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jueves, 9. febrero 2023
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Porträt – Josefa Ibaceta

Vorstandsvorsitzende des Netzwerks Inveca für Wissenschaftler

«Gemeinsam  die Forschung vorantreiben»

Für die promovierte Maschinenbauingenieurin Josefa Ibaceta ist in Wissenschaft und Forschung das Zusammenarbeiten oberstes Credo. Seit drei Jahren ist sie Vorsitzende des Vereinsvorstands von Red Inveca und motiviert Forscher unterschiedlicher Disziplinen, sich im Rahmen der deutsch-chilenischen wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu engagieren.

Derzeit arbeitet Josefa Ibaceta bei der Fraunhofer-Gesellschaft Chile, wo sie als externe Beraterin angewandte Forschung zu den Themen grüner Wasserstoff und Kohlenstoffaufnahme betreibt. Ihr besonderes wissenschaftliches Interesse gilt den Auswirkungen des Klimawandels und den Maßnahmen zum Klimaschutz. 

In ihrer Heimatstadt Santiago studierte sie nach ihrem Schulabschluss zunächst Maschinenbau an der Universidad de Chile. Sie konzentrierte sich auf den Bereich erneuerbare Energien, mit Fokus auf Fotovoltaik, und schloss im Jahr 2017 das Studium mit einem Master ab. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit absolvierte sie ein zweimonatiges wissenschaftliches Praktikum an der University of California und bewarb sich am Ende ihres Studiums um ein Promotionsstipendium bei dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) und der chilenischen Regierung. Die 30-Jährige berichtet: «Meinen ersten Kontakt mit Deutschland hatte ich während meines Bewerbungsgesprächs für mein Stipendium beim DAAD. Meine Interviewpartner wollten alles genau wissen: Warum ich in Deutschland promovieren wolle und was genau ich mit meiner Promotion erreichen wolle. Das hat mir sofort gefallen.» 

Die Ingenieurin promovierte mit ihrem Stipendium bis 2022 an der Technischen Universität Berlin und spezialisierte sich auf Modellierung und Materialstudien von fotovoltaischen Solarzellen. In der Forschungsgruppe seien Wissenschaftler aus der ganzen Welt tätig gewesen, die ihre professionellen, persönlichen und kulturellen Besonderheiten haben einfließen lassen, berichtet Josefa Ibaceta. Es sei erstaunlich gewesen, wie gut das methodische Vorgehen ermöglicht habe, dass sich die Gruppe sich derart verbessern konnte. Sie erinnert sich: «Unter uns Kollegen gab es kein Konkurrenzverhalten. Das hat uns stark gemacht. Mir kam auch zugute, dass ich breitgefächert ausgebildet war, so konnte ich mich frei zwischen den Spezialisten bewegen und wurde so zu einer Art Bindeglied.» 

Das Leben in Berlin habe sie genossen, erzählt die Ingenieurin weiter. Die Struktur und Ordnung, die vielen Fahrradwege, alles sei so gut organisiert. Gefallen hat ihr auch die multikulturelle Bevölkerungsstruktur in Berlin.

Seit 2019 ist die Wissenschaftlerin Teil des Vorstands des Red de Investigadores Chilenos en Alemania (Red Inveca). Es ist bereits ihre zweite Amtszeit. Die gemeinnützige, unabhängige und interdisziplinäre Organisation besteht aus über 100 aktiven Mitgliedern, deren Ziel es ist, die wissenschaftliche Entwicklung und Bildung sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Chile zu fördern. Dafür veranstaltet der Verein unter anderem einmal jährlich eine zweitägige Konferenz in einer deutschen Stadt. Der Verein sei generell an keinen physischen Ort gekoppelt, erklärt Josefa Ibaceta, und die Mitglieder seien keineswegs nur Deutsche und Chilenen. «Auch Wissenschaftler aus anderen lateinamerikanischen Ländern nehmen aktiv teil. Es sind auch nicht ausschließlich Wissenschaftler dabei, sondern teilweise stammen die Mitglieder auch aus nichtwissenschaftlichen Berufen. Entscheidend ist, dass wir alle gemeinsam die wissenschaftliche Forschung und Zusammenarbeit zwischen Chile und Deutschland vorantreiben wollen.» 

Die Hierarchien seien dabei ganz flach, sagt die Ingenieurin. Der Vorstand organisiere den Rahmen, die Mitglieder seien frei, um zum Beispiel in Eigeninitiative thematische Seminare zu veranstalten. Dabei ginge es nicht immer nur um Wissenschaft, auch die interkulturelle Komponente nehme dabei viel Raum ein. 

Der Verein habe mit seinen Aktivitäten vor rund zehn Jahren in Berlin begonnen, sei seit 2014 eingetragener Verein und damit das weltweit beständigste wissenschaftliche Netzwerk von Chilenen, fügt Josefa Ibaceta hinzu. Doch über dem Netzwerk faltet sich ein noch größeres auf, denn der Verein wird neben vielen anderen Institutionen vom Heidelberg Center Lateinamerika der Universität Heidelberg, dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Alexander-von-Humboldt-Stiftung sowie der chilenischen Botschaft in Deutschland und der deutschen Botschaft in Chile unterstützt. Seit 2021 gibt der Verein die wissenschaftliche Zeitschrift «Cognitas» in Spanisch heraus.

Die Wissenschaftlerin möchte unbedingt weiterhin regelmäßig nach Deutschland reisen, um die internationale Zusammenarbeit zu fördern. Sie hofft, eines Tages in einer eigenen Forschungsgruppe zu arbeiten und wünscht sich dafür, dass sie ihre Führungsqualitäten täglich weiter entfalten kann. Ihre Position und Arbeit im Vorstand gäbe ihr dazu die Möglichkeit, bemerkt sie. Sie sei stolz auf ihre Fähigkeit, andere motivieren zu können, sich etwas zu trauen: zum Beispiel in Deutschland in einer internationalen Arbeitsgruppe zu forschen. 

Abschließend kommentiert Josefa Ibaceta: «Träume werden wahr, wenn man sie miteinander verwirklicht. Die wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit bringt uns persönlich und als Gesellschaft weiter. Es geht nur gemeinsam.»

Foto: privat

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