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sábado, 15. junio 2024
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Porträt – Lutz Kindermann

Geschäftsführer von wpd Chile

Vom kleinen Bastler zum Energieexperten

Schon als Junge war Lutz Kindermann an technischen Dingen interessiert – der kleine Bastler wollte immer verstehen, wie irgendwelche Maschinen und Apparate funktionieren. 

Der 1973 in Kassel geborene Lutz Kindermann erinnert sich an eine schöne Kindheit. Seine Mutter war Ärztin, der Vater in einer Druckerei tätig, in die er den Sohn häufig mitnahm. 

Nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Heimatstadt studierte er anfangs in Freiburg im Breisgau und danach an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen Mineralogie und Geochemie. Bedingt durch die Situation der Nachwendezeit war er nach dem Studium Ende der 90er Jahre im Bereich der Sanierung des Uranbergbaus tätig, unter anderem auch anderthalb Jahre in den USA. Angespornt durch die Erfahrungen in Colorado absolvierte Lutz Kindermann ein MBA-Studium an der Hochschule Reutlingen und begann im Anschluss daran bei wpd zu arbeiten, ein deutsches Unternehmen im Bereich von Wind- und Solarparks.

«Ich hatte gesehen, wie aufwändig die Sanierung von Altlasten vor allem der Urangewinnung ist und war und bin überzeugt davon, dass man in der Energieerzeugung von Anfang an auf eine saubere Produktion setzen muss. Aus diesem Grund war für mich der Wechsel in die erneuerbare Energie eine logische Konsequenz. Anfangs ging es bei wpd darum, Auslandsmärkte für die Entwicklung von Windprojekten zu eröffnen. In den ersten Jahren habe ich die Märkte in Rumänien, Argentinien, Panama und Chile aufgebaut und 2009 zusammen mit einem Kollegen für wpd die Niederlassung in Chile gegründet.» Als es darum ging, die Projektentwicklung für wpd in Chile zu verstärken, war ihm bald klar, dass dies nur vor Ort erfolgreich sein konnte. Seit 2011 lebt er dauerhaft in Chile. 

 Nach der Teilnahme an einer Ausschreibung und dem Zuschlag im Jahr 2015 wurden drei Windprojekte in der VIII. und der IX. Region mit insgesamt 101 Windkraftanlagen entwickelt und gebaut, die heute Strom für 600.000 Haushalte liefern. «Das Projekt Malleco in der Nähe von Collipulli ist eines der größten in Chile und sicher eines der herausforderndsten in der Geschichte von wpd – aufgrund der Größe, der langen Bauzeit und der  Lage im Umfeld der Region Araucanía», erklärt er. «Wir setzen weiterhin auf die Entwicklung von neuen Projekten im Bereich Wind- und Solarenergie sowie Stromspeicherung. Die Energiewende in Chile ist ein spannendes Vorhaben und bietet große Chancen, die Energieversorgung des Landes auf eine nachhaltige Basis zu stellen, Unabhängigkeit vom Import fossiler Kraftstoffe zu ermöglichen und gleichzeitig langfristig bezahlbar zu bleiben. Es sind schon große Schritte getan, aber es fehlt noch einiges, und die nächsten Etappen werden deutlich herausfordernder. Das ist ähnlich wie bei einer Wanderung in den Bergen: Am Anfang läuft man noch auf schönen Wegen langsam bergan. Später kommen schwierigere Abschnitte, das Gelände wird rauer und das Klima unwägbarer, die Kräfte schwinden, und man muss gut ausgerüstet sein. Als Geschäftsführer muss man immer voraus denken, was kommen könnte, Proviant einpacken und die Mannschaft beieinander halten. Ich bin ein vorausschauender, planender Mensch, versuche aber auch, die Gegenwart und den Augenblick zu genießen.» 

Seit über 20 Jahren ist Lutz Kindermann mit seinem Lebenspartner Alexander Setzer zusammen. Sie haben den Weg nach Chile gemeinsam angetreten und leben heute auf dem Land in der X. Region,  in Puerto Octay. Dort haben sie einen Imkereibetrieb aufgebaut, und Alexander produziert Honig nach Bio-Standard. «Mein Beitrag zur Imkerei beschränkt sich leider auf die Wochenenden und meinen Urlaub. Im Sommer ist die Hochsaison bei den Bienen, so dass uns eigentlich nur der Winter für gemeinsame Aktivitäten bleibt.» 

Schon seit Schulzeiten ist Lutz im Rudersport aktiv. In Chile hat er den Lago Rupanco quasi vor der Haustür und genießt es, mit dem Ruderboot seine Bahnen auf dem See zu ziehen. Er empfindet es als Privileg, in einer Umgebung mit Vulkanen und Seen leben zu können. Wenn er dann dazu noch mit dem Dachzelt unterwegs sein kann, um neue Orte zwischen den Anden und Naturwäldern zu entdecken, ist das für ihn faszinierend. «In den letzten zwölf Jahren habe ich das Land mit seiner unglaublichen Natur und seine Menschen von vielen Seiten kennen- und auch sehr schätzen gelernt. Die Chilenen haben nach meiner Beobachtung die Gabe, sich aus schwierigen Situationen immer wieder neu zu erfinden und auf eigene Faust ihr Leben neu aufzubauen. Diese Kraft finde ich bewundernswert. Auf der anderen Seite ist mir bewusst, dass die Lebensrealität für viele Menschen herausfordernd ist, und ich empfinde, dass noch einige Schritte in Richtung der gesellschaftlichen Erneuerung zu gehen sind. Ich hoffe, dass weiterhin von allen Seiten Anstrengungen hierzu unternommen werden. Auf unsere Welt kommen in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit immer vielfältigere Herausforderungen zu. An diesen ständigen Veränderungsprozess muss auch Chile sich immer wieder anpassen.»

Bedingt durch seine Arbeit ist Lutz Kindermann begeistert von der Idee, irgendwann energieautark leben zu können. Er hat seine eigene Solaranlage samt Batteriespeicher aufgebaut und ist immer dabei, diese weiter zu optimieren. Daneben gibt es auf dem Land ständig etwas zu basteln, zu reparieren oder aufzubauen. Handwerkliche Arbeiten sind für ihn Ausgleich zum Büroalltag. Und so schließt sich der Kreis – zurück zum kleinen Bastler, der er schon in seiner Kindheit war.

Foto: privat

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