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Friday, 2. January 2026
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Die Hamburger Speicherstadt

Vom Freihafen zum Unesco-Welterbe

Quien visita Hamburgo no puede dejar de pasar por la Speicherstadt: el histórico barrio de almacenes impresiona con sus nostálgicos edificios de ladrillo. Desde 2015, el antiguo puerto franco es Patrimonio Mundial de la Unesco.

Das Kehrwiederfleet: Im Vordergrund sind Spitzschuten und eine Schlepperbarkasse zu sehen. 

An ihrer Speicherstadt können sich selbst Hanseaten bei einem Spaziergang nicht satt sehen: Von der Hamburger Innenstadt führen mehrere Brücken über Kanäle, die hier Fleete heißen. Auf der Elbinselgruppe erstreckt sich das Lagerhausensemble mit seinen imposanten Backsteinblöcken. Der neugotische Architekturstil mit filigranen Türmen und Dachgiebeln, dem roten Mauerwerk mit Schmuckziegeln und den Spitzbögen in den Fassaden lassen Betrachter nicht nur staunen, sondern sich auch wie in der Zeit zurückversetzt fühlen.

Zollverein und Freihafen

Die Geschichte der Speicherstadt reicht weit zurück in die Zeit des Deutschen Zollvereins, einem Zusammenschluss deutscher Staaten für eine gemeinsame Zoll- und Handelspolitik im Jahr 1834. Hamburg sperrte sich auch nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 gegen einen Beitritt, bis der «Eiserne Kanzler» Fürst Otto von Bismarck erheblichen Druck ausübte und die zollrechtliche Sonderstellung der Stadt 1888 beendete.  Doch Hamburg hatte in den Verhandlungen zuvor erreicht, dass auf einem festgelegten Gebiet weiterhin der Umschlag, die Lagerung und Weiterverarbeitung vom Importgütern zollfrei bleiben sollte.

Umschlag von Kaffee um 1960: Die Speicherstadt war einst das größte Handelszentrum für die beliebten Bohnen.

Als Standort der zu schaffenden Freihandelszone wählte die Hansestadt die Brookinseln. Das plattdeutsche Wort Brook bedeutet zwar sumpfiges Gebiet, doch zu jener Zeit bildeten sie ein bewohntes Stadtviertel mit schätzungsweise 18.500 Menschen, die für die zukünftige Speicherstadt nach und nach ihre Wohnungen verlassen mussten. 

Kaiarbeiter, Fleete und Windenhydraulik

Nach dem Abriss der alten Quartiere trieben Dampframmen Holzstämme mit einer Länge von zwölf Metern in den morastigen Untergrund, darüber wurden die Speicherblöcke errichtet. Die Lagerhallen sollten zwar nicht direkt vom Seeschiffsverkehr angesteuert werden, wohl aber von kleineren Binnenschiffen. Entsprechend wurden mehrere 20 bis 25 Meter breite Fleete angelegt, auf denen Dampfschlepper und leichte Transportschiffe – den Schuten – jederzeit, unabhängig von Ebbe und Flut, fahren konnten.

Kanäle durchziehen die Speicherstadt: Der weltweit größte Lagerhauskomplex beeindruckt mit seiner neugotischen Backsteinarchitektur. Foto: Heinz-Joachim Hettchen

Sogenannte Schauerleute entluden die Boote. Außerhalb der Fassade wurden die Güter dann mit Hilfe einer hydraulischen Winde nach oben gezogen; die Lastseile liefen über Ausleger, heutzutage noch schön zu sehen in den Dachgiebeln. Die einzelnen Geschosse waren mit Doppeltüren ausgestattet, den sogenannten Luken. Dort nahmen die Kaiarbeiter die Waren entgegen und verteilten sie in den Lagerhäusern.

Kaffee, Kakao, Gewürze, Tee

Etwa 60 Prozent der Speicherstadt wurde bereits in der Zeit von 1885 bis zum Zollanschluss 1888 fertiggestellt. Insgesamt umfasste die Speicherstadt rund 330.000 Quadratmeter Lagerfläche – umgerechnet mehr als 46 Fußballfelder für Importgüter wie Kaffee, Kakao, Zucker, Gewürze, Tee, Weine, Schalen- und Trockenfrüchte, Baumwolle Naturdärme, Kautschuk, Tabak und Spirituosen.

Von 1888 bis 1913 vervierfachte sich die Gesamtmenge der verladenen und gelöschten Güter von 6,3 auf 25,5 Millionen Tonnen. Hamburg war damit vor Antwerpen und Rotterdam der größte Hafen auf dem europäischen Kontinent und der viertgrößte Hafen der Welt nach New York, London und Liverpool. 

Über Seilwinden an den Dächern wurden die Güter zu den Lagergeschossen hochgezogen.

Über eine 1887 gegründete Kaffeebörse kontrollierte Hamburg 38 Prozent der europäischen Kaffeeimporte – nahezu jeder vierte Sack Kaffee auf der Welt fand seinen Weg über die Elbe hin zur Speicherstadt. Mit dem Ersten Weltkrieg und den Wirtschaftskrisen der Weimarer Republik endete dieser enorme Aufschwung. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Speicherstadt zur Hälfte zerstört. Einige Blöcke wurden anschließend nicht wieder aufgebaut.

Unesco-Welterbe

Auch wenn die Speicherstadt mittelalterlich anmutet, gilt sie bis heute klimatechnisch vorbildlich. Die Waren können ohne weitere Kosten dunkel, kühl und trocken gelagert werden. Auch Hamburger Weinhändler schätzten die baulichen Gegebenheiten, boten diese doch beste klimatische Bedingungen: Die Luftfeuchtigkeit beträgt 60 bis 70 Prozent bei maximalen Temperaturschwankungen zwischen 5 und 17 Grad Celsius. 

Mitte der 1980er Jahre war der Niedergang der alten Speicherstadt allerdings nicht mehr zu leugnen: Viele Flächen standen leer, für die Stadt wurden die Gebäude ein teures Zuschussgeschäft. Auch moderne Neubauten neben dem roten Verblendmauerwerk änderten daran nichts.

Erst mit dem Tourismus und der teilweisen Umnutzung der historischen Bausubstanz setzte eine Revitalisierung ein. Im Jahr 2015 wurde die «Stadt aus Speichern» mit ihrem Verbindungsnetz aus Straßen, Kanälen und Brücken sowie das benachbarte Kontorhausviertel mit dem Chilehaus in die Welterbeliste der Unesco eingeschrieben.

Wer sich weiter über die Speicherstadt informieren will, dem sei der Band des Kunsthistorikers Ralf Lange empfohlen. Darin geht es neben der Architektur und Technik auch um die Hamburger Stadt- und Schifffahrtsgeschichte: «Die Hamburger Speicherstadt – Geschichte. Architektur. Welterbe», 384 Seiten mit 440 historischen und Farbabbildungen; Dölling und Galitz Verlag.

Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen. Alles Wissenswerte über den Anbau dieser Nutzpflanze, das hanseatische Handelskontor bis hin zum Laden aus Omas Zeiten gibt es im Gewölbe des Kaffeemuseums Burg. Werkzeuge und Maschinen, Röster und Mühlen, Filter und Kannen, Reklame und Kurioses, Geschirr und Mobiliar vermitteln die Vielfalt, die das Thema Kaffee bietet. Direkt in der Speicherstadt, St. Annenufer 2. 

Im Internet: 

www.kaffeemuseum-burg.de

Foto: Staatsarchiv Hamburg

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