen. Ein Pfad durch den dichten Urwald von der Bucht von Reloncavi bis an den Llanquihue-See musste erst geschaffen werden. Die Siedler kämpften sich durch dichte und verwachsene Lärchenwälder. Sümpfe und Morast erschwerten das Vorankommen, besonders im Winter bei Regen und Kälte. Der Urwald musste als Weide und Ackerland nutzbar gemacht werden – eine extreme Herausforderung, bei der die Siedler auf sich allein gestellt waren.
Die ersten 400 Familien
Etwa 400 Familien wagten bis 1875 dieses Abenteuer. Auf der Süd- und Westseite des Llanquihue-Sees entstanden langsam fruchtbare Ländereien und Ortschaften.


Auf dem Land, wo die Ansiedlung der Einwanderer ursprünglich begann, konnten Dörfer nur langsam entstehen. Für den Häuserbau benötigte man vor allem Holz, Balken, Dachschindeln, Fenster, Zäune und vieles mehr. All dies wurde an einem bestimmten Ort am See hergestellt, in «La Fábrica», das etwas östlich des heutigen
Puerto Varas an der Bucht liegt. Hier entstanden die ersten Werkstätten und Betriebe – Müller, Schlachter, Schreiner und andere Handwerker –, die die Siedler versorgen konnten. Auch La Laja, weiter südlich gelegen, entwickelte sich in dieser Zeit zu einer Ortschaft.
Ein Meilenstein in der regionalen Entwicklung war die Ankunft der Eisenbahn um 1913. Dank dieser konnten Waren schnell und sicher in den Norden transportiert werden.
Deutsche Besonderheiten – wie die Pferdezucht, Imkerei, Marmelade und eingekochte Früchte oder Daunendecken – breiteten sich in der Region aus. Deutsche Feiertage fanden Einzug in den Alltag. Sogar der alljährliche Kuchentag ist bis heute populär.

Die erste deutsche Schule wurde 1904 eingeweiht. Auch entstanden hauptsächlich lutherisch geprägte Kirchengemeinden. 1885 gründete sich der deutsche Verein. Dort fand man deutsche Küche mit Bierstube vor, gemütliche Räumlichkeiten und einen Festsaal. Um die Jahrhundertwende wurden die deutsche Feuerwehr und ein deutsches Altersheim gegründet, 1910 ein deutsches Krankenhaus eingeweiht. In dem Gebäude befindet sich heute die bekannte Clínica Puerto Varas. Diese Institutionen spielen weiterhin eine wichtige Rolle im Stadtleben, wie man an dem über 50 Jahren bestehende Altersheim «Gerda Heim Minte» sieht: Es liegt in bester Lage und ist bei den Ansässigen aufgrund der Betreuungsqualität hoch angesehen.
«Circuito Patrimonial» und Museo Antonio Felmer
20 gut erhaltene historische Holzhäuser deutscher Familien aus der ersten Einwanderungswelle stehen unter Denkmalschutz, viele davon befinden sich auf dem «Circuito Patrimonial» in der Nähe des Cerro Calvario bei der Stadtklinik. Von dem Calvario Berg aus gibt es ein herrliches Panorama von Stadt, See und Vulkanen zu bewundern – wenn es das Wetter erlaubt. Denn regnen kann es auch ganz schön.


Puerto Varas ist in den letzten Jahren sehr gewachsen und wird auch als «Schlafzimmer» von der Regionalhauptstadt Puerto Montt bezeichnet. Viele arbeiten dort und pendeln täglich und belasten so den Verkehr extrem. Eine moderne und verlässliche S-Bahn erleichtert mit Erfolg seit kurzem die Verbindungen zwischen Llanquihue und Puerto Montt mit Haltestelle in Puerto Varas. Sogar Ladezapfen für E-Autos sind vorhanden, werden aber wenig genutzt.
Eine Plaza mit ausladenden Tannen, den «Mañios», liegt in unmittelbarer Nähe des Sees. Davon ab geht die Calle Techada, eine überdachte Straße, die in Regenzeiten Märkten, Ausstellungen und Veranstaltungen Platz bietet. Bekannt ist die Stadt auch als «Ciudad de las Rosas», die Rosenstadt, da das Stadtgebiet im Bereich der Uferpromenade von mehreren Rosengärten durchzogen ist. Zuletzt darf das Museum Antonio Felmer in Nueva Braunau nicht unerwähnt bleiben, das Haushalt und Lebensgewohnheiten der Einwanderer auf einmalige Art erfahrbar macht.

Nueva Braunau ist ein kleiner Vorort von Puerto Varas, wo sich etwa 100 Einwandererfamilien, die meisten aus Braunau (im ehemaligen Böhmen, heute Tschechien) um 1870 niedergelassen haben.
Das war wenige Jahre nachdem die ersten Einwanderer über Melipulli, später Puerto Montt, in das Seebecken des Llanquihue-Sees, kamen. Insgesamt wird Puerto Varas als Wohnort immer attraktiver. Wohnraum ist vorhanden – wenn man sich die steigenden Grundstückpreise leisten kann. Doch die das Glück haben dort zu wohnen, genießen deutsche Traditionen und Vereine in einer aufblühenden Stadt umringt von einer einmaligen Seekulisse, die vor 170 Jahren von deutschen Einwanderern gegründet wurde.
Quellen: Marta Werner, «Neue Heimat», 1971, Texte von Bruno Siebert, Emil Held Archiv, regionale Presse.
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