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sábado, 5. diciembre 2020
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Karen Lüderitz – Malerin und Industriedesignerin

«Keine Farbe tritt allein auf, die Farben singen immer miteinander»

Von Nicole Erler

Ihre Großmutter gab ihr als Kind zum Spielen bunte Knöpfe, die sie auf einem weißen Stück Stoff in verschiedenster Anordnung kombinierte. In dieser ruhigen, warmen und liebevollen Umgebung verspürte Karen Lüderitz die ersten Impulse mit der Magie der Farben zu experimentieren. Die Künstlerin drückt ihre Emotionen in ihrer Malerei aus – Farben sind ein zentrales Element in ihrem Leben.

Die Lebensfäden ihrer Vorfahren liefen aus Deutschland, Spanien, Irland und Schottland nach Chile in ihr zusammen. Karen Lüderitz wurde 1955 in Viña del Mar geboren. Noch als Mädchen zog sie mit ihrer Familie nach Santiago. Dort lebt und arbeitet sie bis heute.

An der Universidad Católica studierte sie Kunst und Industriedesign. Nach ihrem Studium war die Industriedesignerin einige Jahre für den chilenischen Hersteller von Keramikprodukten «Fábrica Nacional de Loza – Fanaloza» tätig. Währenddessen entwickelte sie experimentell ihre eigenen künstlerischen Projekte weiter. Karen Lüderitz malt mit Ölfarben. «Die Kunst ist eine intime Sache», sagt sie. Sie wollte sich nicht dem Druck aussetzen, ausstellen oder verkaufen zu müssen. Ihre Arbeit als Industriedesignerin machte sie unabhängig davon. Nach einigen Jahren gründete sie ihre eigene Firma im Bereich Industrie- und Grafikdesign, gemeinsam mit drei Geschäftspartnerinnen. Als sie 1993 das erste Mal Mutter wurde, verlegte sie ihr Büro schließlich nach Hause.

2006 nahm sie an einem Workshop der «Washington Studio School of Arts» teil und stellte im selben Jahr ihre Bilder in der Chilenischen Botschaft in Washington aus. Im Jahr 2010 gab Karen Lüderitz ihre Arbeit als Industriedesignerin auf, um sich vollständig ihrer Kunst zu widmen. «Meine Werke sind frei, sie bahnen sich ihren eigenen Entstehungsweg durch mich. Ich bin sehr dankbar.» Ihr Atelier ist in einem ehemaligen Stall untergebracht, der zu den mittlerweile ungenutzten Wirtschaftsgebäuden des Benediktinerklosters in Las Condes gehört. Dort arbeitet sie allein in ihrer Werkstatt. Die Glocken läuten jede Stunde. Um sechs Uhr abends ist es Zeit nach Hause zu gehen. Ihre Atelierräume nutzt sie zusätzlich auch, um Farbunterricht zu geben – sie nennt es «Interacción de colores».

Während der Pandemie verlegte Karen Lüderitz ihr Atelier in ihr Wohnzimmer. Sie kam gerade von einer kurzen Schiffsreise im Süden von Chile zurück, als die Zeit der Quarantäne begann. Nach dem ersten Schock begann sie die neue Situation zu genießen: Ihr Mann und ihre beiden Kinder arbeiten und studieren ebenfalls von zu Hause aus. «Ganz harmonisch ist die häusliche Atmosphäre. Ich fühle mich nicht eingesperrt. Hinzu kommt, dass mich nichts mehr von außen ablenkt. Ich fühle mich lebendig, in einer Zeit, in der die Welt großen Herausforderungen gegenübersteht.» Neben ihrer Arbeit sind ihre Familie, ihre Tiere und ihr Garten diejenigen, mit denen sie ihre Zeit am liebsten verbringt. Und sie reist gern! 2012 erkundete sie mit ihrer Familie Deutschland. Sie erzählt, dass sie bei ihrem Besuch der Hauptstadt Berlin etwas sehr Besonderes verspürte: Zugehörigkeit und Verwurzelung. 2013 stellte sie ihre Werke in der Chilenischen Botschaft in Berlin aus. Die Palette ihrer Ausstellungsorte greift jedoch noch weiter: Chile, Argentinien, Indien, USA, Spanien, Belgien, Portugal und Griechenland. In der Zukunft möchte die Künstlerin noch mehr über andere Kulturen und Sprachen lernen und weiterhin reisen. «Das Reisen ist eine Quelle der Inspiration für mich. Neue Räume, neue Farben, neue Menschen. Es gibt viel zu entdecken.»

Großes Bedauern empfand daher Karen Lüderitz, dass sie aufgrund der Pandemie nicht persönlich bei der am 13. September eröffneten Ausstellung in der Kunstgalerie der «Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps» in Freiburg (Seite 5 und 6 in diesem Cóndor) anwesend sein konnte. Die 12.000 Kilometer lange Reise von Santiago über Berlin nach Freiburg mussten ihre Bilder allein machen. Bei der Zusammenarbeit mit dem Künstler Karl Menzen zu dieser Ausstellung entdeckten beide trotz verschiedener Sprachen, Techniken und Materialien einen gemeinsamen Raum, nämlich die Leere zwischen dem Material. Im Fall von Lüderitz’ Arbeiten ist das der Raum zwischen den Farbschichten. «Die Schichtung verschiedener Farbtöne ist wie das menschliche Leben. Aus der Vergangenheit schichten wir immer mehr Erfahrungen übereinander. Unser eigenes Bild erhält dabei immer mehr Tiefe.»

Besonders berührt ist Karen Lüderitz von den Reaktionen auf ihre Kunstwerke. Sie erzählt: «Während einer Ausstellung auf der «NordArt», einer Kunstausstellung für internationale zeitgenössische Kunst in Schleswig-Holstein, verkaufte ich eines meiner Bilder an ein Ehepaar. Einige Zeit später schrieben sie mir, dass mein Bild ihren kalten, langen, dunklen Winter mit Wärme gefüllt hatte.»

Eine weitere Geschichte erzählt das Zusammenspiel von Mensch und Kunst über die Generationen hinweg: Der Urgroßvater einer Ausstellungsbesucherin hatte seinerzeit per Schiff die Magellan-Straße umsegelt. «Ein Maler müsste die Farben dieser Abendstunden festhalten.» Das waren seine Worte, und seine Urenkelin hat schließlich diese Malerin gefunden, nämlich Karen Lüderitz.

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