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Wednesday, 15. April 2026
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José Antonio Kast gewinnt deutlich Präsidentenwahl

Von Silvia Kählert

Mit Pressespiegel der deutschen Medien

El republicano José Antonio Kast ganó por amplia mayoría la segunda vuelta de las elecciones presidenciales frente a la candidata de la coalición de izquierda, Jeannette Jara. El político de origen alemán ya ha comenzado a planificar su gabinete.

foto: dpa lectura: Der deutschstämmige Politiker José Antonio Kast und seine Frau María Pía Adriasola nach seinem Wahlsieg

Bei der Stichwahl am 14. Dezember erhielt José Antonio Kast gut 58 Prozent der Stimmen, während Jeannette Jara auf knapp 42 Prozent kam. Damit hat der Kandidat der rechten Partei Partido Republicano mit 16 Prozentpunkten klar gegen die kommunistische Kandidatin des Linksbündnisses Unidad por Chile, Jeannette Jara, gewonnen. Die Regierung des scheidenden Präsidenten Gabriel Boric, in der Jara als Ministerin tätig war, enttäuschte viele Chilenen, was zu ihrem schlechten Abschneiden beitrug. Die Sicherheitskrise, mehrere Korruptionsskandale und das Scheitern des Verfassungsprozesses hatten das Vertrauen in die Regierung von Boric erschüttert.

Jara räumte ihre Niederlage ein. «Die Demokratie hat laut und deutlich gesprochen», schrieb sie auf der Plattform X, nachdem sie Kast telefonisch gratuliert hatte. 

Für Kast bedeutet das Ergebnis dieser für ihn dritten Wahl um das Präsidentenamt einen Triumph: Er gewann in allen Regionen Chiles und in 313 von 346 Kommunen. Kast hat es geschafft, eine nationale Mehrheit hinter sich zu vereinen.

Der konservative Politiker erhielt nach seinem Erfolg in der ersten Wahlrunde nicht nur von den gegen ihn kandidierenden rechten Politikern Evelyn Matthei und Johannes Kaiser Unterstützung, sondern auch von der Familie des verstorbenen ehemaligen Präsidenten Sebastián Piñera und der des ehemaligen christdemokratischen Präsidenten Eduardo Frei.

Rund 15,8 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 85 Prozent, wobei wieder Wahlpflicht herrschte. Der Anteil der ungültigen Stimmen betrug knapp sieben Prozent.

«Chile möchte einen Wandel», sagte Kast in seiner Siegesrede vor Tausenden Anhängern in Santiago. «Und ich sage Ihnen, ja, Chile wird einen echten Wandel erleben.»

Kast wird am 11. März 2026 als Nachfolger des linken Staatschefs Gabriel Boric die Regierungsgeschäfte für vier Jahre übernehmen. 

«Schritt zugunsten der Freiheit»

US-Außenminister Marco Rubio drückte seine Glückwünsche für den künftigen Präsidenten aus. «Die Vereinigten Staaten freuen sich auf die Zusammenarbeit mit seiner Regierung, um die regionale Sicherheit zu stärken und unsere Handelsbeziehungen wiederzubeleben», schrieb Rubio auf der Plattform X.

Der argentinische Präsident, Javier Milei, gratulierte Kast zum Sieg. Er sprach von einem weiteren Schritt zugunsten der Freiheit und des Privateigentums in Lateinamerika. «Ich freue mich riesig über den überwältigenden Sieg meines Freundes», schrieb Milei auf X. 

Kast hat sich bereits am Dienstag, 16. Dezember, mit Javier Milei in der Casa Rosada getroffen. Er kündigte eine künftig sehr enge Beziehung zwischen Argentinien und Chile an. In der Opposition wird spekuliert, dass Kast bei dem Besuch auch mit dem argentinischen Vizewirtschaftsminister José Luis Daza gesprochen habe, einem früheren Wirtschaftsberater seiner Wahlkampagne. Argentiniens Wirtschaftsminister Luis Caputo bestätigte, dass ein Wechsel Dazas in eine mögliche Kast-Regierung denkbar sei.

Gläubiger Katholik aus deutschstämmiger Familie

Der neunfache Vater steht der katholischen Schönstattbewegung nahe. Die Schönstattbewegung wurde von Pater Josef Kentenich in Schönstatt bei Koblenz gegründet und verbreitete sich später international.

Der Jurist stammt aus einer politisch erfahrenen Familie. Mehrere seiner  Neffen waren wie Kast Abgeordnete oder Senatoren. Sein ältester Bruder Miguel Kast übernahm unter Präsident Pinochet das Amt des Ministers für soziale Entwicklung und danach das des Präsidenten der Zentralbank. Kasts Eltern waren nach dem Zweiten Weltkrieg aus Bayern nach Chile ausgewandert und hatten die Wurstwarenfabrik «Cecinas Bavaria» gegründet. Er absolvierte seinen Schulabschluss auf der Deutschen Schule Santiago.

Hartes Vorgehen gegen Kriminalität und illegale Migration 

«Wir werden die Achtung vor dem Gesetz wiederherstellen», sagte Kast nach seinem Wahlsieg. Die Hoffnung, ohne Angst zu leben, habe gewonnen. 

Zentrale Themen seines Wahlkampfes waren die wachsende Kriminalität und illegale Migration, die laut Umfragen über 60 Prozent der Menschen stark beunruhigen. Zudem ist der Anteil der Migranten in Chile zuletzt auf rund zehn Prozent der Bevölkerung gestiegen – der größte Teil stammt aus Venezuela. Besonders die von kriminellen Banden aus Venezuela verübten Gewaltverbrechen schüren bei vielen Angst. Kast hatte zugesagt, das Militär in bestimmten Stadtvierteln einzusetzen sowie Grenzmauern und -gräben zu errichten und Abschiebungen zu forcieren. 

Auch kündigte er an, alle Migranten ohne gültige Papiere abzuschieben und eine schnelle Eingreiftruppe nach dem Vorbild der US-amerikanischen Polizei- und Zollbehörde (ICE) aufzubauen. Bei einem Besuch in El Salvador hatte er sich kürzlich vom Präsidenten Nayib Bukele dessen Gefängnisse zeigen lassen.

Ein weiteres Thema war das Ankurbeln der seit Jahren stagnierenden Wirtschaft Chiles. Kast hat drastische Kürzungen der Staatsausgaben und den Rückbau des Staatsapparats sowie Steuersenkungen angekündigt.

Neue Regierung und neue chilenische Rechte

In der Woche nach seiner Wahl begann Kast bereits mit seinem Team die neue Regierung zu planen. Ziel der Republikanischen Partei ist es, eine lange Eingewöhnungsphase zu vermeiden und rasch mit dem Regieren zu beginnen. Ein enger Berater Kasts ist dabei Sebastián Figueroa.

Laut «Mercurio» gilt für das Finanzministerium der Ökonom Jorge Quiroz, Hauptarchitekt von Kasts Wirtschaftsprogramm, als Favorit. Ebenfalls taucht der Name des Abgeordneten und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Johannes Kaiser auf.

Das erste Kabinett von José Antonio Kast wird nicht nur die Ministerien besetzen, sondern auch zeigen, wie die neue Führung der chilenischen Rechten gestaltet sein wird. Die Zusammensetzung des Kabinetts wird entscheidend für seine Regierungsfähigkeit und die Wahrung seiner politischen Identität sein.

Nach dem Wahlsieg des Christdemokraten Rodrigo Paz in Bolivien im August und dem Sieg Daniel Noboas in Ecuador im Oktober ist nun Chile das nächste südamerikanische Land, das eine tiefgreifende politische Wende erlebt.

Quellen: dpa, Mercurio

Pressespiegel:

Die Tagespost: “José Antonio Kast: In der katholischen Kirche
verwurzelt”

Tichys Einblick: “Konservativer Kast besiegt linke Jara – Ein Sieg gegen
die rotgrüne Erzählung”

Der Spiegel: “Hardliner mit deutschen Wurzeln – Ultrarechter Kast
triumphiert”

DIE ZEIT: “Wer ist Chiles neuer, ultrarechter Präsident? – Sohn eines
Wehrmachtssoldaten, Fan der Pinochet-Diktatur”

tagesschau: “Triumph des Pinochet-Fans”

Deutsche Welle: “In Chile setzte sich der ultrarechte José Antonio Kast
gegen die Kandidatin der Links-Regierung durch”

Die Welt: “Dieser rechte Wehrmachtssoldaten-Sohn stellt Berlin vor die
globale „Brandmauer“-Frage”

ZDF: “Ultrarechter Katholik gegen Linkspolitikerin”




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