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Monday, 16. February 2026
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Porträt – Martin Gellert

Schulleiter der Deutschen Schule Valparaíso 

Gemeinschaft als Stärke in schwierigen Zeiten

Cuando Martin Gellert asumió en marzo de 2018 la dirección del Colegio Alemán de Valparaíso, nadie imaginaba los desafíos que le esperaban a él y al colegio. Ahora, poco antes de su regreso a Alemania, mira hacia atrás a un período inusualmente intenso. Para él sigue siendo fundamental que el Colegio sea un espacio social de encuentro y no solo un lugar de aprendizaje.

Beruflich gesehen war Valparaíso wohl die herausforderndste Station seiner Laufbahn: «2018 hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können, was da alles passieren würde: der Estallido Social, die Pandemie, die beiden gescheiterten Verfassungen, der Großbrand in Viña del Mar… du meine Güte.» Martin Gellert gesteht offen: «Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich sicher in Hamburg geblieben, zumal ich hier zum ersten Mal als Schulleiter die Verantwortung hatte.» Doch gerade in den Krisen habe er die wahre Stärke der Schulgemeinschaft erlebt: «Wir haben in Teamarbeit und mit flachen Hierarchien sehr eng zusammengearbeitet und diese Hürden gemeistert.» Dabei sei «zwischen allen Beteiligten auch viel Vertrauen entstanden», und nur «auf der Basis eines solchen Vertrauens kann sich dann der Erfolg einstellen».

Sein Blick auf Schule und Lernen hat sich in dieser Zeit ebenfalls verändert. «Die Pandemie machte es notwendig, sich mit dem pädagogischen Teufel der Bildschirme zu verbünden.» Bis heute sei es schwierig, Kinder «wieder von den Smartphones loszueisen» und ihnen zu zeigen, dass «es ein Leben außerhalb des Virtuellen gibt, das zudem noch viel gesünder ist». Nun müssten Schulen «sogar teilweise die Eltern erziehen», weil die Bildschirmkultur sich festgesetzt habe.

Wichtig ist ihm, dass die Schule ein sozialer Lebensraum bleibt, der mehr als ein Ort des Lernens ist. «Man muss lernen, der Freund zu sein, den man selbst gern hätte», sagt er. Für ihn zählen Empathie, Wahrnehmung des Mitmenschen, Toleranz, Respekt und der Schutz des öffentlichen Raums. Denn: «Demokratie ist auf den Plätzen der Städte entstanden, durch Konversationen im öffentlichen Raum.» Hoffnung macht ihm, dass in Viña öffentliche Plätze renoviert werden: «Die Menschen müssen sich real begegnen, und das am besten an Orten, die sauber sind und positive Gefühle erzeugen.»

Besonders wichtig sind ihm jene Projekte, die Schülerinnen und Schüler im sozialen Miteinander stärken. «Zwischenmenschliche Pro-
bleme gehören zum Leben», sagt er. In Chile sei es jedoch verbreitet, Konflikte zu vermeiden: «Man redet nicht so gerne direkt mit den an einem Konflikt Beteiligten.» Gerade deshalb ist es ihm wichtig, «dass man Probleme und Konflikte ansprechen und besprechen muss, damit sie nachhaltig gelöst werden können». Ein Beispiel, das ihn besonders begeistert, ist das Programm «Mesa de la Paz» in der Básica der Deutschen Schule Valparaíso: «Das könnte auch so manchem Erwachsenen noch helfen…»

Unvergesslich bleiben ihm auch die kulturellen Momente: «Ein typischer Valpo-Moment im Schulleben war für mich der Cueca-Tanzwettbewerb», erzählt er. «Wenn Hunderte von Schülerinnen und Schüler in den traditionellen, farbenfrohen Kostümen Cueca tanzen, auch die ganz Kleinen», empfindet er das «wirklich als wunderschön und sehr speziell». Auch die Lehrkräfte kommen an diesem Tag in traditioneller Kleidung – ein Anblick, den er nicht vergessen wird.

Die Zeit in Valparaíso prägte nicht nur seinen beruflichen Weg. «Zum einen haben meine Frau und ich durch unsere Lebensjahre hier in Valpo und Viña gründlich den chilenischen Alltag kennenlernen können.» Zum anderen nutzte das Ehepaar nahezu jede freie Zeit, um das Land zu bereisen – «von ganz oben bis ganz unten». Die landschaftliche Vielfalt sei «wirklich ganz unglaublich und sehr beeindruckend». Besonders verbunden fühlte sich der gebürtige Lübecker dem Meer: «Ich bin jahrelang sonntags mit dem Fahrrad von Viña nach Concón gefahren, auf der Avenida Borgoño… Die Präsenz des Meeres, das liebe ich an Chile.» Ebenso faszinierten ihn Patagonien, die Altos de Lircay, Conguillío und «weite Räume von Landschaften, die man am besten mit dem Motorrad und einem Zelt bereist». Diese Eindrücke, sagt er, «nehme ich nun alle mit nach Hamburg».

Nicht nur die Schönheit des Landes, sondern auch seine Geschichte beschäftigte Martin Gellert von Anfang an. Schon vor seiner Ankunft interessierte er sich für den Salpeterhandel und die Verbindung zu Hamburg – und er nutzte seine Zeit, um Spuren zu suchen. «Ich habe mehrfach die deutschen Produktionsstätten und die kleinen Hafenstädte besucht, über die der deutsche Salpeterhandel lief.» Besonders bewegt hat ihn, «in welchem Zustand sich die historischen Stätten des Salpeterabbaus befinden». Dieses Thema sei weitgehend vergessen, obwohl es jahrzehntelang prägend für das Land war: «Heute ist die Wüste leer… das alles scheint ein vergessenes Kapitel der chilenischen Geschichte zu sein.»

Nach seiner Rückkehr beginnt für den Pädagogen ein neuer Abschnitt: «Ja, ich gehe zurück in den Schuldienst in good old Hamburg, als Lehrkraft an das Hamburger Studienkolleg.» Reisen möchte er ebenfalls – vorzugsweise nach Japan. «Können Sie sich vorstellen, dass die Japaner nach dem Besuch eines Fußballspiels erst das Stadion aufräumen, bevor sie nach Hause gehen? Das finde ich fabelhaft.»

Nach seinen Stationen in Lateinamerika und den acht Jahren in Valparaíso fasst Martin Gellert die erlebte positive, gelassene Lebenshaltung – das Leben genießen, auch wenn nicht alles perfekt ist – mit dem Satz zusammen: «Pura vida!» Und was sind seine Wünsche für die Schule und die Schulgemeinschaft? «Immer ’ne Handbreit Wasser unterm Kiel!»

Foto:  privat

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