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Freitag, 3 April 2020
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Coco Chanels Erbinnen

Diese Santiaguinas machen Mode (Teil 2)

Bereits mit 17 Jahren verließ Irene Schumann ihr Elternhaus, um nach Paris zu gehen.

«Ein gut geschnittenes Kleid steht jeder Frau»

Dieses Zitat von Coco Chanel passt auch auf Irene Schumann, deren  Kleider und Kostüme allesamt diesem Credo entsprechen. Und die Verbindung der gebürtigen Santiaguina zur französischen Stilikone ist quasi romantisch: «Ich war jahrelang in die klassischen Chanel-Jacken verliebt. Besonders, nachdem Karl Lagerfeld sie mit seinem ganz eigenen Stil veredelt hat.» Der Anfang 2019 verstorbene Chefdesigner von Chanel hat mit Irene Schumann auch einiges gemeinsam. Er, der Sohn eines Hamburger Unternehmers, ging mit bereits 17 Jahren nach Paris, um dort eine Schneiderlehre zu beginnen. Irene zog es ebenfalls im gleichen Alter in die Stadt an der Seine, allerdings vorerst nur für sechs Monate, und um besser Französisch zu lernen. «Dort kam ich aber schnell mit den modebewussten Französinnen in Kontakt, die mich nachhaltig beeindruckten», erzählt die geschiedene Mutter zweier Teenager-Töchter.

Harter Schnitt

Zwar entschied sie sich damals nach ihrem Abschluss an der Deutschen Schule Santiago vorerst für ein Studium zur Übersetzerin und Dolmetscherin für Englisch. Nach einem längeren USA-Aufenthalt und der Rückkehr an die Universidad Católica lockte sie jedoch erneut die alte Liebe Frankreich, wo sie ihr Übersetzerstudium beendete. «Ich war aber Immer noch vom Mode-Virus infiziert und bewarb mich an einer Pariser Modeschule», erzählt sie. Dass die Aufnahme an der berühmten Esmod, wo schon Thierry Mugler und viele weitere bekannte Modedesigner ihren Abschluss machten, überhaupt klappte, grenzte schon an einen Sechser im Lotto. Dass sie aber das erste Studienjahr überstehen würde, war weniger Glück denn härtester Arbeit geschuldet. «Von 400 Studienanfängern blieben im zweiten Jahr nämlich nur noch 100 übrig. Aussieben – das war das Ziel des ersten Semesters. Das ist ein sehr millitärischer Drill dort», erinnert sie sich. Hinzu kam, dass sie für ein Doppelstudium des Modedesigns und der Schnittmusterentwicklung eingeschrieben war. Dies sorgte für schlaflose Nächte:«Von Donnerstag auf Freitag schliefen wir Studenten nie. Und das lag nicht am vermeintlich wilden Pariser Partyleben! Wir hatten freitags Abgabe unserer wöchentlichen Arbeiten zür Benotung.»

Sprachen als Erfolgsfaktor

Nach zwei Jahren entschied sie sich, nach Mailand zu wechseln. Die dortige Modeschule sei etwas «menschlicher» als die Esmod gewesen, erinnert sie sich. Irene hatte schon in den USA begonnen, Italienisch zu lernen und seitdem spricht sie neben ihrer Muttersprache Deutsch natürlich Spanisch sowie fließend Englisch und Französisch und eben auch Italienisch. Diese Vielsprachigkeit helfe ihr oft im Beruf, wenn sie mit Lieferanten in anderen Ländern über Stoffpreise verhandle oder auf Messen neue Kontakte knüpfe. Dass trotz ihres Geburtsortes Santiago ihre Muttersprache Deutsch ist, sei aber auch noch heute zu merken: «Ich habe immer noch einen Akzent und kann das ‚R‘ niemals genauso rollen wie ein Latino.» Ihr Vater, der im diplomatischen Dienst arbeitete, lernte die chilenischstämmige Mutter in Hamburg kennen, wo diese lange Zeit lebte. Eigentlich war nicht vorgesehen, dass sie jemals nach Chile gehen würden. Aber: «Meine Mutter hat meinen Vater dann einfach hierher importiert.» Zuhause sei aber ausschließlich Deutsch gesprochen worden.

Drapiert, gelegt und raffiniert gerafft – Abendkleider haben bei Irene Schumann das gewisse „je ne sais quoi“

Eigene Kollektionen

Anfang der 1990er Jahre kehrte Irene aus Europa zurück nach Chile, um sich hier selbstständig zu machen: «Das war immer mein Ziel. Ich hatte nie vor, als Angestellte zu arbeiten.» Geholfen auf diesem oftmals steinigen Weg hat ihr ein Artikel in der Revista Ya!, der ihre erste eigene Kollektion vorstellte – damals noch Alltagskleidung. Nach der Veröffentlichung bekam sie ihre ersten größeren Aufträge. Im Laufe der Zeit spezialisierte sie sich auf Abend- und Festkleider, die sie als Einzelstücke erstellt, aber individuell auf ihre Kundinnen anpasst. Ebenso wie Natalia Figueroa liebt Irene Seidenstoffe aller Art und kauft diese oft auf ihren Reisen ein. Neben den edlen Stücken für Abend oder Feierlichkeiten hat sie aber auch zwei andere Stilrichtungen im Angebot. Aus feiner Wolle fertigt sie gefilzte Schals, kleine Boleros oder Ponchos an. «Auch der Ethno-Stil mit Einflüssen aus anderen Ländern inspiriert mich immer wieder zu neuen Kreationen», sagt sie und ergänzt, dass Ideen für neue Schnitte ihr oft unverhofft kommen, im Auto zum Beispiel oder im Fitnessstudio. Oft sei es aber auch das Material: «Der Stoff spricht quasi zu mir, daraus ergeben sich dann die Ideen.»

Weiterführende Links:
Moda Irene Schumann
Museo de la Moda Santiago

Im ersten Teil stellen wir Ihnen die Designerin Natalia Figueroa vor.

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