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miércoles, 28. septiembre 2022
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Forschungsprojekt im Emil-Held-Archiv Auf den Spuren von Guillermo Frick

Bornick bei der Digitalisierung historischer Dokumente

Der Berliner Guillermo Frick spielte bei der Einwanderung der Deutschen im Süden eine große Rolle. Boris Borneck besuchte im August zum dritten Mal das Emil-Held-Archiv des Deutsch-Chilenischen Bunds (DCB) in Vitacura, um über Guillermo Frick zu recherchieren. 

Ziel des Projektes ist es, einen Großteil der Schriften und historischen Aufzeichnungen von Wilhelm Frick zu sammeln, zu digitalisieren und erstmals in Buchform zu veröffentlichen. «Das Emil-Held-Winkler-Archiv im DCB bietet für diese Aufgabe den idealen Rahmen», sagt Borneck. Dort seien zahlreiche Unterlagen und Materialien von Frick archiviert, darunter Karten, Fotografien, Schriften und andere für die Forschung bedeutende Dokumente wie der Plan seines Flugzeugprojekts von 1891. Das Archiv beherberge auch zahlreiche historische Druckerzeugnisse und andere bibliografische Werke, stellt Borneck fest. 

«Kolonisierungsagent» Guillermo Frick

Guillermo Frick etwa im Jahr 1888

Guillermo Frick, der maßgeblich am Projekt der Besiedelung des Südens Chiles beteiligt war, lebte von 1842 bis zu seinem Tod im Jahr 1905 in Valdivia. Gemeinsam mit Bernardo Philippi und dem damaligen Intendanten von Valdivia Salvador Sanfuentes entwarf Frick 1846 die ersten Pläne zur Besiedelung durch deutsche Einwanderer. 

Als Landvermesser untersuchte und bestimmte Frick das Land im Süden Chiles, das die Siedler bei ihrer Ankunft erhalten sollten.  Als Nachfolger von Vicente Pérez Rosales war er «Kolonisierungsagent» und bis 1877 der Hauptverantwortliche für den Straßenbau in der Provinz Valdivia. In den letzten Jahren seines Berufslebens arbeitete Frick als Professor für Physik und Chemie am Liceo de Hombres in Valdivia, dessen Direktor er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1891 war. Frick war auch ein leidenschaftlicher Musiker, der mehr als 100 Werke komponiert hat.

In den historischen Kontext stellen

Borneck ist durch Padre Ga-briel Guarda zur Beschäftigung mit historischen Themen gekommen. Der Benediktermönch erhielt den Premio Nacional de Historia und verstarb im vergangenen Jahr. «Mein Interesse an Guillermo Frick wurde geweckt, als ich bei anderen Recherchen in verschiedenen Archiven in Valdivia über die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts immer wieder auf seinen Namen stieß. Dabei stellte sich heraus, dass Frick eine große Anzahl von Berichten und verschiedenen Schriften verfasst hat, die größtenteils in den Zeitungen der damaligen Zeit veröffentlicht wurden. Sie stellen eine großartige neue Informationsquelle über die Anfänge der deutschen Besiedlung in Valdivia und ihre Entwicklung im 19. Jahrhundert dar.»

Die meisten Originaldokumente von Frick befinden sich jedoch in Archiven und Bibliotheken in Santiago. Insbesondere die persönlichen Dokumente wurden von Nachkommen dem Held-Winkler-Archiv geschenkt. Borneck nahm Kontakt mit dem Deutsch-Chilenischen Bund auf und die Zusammenarbeit konnte beginnen. Dies ist sein erstes Werk, das als eine vollständige Zusammenarbeit mit dem DCB eingestuft werden kann. Die Suche nach geeigneten Schriften und Details über Wilhelm Frick und sein Leben hat sich laut Borneck als schwierig erwiesen, da seine Schriften weit verstreut und viele davon unwiederbringlich verloren sind.

Zum Forschungsteam gehören

auch Marcos Barrientos,der nach Fricks Schriften in der Biblioteca y Archivo Nacional recherchiert, und Andrés Valenzuela, der die deutschen Schriften von Frick ins Spanische übersetzt.«Die Kunst», so Borneck, «besteht darin, die Texte zu analysieren, sie durch Erläuterungen in den richtigen historischen Kontext zu stellen und sie für den Leser anschaulich und erlebbar zu machen.» Doch das ist leichter gesagt als getan. Das Archiv bietet eine so komplexe Menge an verfügbarem Material, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis der Forscher seine Arbeit mit der Veröffentlichung seines Buches abschließen kann. Unterstützt wird Borneck dabei von Daniela Casanova Iturriaga, Leiterin des DCB-Archivs. 

Der DCB freut sich über jeden, der sich für die deutsch-chilenische Geschichte interessiert, möchte aber auch dafür sorgen, dass es für die Nutzung des umfangreichen Archivs «etwas zurückbekommt».

Seminar und Buchveröffentlichung

Blaupause eines Flugzeugs – angefertigt von Frick im Jahr 1891

Zu der geplanten Veröffentlichung sagt Boris Borneck: «Am Ende werden wir ein Buch mit einer Biografie von Frick und nur einigen ausgewählten Texten von ihm veröffentlichen, da das Buch nur 120 Seiten hat. Es wird unterstützt vom Servicio del Patrimonio y la Cultura.» Sobald das Projekt abgeschlossen ist, werden sich die Forscher an den Buchfond des Ministerio de las Culturas, Artes y el Patrimonio wenden, um die Mittel für die Veröffentlichung aller seiner Schriften in einem großen Buch zu erhalten.

Borneck wird ein Seminar beim DCB zu dem Thema anbieten. Darüber hinaus wird es eine kostenlose Ausgabe des Buches mit den recherchierten Inhalten zu Wilhelm Frick geben.

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