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martes, 15. junio 2021
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Vor 300 Jahren zerreißt Sturmflut Helgoland

Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland von einem Flugzeug aus über der Nordsee

Eine Sturmflut teilt in der Nacht zum Neujahrstag 1721 Helgoland in zwei Teile: die Hauptinsel und die Düne. Diese war lange als Kalk- und Gips-Steinbruch genutzt worden.

Heute besteht die Hochseeinsel aus dem einen Quadratkilometer großen, roten Felsen mit Steilküste und der 0,7 Quadratkilometer großen, vorgelagerten Düne. 2011 stimmten die Helgoländer über Pläne einer Wiederverbindung der beiden Inselteile durch Sandaufspülungen ab. Der Bürgerentscheid lehnte das Mega-Projekt mit knapper Mehrheit ab. «Mein Eindruck ist, so ganz ist das Thema bis heute nicht vom Tisch», sagt Bürgermeister Jörg Singer. 

Die Teilung vor 300 Jahren hat nach Aussage von Historiker Martin Krieger von der Universität Kiel eine längere Vorgeschichte. «Als Helgoland noch eine Insel war, gab es zwei Felsen, den roten aus Buntsandstein und einen weißen aus Kalk», sagt er. Kalk war laut Krieger damals ein wichtiger Baustoff. «Der Helgoländer Kalk wurde über Jahrhunderte abgebaut und aufs Festland verkauft, bis auf einmal dieses weiße Kliff weg war», erklärt er. «In einer Quelle von 1699 steht, dass dieses einst riesige Kliff schließlich nur noch die Größe eines Heuschobers hatte.» Am 1. November 1711 sei der letzte Rest vom weißen Kliff in einer Sturmflut weggespült worden. In der Neujahrsnacht 1720/21 sei es dann zu einer weiteren Sturmflut gekommen und der Wall durchbrochen worden.

Im Zweiten Weltkrieg wollten die Nationalsozialisten mit dem Projekt «Hummerschere» durch Aufspülungen und Betonbauten einen Marinehafen als Flottenstützpunkt bauen. Nach Bombenangriffen war Deutschlands einzige Hochseeinsel nicht mehr bewohnbar. 1947 wollten die Briten mit 6.700 Tonnen Munition alle Militäranlagen auf der Insel sprengen. Die Folge war ein großer Krater an der Südspitze. Heute können Touristen mit einer Fähre von der Hauptinsel auf die Düne übersetzen.

2008 wurde ein Plan entwickelt, den nur wenige Meter tiefen Meeresarm mit Sand aufzufüllen. Hauptinsel und «Badedüne» sollten zu einer Einheit zusammengefügt werden und Helgoland sich so um einen Quadratkilometer vergrößern. Am Ende entschieden sich 2011 nur 45 Prozent der Befragten für das Vorhaben. «Um diese Frage war es viele Jahre ganz still», sagt Singer. Und wie steht er heute zur einer Landverbindung? Helgoland verfüge über «die teuerste Dorfgrenze der Welt», sagt Singer. «6,5 Kilometer Molenbauwerke sichern heute unsere zwei Inseln. Die in Schuss zu halten, ist eine enorme Leistung. Damals wollte man eine riesige Hotel-Entwicklung, das sehe ich heute anders», sagt er. Mehr Hotelbetten seien aktuell nicht der Wunsch vieler Insulaner. «Vielleicht ist die Zeit reif, jetzt darüber nachzudenken, wohin Helgoland sich bis 2030 entwickeln soll.»

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