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martes, 31. enero 2023
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Erstes Wiedersehen nach 30 Jahren Deutschland-Austausch

Von Verónica Tapia von Zerner

Verónica, Pilar und Ernesto während ihres Austauschs im Jahr 1990
Darauf muss angestossen werden: Das Treffen der drei ehemaligen Austauschschüler 32 Jahre später in Brasilien

Anfang 1990 trafen Ernesto Carpio aus Bolivien, Pilar Roehrs aus Punta Arenas und ich aus Santiago uns am Gymnasium in Syke. Und wir wohnten zufällig im selben Dorf, in Bassum, in der Nähe von Bremen. Pilars und meinen Austausch hatte der DCB organisiert. 

Wir verbrachten die vier Monate, von Januar bis April 1990, in Deutschland wie Geschwister. Regelmäßig trafen wir uns, gingen gemeinsam zur Schule, wo wir die zehnte Klasse besuchten, und machten nachmittags einen Spaziergang. Es war eine sehr schöne Zeit. Ende April kehrten Pilar und ich nach Chile zurück, Ernesto reiste Mitte Mai wieder in seine Heimat.

Danach haben wir nie wieder voneinander gehört. Jeder von uns hatte sein eigenes Leben, seine Schule, seine Familie und seine Freunde. Bis die Pandemie kam – und Pili Wunder wirkte. Mitte 2020 nahm sie per Whatsapp Kontakt auf. Aufgrund unserer beruflichen Tätigkeiten hatten Pilar und ich uns schon ein paar Mal getroffen, aber wir hatten beide 

seither nichts von Ernesto gehört. Pili machte sich an die Suche – und war erfolgreich: 

Sie fand heraus, dass er in São Paulo, Brasilien, lebte und arbeitete. Es war sehr schwierig, ihn zu finden, denn wir kannten ihn als Ernesto Carpio, und in Brasilien verwendet man den Nachnamen der Mutter, sodass er nun Ernesto Pena (Peña) heißt. Er ist von Beruf Anästhesist. Es war ein berührendes Erlebnis, mit dem wir nie gerechnet hätten, als wir uns auf Zoom wiedersahen – wir haben vor Rührung geweint. Seit unserem ersten Treffen in Syke waren 30 Jahre vergangen. 

Im Jahr 2022, als die pandemiebedingten Gesundheitsregeln gelockert wurden, beschlossen wir, uns persönlich zu treffen. So fuhren Pilar und ich vom 

14. bis 21. Oktober nach São Paulo, wo wir von Ernesto und seiner Frau Cristiana in ihrem Haus herzlich empfangen wurden. Wir genossen das wunderschöne Wochenende auf der  Ilhabela, fegten durch die Straßen der Stadt und setzten uns abends zusammen, um bei einem Glas Wein, Caipirinha oder Pisco Sour das von Pili geschriebene Tagebüchlein zu lesen und uns an unsere Austauschreise zu erinnern, die unser Leben geprägt hat. Wieder durch die Straßen zu gehen, nur wir drei zusammen, war magisch. Es war, als wären wir wieder in Bassum und erlebten diese Momente der Freundschaft mit «Saudade», wie Ernesto sagen würde, also mit Nostalgie, Freude und Schmerz gleichzeitig.

Unsere Geschichte soll zeigen, was es bedeutet, einen Austausch zu erleben, und wie wichtig es ist, was der Deutsch-Chilenische Bund jedes Jahr organisiert. Obwohl wir wissen, dass sich die Zeiten geändert haben und das Internet die Entfernungen verkürzt, glauben wir, dass es immer noch wichtig ist, die Möglichkeit zu haben, diese Erfahrung zu machen, um sich der Welt zu öffnen, andere Kulturen, Sprachen und Menschen kennen zu lernen und vor allem sich selbst kennen zu lernen. Ich hoffe, dass jedes Jahr mehr Familien und junge Menschen dazu motiviert werden können. Ich bin meiner Familie, der Gastfamilie, dem DCB und allen, die unseren Austausch ermöglicht haben, für die wunderbare Erfahrung, die uns für immer geprägt hat, sehr dankbar!

Die ehemaligen Austauschschüler:

Pilar Roehrs studierte Öffentlichkeitsarbeit. Ihre Liebe zur deutschen Kultur und Sprache hat sie dazu gebracht, seit mehr als 15 Jahren an der Deutschen Schule in Punta Arenas zu arbeiten. Zu ihren Aufgaben gehört es, das Austauschprogramm der Schule mit dem DCB zu koordinieren und die Studienreise nach Deutschland zu organisieren.

Ernesto Carpio (jetzt Pena) studierte Medizin in La Paz. Er spezialisierte sich auf Anästhesie im Krankenhaus Santa Casa in São Paulo, wo er seit mehr als 20 Jahren tätig ist. 

Ich habe Ingeniería Comercial studiert. Der Austausch hat mir gezeigt, dass es keine Grenzen gibt, dass wir alles erreichen können, was wir uns vornehmen. Die engen Beziehungen, die ich zur chilenisch-deutschen Gemeinschaft habe, haben es mir ermöglicht, an Projekten mit Bezug zu Deutschland zu arbeiten.

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