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jueves, 1. diciembre 2022
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Porträt – Rolf Büntemeyer Schmid

Ingenieur und Firmengründer von Suton 

«Der Wind fasziniert mich – ob bei der Arbeit oder in der Freizeit!»

Sein gesamtes Leben hat ihn das Thema Wind begleitet. Rolf Büntemeyer ist Gründer der Firma Suton, ein auf den Aufbau und die Wartung von Wind- und Solarparks spezialisiertes Unternehmen mit Niederlassungen in Chile und Argentinien.

Rolf Büntemeyer Schmid wurde 1987 als Kind der dritten Generation deutscher Einwanderer in Santiago geboren. Sein Urgroßvater Heinrich Büntemeyer war 1916 von Hamburg nach Valparaíso gekommen. Der Goldschmied hatte in der «Goldstadt» Pforzheim seinen Beruf erlernt. Erst war er Angestellter eines Juweliergeschäfts in Santiago, dann gründete Heinrich Büntemeyer sein eigenes Geschäft im Stadtzentrum. Heinrichs Sohn, Rolfs Großvater, erbte das Schmuckgeschäft, das er bis 1973 leitete.

Auch Rolfs anderer Urgroßvater Alfred Schmid kam 1906 von Deutschland nach Valparaíso, gerade als das große Erdbeben die Stadt erschütterte. Er blieb vor Ort, um bei den Aufräumarbeiten mitzuhelfen, und lernte einige Europäer kennen. Sie boten ihm eine Stelle im Norden Chiles in den Salpeterminen an. Mehrere Jahre arbeitete er für die Firma H.B. Sloman und gründete schließlich in Chile eine Familie. Rolfs Eltern waren beide auf der Deutschen Schule in Santiago, haben sich aber erst im Andenverein wirklich kennengelernt. 

Auch Rolf Büntemeyer sollte ursprünglich auf die Deutsche Schule Santiago gehen, wurde aber wegen des nahen Wegs des Elternhauses zur Schweizer Schule dort angemeldet. Sowohl zuhause als auch in der Schule wurde meistens Deutsch gesprochen. «Manchmal ist es aber so eine Art Span-Deutsch, ein Mix», meint Rolf Büntemeyer lachend. Im Alter von 17 Jahren machte er einen Schüleraustausch in Basel in der Schweiz. Die vier Monate verbrachte er in einer englischsprachigen Familie, so dass er auch seine Englischkenntnisse verbesserte. 

Während seines Studiums des Bauingenieurwesens an der Universidad Católica in Santiago hat der Student immer «etwas anderes» gesucht, was seinen Interessen nahekommt. Gefunden hat er es schließlich während eines Praktikums bei der dänischen Firma Seawind in einem Windpark in La Serena. Als Praktikant verbrachte er den gesamten Sommer 2011 bei dem Unternehmen und half beim Aufbau der Windräder mit. Seine Mitarbeit wurde mit der Zeit immer wichtiger, wie er erzählt: «Zufälligerweise waren die Anlagen, die wir vor Ort errichteten, in Deutschland hergestellt worden. Und ich war der Einzige, der Deutsch sprach.» Das habe den deutschen Mitarbeitern der Anlagen-Hersteller, die extra für die Montage und Inbetriebnahme der Windanlagen nach Chile gereist waren, die Arbeit enorm erleichtert.

Rolf Büntemeyer fand durch das Praktikum mit der Technik der Windenergieerzeugung nicht nur den Bereich, der ihn faszinierte, sondern erhielt auch beruflich eine Perspektive: «Nach dem erfolgreichen Abschluss an der Universidad Católica 2012 stellte mich die Firma Seawind fest an. Alles, was mit Windprojekten zu tun hat, haben wir in dem Unternehmen gemacht: den Bauablauf, die Installation und Inbetriebnahme von Windkraftanlagen und die Wartung.»

Seawind wurde im Laufe der Jahre zweimal verkauft, bis der Betrieb im Jahr 2018 eingestellt wurde. «Da ich inzwischen alle Kenntnisse für den Aufbau von Windrädern und auch viele Kundenkontakte in Chile hatte, habe ich mich noch im gleichen Jahr entschlossen, meine eigene Firma zu gründen», erzählt der Ingenieur. Bis heute bietet seine Firma Suton für Windanlagen Service, Wartung und technische Hilfe an. 

Damit habe auch er eine Aufgabe gefunden, die ihm sehr liegt: «Es gefällt mir, praktisch tätig zu sein, auch selbst Hand anzulegen und dafür regelmäßig hoch oben auf einer Anlage zu stehen.» Als weiteres berufliches Standbein hält er Seminare, um Unternehmens- oder Universitätsmitarbeiter über die technischen Kenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Windanlagen weiterzubilden. An den technischen Universitäten in Chile gäbe es auch mittlerweile den Studiengang «Erneuerbare Energien».

Der Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 in Chile machte schließlich auch beim Bereich der erneuerbaren Energien nicht Halt. «Aufgrund der Restriktionen konnten wir nicht mehr regelmäßig in den Windparks tätig sein», erzählt Rolf. «Eine Lösung musste her. Daher entschied ich mich auf Solarenergie umzusteigen, da dies mit weniger oder anderem logistischem Aufwand verbunden ist.» Er sieht den Wandel auch positiv, denn durch die Pandemie sei es zu einer Diversifikation des Angebots seiner Firma gekommen. Mittlerweile bietet er den Service rund um sowohl Wind- als auch Solaranlagen an. Der Fokus liege aber auf den Windanlagen.

Weniger Arbeit sei es aber nicht geworden: «Im Gegenteil, es wird sogar immer mehr, da viele Gemeinden nun auf erneuerbare Energien setzen wollen. Die Projekte ziehen sich über mehrere Jahre, meistens sogar zwei bis drei Jahrzehnte hin, bis ein Windpark vollständig aufgebaut ist», stellt der 35-Jährige fest. Zudem fehle es in Chile an vielen Fachkräften.

Niedergelassen hat sich der Deutsch-Chilene mittlerweile in Rocas de Santo Domingo. Dort lebt er gemeinsam mit seiner Frau Valentina und das Paar erwartet sein erstes Kind. Kennengelernt haben sich die beiden beim gemeinsamen Hobby Windsurfen im argentinischen Ort Cuesta del Viento. Während seiner Unizeit sei er häufig gemeinsam mit Freunden dorthin gereist, um gemeinsam zu surfen. Die Familie seiner Frau seien große Enthusiasten dieser Sportart. Auch Rolf Büntemeyer liebt es, am Strand in der Nähe von Rocas de Santo Domingo das Windsurfen aktiv auszuüben. «Der Wind fasziniert mich – ob bei der Arbeit oder in der Freizeit!»

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