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Monday, 9. March 2026
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Adipositas belastet Gesundheitssysteme massiv

Immer mehr übergewichtige Kinder

Según el informe sobre nutrición de Unicef de 2025, por primera vez en todo el mundo hay más niños y adolescentes con sobrepeso u obesidad que con bajo peso. Los principales factores impulsores son los alimentos altamente procesados y su comercialización intensiva, especialmente a través de canales digitales.

(dpa) Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher hat sich seit dem Jahr 2000 weltweit verdoppelt, so Unicef.  In Deutschland ist etwa jedes vierte Kind zwischen fünf und 19 Jahren übergewichtig. Adipositas liegt konstant bei rund 8 Prozent. Damit gehört Deutschland zu den Hochlohnländern, in denen Übergewicht ein strukturelles, aber bislang moderat wachsendes Problem ist.

Zuckerhaltige Getränke sind eine der Ursachen für Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen.
Foto: dpa

Chile ist deutlich stärker betroffen: 27 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als adipös. Damit zählt Chile zu den Ländern mit besonders hohen Fettleibigkeitsraten in dieser Altersgruppe – trotz mittlerem Einkommensniveau. Der Wandel von traditioneller Ernährung hin zu günstigen, energiereichen Lebensmitteln spielt hier eine zentrale Rolle.

Unicef warnt vor langfristigen gesundheitlichen Folgen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hebt die Bedeutung früher, gesunder Ernährung. Eine wesentliche Ursache ist der stark zunehmende Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel.

Zunahme von hochverarbeiteten Lebensmitteln 

Da Kinder weltweit immer mehr hochverarbeitete Lebensmittel essen, sind ihre künftige Gesundheit, ihr Wachstum und ihre Psyche gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Unicef-Analyse, die zusammenfasst, wie sehr sogenannte ultra-verarbeitete Produkte (UPFs) den Alltag von Kindern und Jugendlichen bestimmen. Der Bericht baut auf einer kürzlich veröffentlichten Serie von Studien im medizinischen Fachjournal The Lancet auf, die die gesundheitlichen Risiken und die Rolle der Industrie bei der Verbreitung solcher Produkte detailliert aufarbeitet.

UPFs bestehen häufig aus einer Mischung aus Zucker, Salz, ungesunden Fetten, industriellen Stärken und zahlreichen Zusatzstoffen wie Emulgatoren, Farbstoffen oder Aromastoffen. Viele Kinder werden weltweit schon in den ersten Lebensjahren damit konfrontiert, heißt es in dem Bericht. Viele industriell hergestellte Beikostprodukte sind stark verarbeitet und selbst Kleinkinder, die  in extremer Armut leben, konsumieren häufig süße Getränke: In elf untersuchten Ländern waren es 10 bis 35 Prozent der unter Fünfjährigen.

Mit zunehmendem Alter steigt der Konsum weiter: 60 Prozent der Jugendlichen nahmen zuletzt mindestens ein süßes Produkt am Vortag zu sich. In vielen Industrieländern stammen über 50 Prozent der täglichen Kalorien aus UPFs.

Inhaltsstoffe schaden

Die Inhaltsstoffe verändern die Textur und verlängern die Haltbarkeit. Sie sollen Snacks, Frühstückszerealien, Joghurts oder Fertiggerichte so weich, süß oder aromatisch machen, dass sie möglichst leicht zu essen sind und Kinder immer wieder zu ihnen greifen.

Zu viel Zucker belastet neben den Zähnen vor allem den Stoffwechsel: Er löst eine starke Ausschüttung des Botenstoffes Insulin im Körper aus – was Fettansammlungen begünstigt und langfristig das Risiko für Diabetes erhöht. Zu viel Salz erhöht Blutdruckrisiken und belastet die Nieren – besonders bei Kindern, so Unicef. Raffinierte Stärken lassen Blutzucker schnell ansteigen und wieder abfallen, was Heißhunger fördert. Zusatzstoffe wie Emulgatoren können das kindliche Mikrobiom stören und Entzündungen fördern.

Die Wirkung sei zweifach, heißt es in dem Bericht: UPFs fördern Übergewicht, weil sie viele dicht gepackte Kalorien haben und leicht zu überessen sind – und sie begünstigen gleichzeitig Mangelernährung, weil sie wenig Vitamine und Mineralstoffe liefern und vollwertige Lebensmittel verdrängen. Studien zeigen zudem Zusammenhänge mit chronischen Wachstumsstörungen, Depressionen, Hyperaktivität und Schulleistungsproblemen.

Teure Folgen für Gesellschaft

Laut Unicef drohen Staaten Milliardenkosten durch chronische Krankheiten, Produktivitätsverluste und Gesundheitsausgaben. In China und Mexiko entsprächen die Lebenszeitkosten unbehandelter kindlicher Adipositas schon bis zu drei Prozent der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung. Bis 2050 wird geschätzt, dass 92 Millionen Menschen in den OECD-, G20- und EU-Ländern vorzeitig an Krankheiten sterben könnten, die mit Adipositas zusammenhängen. Die Gesundheitssysteme tragen die Kosten bereits heute: Adipositas verursacht in den OECD-Ländern rund 8 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben.

Mögliche Lösungsansätze wären Unicef zufolge umfassende Werbeverbote, deutliche Warnhinweise auf der Vorderseite von Verpackungen. Zudem plädiert der Bericht für Steuern auf zuckergesüßte Getränke und für Subventionen, die Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte erschwinglicher machen sollen. Auch strengere Vorgaben für Rezepturen – etwa weniger Salz und die vollständige Entfernung industrieller ungesunder Fette – sind Teil des Maßnahmenpakets.

Aufklärung als zentrales Instrument

Von  Professor Luis Sobrevia

Adipositas hat sich in Chile wie auch weltweit zu einer der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit entwickelt. Besorgniserregend ist dabei das Zusammentreffen mit dem anhaltenden Rückgang der Geburtenrate (0,97 Kinder pro Frau in Chile). 

Dieses Szenario stellt ein erhebliches Risiko für die zukünftige reproduktive Entwicklung des Landes dar, da ein hoher Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter (ab 15 Jahren) sowie der Männer übergewichtig oder adipös ist. Diese Bedingungen gehen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Unfruchtbarkeit, Schwangerschaftskomplikationen, Gestationsdiabetes, Bluthochdruck und Frühgeburten einher, ebenso wie mit langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind.

Nationale Trends zeigen einen kontinuierlichen Anstieg der Adipositas in der Gesamtbevölkerung und insbesondere bei jungen Frauen – im Einklang mit internationalen Entwicklungen. Das Problem ist nicht nur medizinischer Natur, sondern auch sozial und wirtschaftlich relevant, da es die Lebensqualität von Mutter und Kind, die Gesundheitskosten sowie die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst. Seit mehr als zwei Jahrzehnten belegt die wissenschaftliche Evidenz, dass Prävention bereits vor der Schwangerschaft ansetzen muss – idealerweise schon in Kindheit und Jugend – durch die Förderung gesunder Ernährungsgewohnheiten, regelmäßiger körperlicher Aktivität und einer besseren Gesundheitskompetenz.

Die Aufklärung der Bevölkerung ist dabei ein zentrales Instrument. Erforderlich sind langfristige, evidenzbasierte Programme, die Schulen, die Primärversorgung und die Medien einbeziehen und klare, kulturell angemessene Botschaften vermitteln. Investitionen in Ernährungsbildung und stoffwechselbezogene Prävention sind heute eine Schlüsselstrategie, um die reproduktive Gesundheit und das Wohlergehen künftiger Generationen zu schützen.

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