Mehr als Quetschkommode und Schifferklavier
En Alemania se elige cada año un instrumento para destacarlo a nivel nacional. Para 2026, la elección recayó en el acordeón, en reconocimiento a su versatilidad y a su amplio uso desde la música popular y el jazz hasta la música de concierto.

(dpa) Als Geburtsstunde des Akkordeons gilt das Jahr 1829, als der Wiener Instrumentenbauer Cyrill Demian ein Instrument mit dem Namen «Accordion» patentieren ließ. Es war klein, transportabel – und klanglich revolutionär. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verbreitete sich das Akkordeon schließlich rasant über Europa und darüber hinaus. Zentren des Instrumentenbaus entstanden unter anderem in Wien, im Vogtland und später in Italien. Mit der Industrialisierung wurde aus dem handwerklichen Einzelstück ein Serieninstrument – und aus dem Akkordeon ein musikalischer Begleiter für breite Bevölkerungsschichten.
Vor allem ist das Akkordeon als das Musikinstrument der Seeleute bekannt. Daher wird es auch Schifferklavier genannt. Andere Namen sind Ziehharmonika oder Quetschkommode.
Die meisten kennen das Akkordeon aus der Volksmusik. Dieses Bild ist nicht falsch, aber unvollständig. Heute hört man es in Filmmusiken, auf großen Konzertbühnen und im Repertoire der zeitgenössischen Klassik.
Darüber hinaus hat das Akkordeon längst den Weg in die klassische Konzertpraxis gefunden. Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder Domenico Scarlatti erklingen heute regelmäßig in Bearbeitungen: Fugen, Inventionen, Sonaten und Konzerte profitieren vom Klang des Akkordeons, von seiner klaren Stimmtrennung sowie seiner direkten Kontrolle über Artikulation und Dynamik.
Seine eigentliche Heimat in der Klassik hat das Instrument jedoch im 20. und 21. Jahrhundert gefunden. Komponistinnen und Komponisten wie Sofia Gubaidulina oder Luciano Berio haben das Akkordeon bewusst als eigenständiges Konzertinstrument eingesetzt und sein klangliches wie expressives Potenzial ausgelotet. Spätestens hier wird klar: Das Akkordeon ist in der klassischen Musik nicht Gast, sondern fester Bestandteil eines lebendigen Repertoires.
Dass das Akkordeon 2026 zum Instrument des Jahres gewählt wurde, ist deshalb mehr als ein symbolisches Zeichen. Die Auszeichnung rückt ein Instrument ins Licht, das sich zwischen Tradition und Gegenwart bewegt und dabei stilistische Grenzen mühelos überschreitet. Das Jahr 2026 lädt nun dazu ein, diesen Facettenreichtum neu zu entdecken.



