Desde una perspectiva internacional, Fritz Audebert explica en la entrevista con Cóndor cómo está evolucionando la demanda de profesionales cualificados en Alemania. Destaca especialmente las ventajas que ofrece la captación de talento a nivel global y, en particular, en América Latina.

Dr. Fritz Audebert ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Icunet.Group in Passau. Icunet begleitet Unternehmen bei Auslandseinsätzen, interkulturellen Trainings und globalen Transformationsprozessen. Mit über 200 Mitarbeitern und 350 Experten weltweit gilt die Firma als einer der führenden Anbieter für Global Mobility und interkulturelle Beratung. Im vergangenen Jahr gehörte Fritz Audebert zu der Wirtschaftsdelegation, die Deutschlands Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeiaer nach Afrika begleitete.
Vor einem Jahr war der Fachkräftemangel in Deutschland ein zentrales Thema. Hat sich die Lage entspannt?
Gab es in Deutschland vor zwei Jahren noch rund 700.000 offene Stellen, sind die Zahlen seitdem rückläufig und seit etwa einem Jahr beläuft sie sich auf rund 300.000 offene Stellen. Ein Grund dafür ist die schwache Konjunktur: Die Wirtschaft wächst kaum, viele Unternehmen haben ein Investitionsverbot verhängt, die Aufträge sinken und dadurch wird weniger Personal gesucht – etwa in der IT. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit: Aktuell sind es rund 6 Prozent, bald könnten es 7,5 Prozent werden.
Also ist das Thema Fachkräftemangel gelöst?
Nein, überhaupt nicht. Es hat sich verschoben. Durch den Renteneintritt der Babyboomer werden in den nächsten Jahren rund drei Millionen Stellen frei. Demgegenüber steht die Frage: Welche Jobs werden von Künstlicher Intelligenz übernommen? Gerade Berufseinsteiger spüren das bereits.
Wie reagieren Unternehmen?
Unterschiedlich. Ein Altenheim stellt sich die Frage: Hole ich Pflegekräfte aus dem Ausland – oder setze ich Pflegeroboter ein? In der IT-Branche wiederum überlegt man: Outsourcing nach Indien oder doch lieber nach Rumänien, wo die kulturelle Nähe zu Deutschland größer ist? BMW zum Beispiel produziert längst in China, Indien und Mexiko. Daraus ergibt sich eine Zweiteilung: Manche Jobs wie Verwaltung können global erledigt werden, andere – wie Autobauen – müssen vor Ort passieren.
Was bedeutet das für die internationale Zusammenarbeit?
Wir sprechen von «Global Mobility». Das bezeichnet den weltweiten Einsatz von Mitarbeitern – mit allem, was dazugehört: Visa, Steuern, Gehälter, Umzug. Kurz gesagt: Mitarbeiter weltweit einsetzen und betreuen. Wer das richtig macht, kann Teams über Kontinente hinweg erfolgreich führen.
Was versteht man in diesem Zusammenhang unter «Winning Teams»?
«Winning Teams» sind Gruppen, die durch Vertrauen, klare Ziele und gute Kommunikation überdurchschnittlich erfolgreich sind. Besonders, wenn sie verschiedene Nationalitäten integrieren. Diversität macht Teams kreativer, anpassungsfähiger und innovativer. Siemens Energy, Mercedes, Telekom oder KfW setzen auf solche Teams – auch im Dreieck Mexiko, USA, Deutschland.
Welche Rolle spielt dabei Lateinamerika?
Eine sehr wichtige. Ich habe selbst in Ecuador, Kolumbien, Bolivien und Brasilien gearbeitet. Brasilien hat schon früh in Technologie investiert. Aber meine Erfahrung ist: Jedes Land ist anders. Viele Lateinamerikaner sind sehr beziehungsorientiert, was Vertrauen und Zusammenarbeit erleichtert. Kulturelle Nähe zu Europa ist hier ein Vorteil – ganz anders als etwa in Teilen Afrikas, wo viele Fachkräfte wieder zurückgehen, weil die Unterschiede zu groß sind.
Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend, damit Deutschland im Wettbewerb um Fachkräfte erfolgreich bleibt?
Wir müssen Vertrauen aufbauen, Diversität als Chance sehen – und gleichzeitig gemeinsame Werte definieren. Unser Grundgesetz, das auf christlichen Werten basiert, bietet dafür eine Orientierung. Wichtig ist: Die Welt kommt nicht mehr automatisch nach Deutschland. Deutschland muss in die Welt gehen.
Die Fragen stellte Silvia Kählert.



