«Die Arbeit mit den Kindern war meine Berufung»
La exprofesora de primaria del Colegio Alemán de Temuco, Annemarie Zimmerling, recuerda sus 101 años de una vida larga y llena de acontecimientos. Emigrada desde Austria a Chile hace casi un siglo, su compromiso con la educación y la cultura alemana marcó a muchas generaciones durante décadas.

Annemarie Zimmerling (geborene Reiss) kam vor mehr als 100 Jahren, am 7. September 1924 in Aflenz zur Welt, einem größeren Ort in Österreich, umgeben von den Bergen der Steiermark. Sie war das einzige Mädchen der Familie und hatte drei Brüder. Ihre Eltern Alexander und Leopoldine führten ein Gasthaus – ein Familienbetrieb mütterlicherseits –, wo sie ihre ersten Lebensjahre verbrachte. Es war eine schöne, unbeschwerte Kindheit.
Neubeginn in Chile
Während der schweren Wirtschaftskrise der 1920er Jahre verlor die Familie alles, was bis dahin ihr Zuhause gewesen war. Nach mehreren vergeblichen Versuchen Arbeit zu finden, entschloss sich der Vater im Jahr 1930 auszuwandern. Er wollte zunächst allein im fernen Chile eine neue Existenz für seine Familie aufbauen. Er hatte von der deutschen Siedlung bei Puerto Varas im Süden des Landes gehört und fand dort eine Anstellung an einer kleinen deutschen Schule in der Gemeinde Loncotoro.
In der Zwischenzeit lebten die Kinder bei verschiedenen Verwandten, und die Mutter musste hart arbeiten, um den Lebensunterhalt zu sichern. Nach drei Jahren konnte der Vater endlich Annemaries Mutter und zwei der Kinder nach Chile holen. Zwei Brüder mussten in Österreich bei Verwandten zurückbleiben, da es nicht möglich war, den Unterhalt für die gesamte sechsköpfige Familie zu gewährleisten.

Am 13. Januar 1934 verließen die Mutter, Annemarie und ihr Bruder Ottmar mit dem Zug von Bruck an der Mur ihr geliebtes Österreich. Es ging über Wien und Paris bis zum Hafen von La Rochelle und hier an Bord des Dampfers «Reina del Pacífico». Nach mehr als einem Monat, am 17. Februar 1934 betraten sie in Puerto Montt chilenischen Boden, das Land, das ihre neue Heimat werden sollte. Mit ihrem Reisegepäck – vier großen Kisten – wurden sie zunächst mit einem Lastwagen bis Puerto Varas gebracht. Von dort ging es weitere 25 Kilometer mit einem Ochsenkarren nach Loncotoro. Die Familie bezog ein großes Haus, in dem der Wohnraum auch als Klassenzimmer diente. Es gab kein fließendes Wasser und keinen Stromanschluss.
Schulzeit und erste Schritte ins Berufsleben
Bis zur 6. Klasse unterrichtete der Vater Annemarie und ihren Bruder. Offenbar tat er dies mit großem Geschick, denn er konnte den Kindern eine solide Grundlage für ihre weitere Ausbildung vermitteln.
1937, also drei Jahre nach ihrer Ankunft, verließ Annemarie das Elternhaus. Sie besuchte zunächst ein Vorgymnasium der katholischen Mallinckrodt-Schwestern, war später in einem Internat in Puerto Montt und zog danach zu den Marienschwestern nach Valdivia, wo sie ihre Schulausbildung mit dem Abitur abschloss.

In dieser Zeit half Annemarie ihrem Vater zwei Ländereien zu erwerben, denn da er die spanische Sprache nie richtig erlernt hatte, erledigte sie Übersetzungen und Amtswege. Ihr Vater unterrichtete in dieser Zeit an mehreren kleinen deutschen Schulen, unter anderem in Comuy, Lanco, Pucón und Quilaco. Die Schule in Loncotoro wurde zunächst von der Mutter weitergeführt, die später ihrem Mann folgte.
Mit Herz und Hingabe Lehrerin
Nach dem mit «Sehr gut» bestandenen Abitur ging Annemarie für zwei Jahre ans Humboldt-Seminar in Santiago, um Lehrerin zu werden – in jener Zeit eine Seltenheit für Frauen. Ihre Berufung war bereits deutlich zu erkennen: Den Töchtern der Familie Zöllner, bei der sie in Santiago wohnte, war sie eine große Hilfe bei den Hausaufgaben. Ihre erste Anstellung fand sie als Hauslehrerin bei der Familie Elfeld in der Nähe von Los Ángeles. Bis 1949 arbeitete sie als Privatlehrerin bei verschiedenen Familien im Süden Chiles, unter anderem bei der Familie Weber in Villarrica. Der Zufall wollte es, dass Karl Weber aus Mariazell in Österreich stammte, einem Nachbarort von Aflenz, und Annemaries Mutter kannte. Schließlich war sie acht Jahre lang an der Schule in Llanquihue tätig, wo sie ihren späteren Ehemann, Helmuth Zimmerling, kennenlernte. Mit ihm – ebenfalls Österreicher – ging sie 1959 den Bund der Ehe ein. Das Ehepaar zog nach Valdivia, wo Annemarie an der Deutschen Schule unterrichtete. 1960 folgte sie ihrem Mann nach Concepción und setzte dort ihre Lehrtätigkeit an der Deutschen Schule fort. In dieser Zeit kamen die drei Kinder Susanne, Christiane und Wolfgang zur Welt.
Umzug nach Temuco
Einige Jahre später benötigte ihr Vater Hilfe auf dem Land – Annemarie zögerte nicht, und die Familie zog nach Temuco, um Unterstützung zu leisten. Dort arbeitete sie die nächsten 24 Jahre als Grundschullehrerin an der Deutschen Schule. Die Arbeit mit den Kindern war für sie nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft Chiles – darunter der ehemalige Bürgermeister von Temuco Miguel Becker und die ehemalige Ministerin und Senatorin Ena von Baer – besuchten die Schule und lernten dank Annemaries Engagement nicht nur Schreiben und Lesen, sondern auch die deutsche Sprache und Kultur kennen. Für die engagierte Lehrerin waren daneben auch immer gute Umgangsformen und respektvolles Benehmen wichtig – alles Werte, die sie ihren Schülern vermittelte – und die viele bis heute prägen.

Für Annemarie, eine Lehrerin mit Leib und Seele, blieb die Pflege der deutschen Sprache und Kultur auch nach ihrer Pensionierung im Jahr 1982 ein zentrales Anliegen. Sie gab über viele Jahre hinweg privaten Deutschunterricht und leitete ehrenamtlich das Archiv der Deutschen Schule Temuco. An Veranstaltungen der deutschen Gemeinde nahm sie bis ins hohe Alter aktiv teil – seien es Literaturabende, Treffen der evangelisch-lutherischen Kirche, Aktivitäten des Deutschen Altenheims, der Schule oder das jährliche Zusammenkommen der europäischen Damen.
Heute, mit beinahe 101 Jahren, erfreut sich Annemarie guter Gesundheit. Sie spielt gern Domino, liest heitere Bücher, führt lange tägliche Telefongespräche mit ihren Kindern und wird liebevoll von ihrer Tochter und Betreuerin umsorgt.
Fotos: privat



