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sábado, 5. diciembre 2020
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Montessori: Das Kind als «Baumeister seines Selbst»

Die Pädagogin Maria Montessori wurde vor 150 Jahren geboren

Von Nicole Erler

Maria Montessori im Jahr 1913: Sie war eine der ersten Frauen in Italien, die ab 1892 Medizin studierte und die erste, die den Doktortitel erhielt.

Maria Tecla Artemisia Montessori wurde am 31. August 1870 im italienischen Chiaravalle geboren. Ihre Familie gehörte zum Bildungsbürgertum. Ihr Vater Alessandro Montessori arbeitete im Finanzministerium und leitete die staatliche Tabakmanufaktur. Ihre Mutter hieß Renilde Stoppani. Ihr Großonkel war der katholische Theologe und Geologe Antonio Stoppani. In dessen Theorie zur Verbindung von Theologie und Naturwissenschaften steckt der Grundgedanke, nach dem Montessori ihre «kosmische Erziehung» entwickelte.

Schon in ihrer Schulzeit interessierte Maria Montessori sich für Naturwissenschaften und besuchte daher – gegen den Widerstand ihres konservativen Vaters – eine technische Oberschule. Nach der «maturità» wollte sie Medizin studieren. An Hochschulen zu studieren war für Frauen in Italien seit 1875 zwar generell möglich, das Medizinstudium war jedoch Männern vorbehalten. Darum studierte Montessori von 1890 bis 1892 zunächst Naturwissenschaften in Rom. Nach ihrem ersten Hochschulabschluss gelang es ihr schließlich doch als eine der ersten fünf Frauen in Italien, Medizin zu studieren. Ihre Doktorarbeit schrieb sie zum Thema «Antagonistische Halluzinationen» und promovierte 1896 im Fach Psychiatrie an der Universität Rom. 

Entwicklung der Montessori-Pädagogik

Bereits in ihren letzten beiden Studienjahren arbeitete sie auf der psychiatrischen Station eines Krankenhauses mit geistig behinderten Kindern. Im Laufe der Therapie stellte sie fest, dass diese Kinder keineswegs geistig unterentwickelt waren, sondern ihnen bislang nur jegliche Förderung gefehlt hatte. Maria Montessori entwickelte daraufhin spezielle Arbeitsmaterialien für diese Kinder, das «Sinnesmaterial». Es gelang ihr, die Kinder zu stimulieren, ihre Neugier zu wecken und ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit anzuregen. Sie forderte die Einrichtung spezieller Schulen für die betroffenen Kinder. 

Nach ihrer Promotion nahm die Medizinerin ihre Arbeit in einer eigenen Praxis auf. Danach begannen ihre wichtigsten Forscherjahre. Bis 1907 entwickelte sie ihre anthropologisch-biologische Theorie und beschäftigte sich mit den neuropsychiatrischen Grundlagen, auf denen ihre Pädagogik und deren praktische Anwendung in den Kinderhäusern beruhten. 

Ab 1907 übernahm Maria Montessori im römischen Armenviertel San Lorenzo die Leitung für das erste «Casa dei Bambini». In dem Kinderhaus wurden zum Teil verwahrloste Kinder der sozialen Unterschicht betreut. Hier verwirklichte Montessori erstmals ihre Vorstellungen von Bildung und erweiterte ihre Methode. Die Kinder lernten mit großem Erfolg binnen kürzester Zeit Rechnen und Schreiben.

Die Montessori-Pädagogik beruht auf dem Bild des Kindes als «Baumeister seines Selbst»: Die Methode konzentriert sich auf die Bedürfnisse, Talente und Begabungen des einzelnen Kindes. Das Kind soll frei lernen, ohne Behinderung und Wertung, am besten in seinem eigenen Rhythmus und in seiner eigenen Art. Montessori glaubte, «dass sowohl Belohnungen als auch Strafen schädlich sind für die innere Einstellung des Menschen, dass Kinder ganz natürlich aus ihrer eigenen Motivation lernen wollen. Vor allem deshalb, weil es in ihrer Natur liege, am alltäglichen Leben teilhaben zu wollen.» Laut Maria Montessori selbst handelt es sich bei ihrer Pädagogik um «eine komplexe, pädagogische und soziale Bewegung, die unmittelbar aus der und durch die Offenbarung des Kindes entstanden ist.» 

Methodik an italienischen Schulen und Einfluss des Zweiten Weltkrieges

Unter der Regierung von Benito Mussolini wurde die Montessori-Methode 1924 offiziell an italienischen Schulen eingeführt. Ab 1934 versuchte sich das Mussolini-Regime in die tägliche Arbeit an den Montessori-Schulen einzumischen. Als ihre Methodik schließlich verboten wurde, verließ sie Italien.

Im Jahre 1939 reiste die Medizinerin auf Einladung der Theosophischen Gesellschaft nach Indien, um Vorträge und Ausbildungskurse zu halten. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde sie als feindliche Ausländerin von den Briten interniert. Sie verließ Indien zum ersten Mal 1946 und kehrte erst 1949 endgültig nach Europa zurück. Ihren Lebensabend verbrachte Maria Montessori in den Niederlanden. Sie verstarb am 6. Mai 1952 in Noordwijk aan Zee im Alter von 81 Jahren. 

Maria Montessori hatte einen unehelichen Sohn, der am 31. März 1898 geboren und am 2. April 1898 unter dem Namen Mario Pipilli mit dem Vermerk «Eltern unbekannt» im Geburtsregister eingetragen wurde. Bis zu seinem 15. Lebensjahr lebte er in einer Pflegefamilie, wo seine Mutter ihn immer wieder besuchte. Im Frühjahr 1913 nahm Montessori ihn nach dem Tod ihrer eigenen Mutter schließlich zu sich. Erst als er über 40 Jahre alt war, bekannte Maria Montessori sich zu ihm als seine Mutter. Bis zur ihrem Tod war Mario M. Montessori – wie er sich später nannte – einer ihrer wichtigsten Mitarbeiter.

Die 1929 von Maria Montessori gegründete «Association Montessori Internationale» mit Sitz in Amsterdam sorgt nach dem Tod Montessoris für die Fortsetzung ihres Lebenswerkes.

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