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Sonntag, 29 Marz 2020
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Lithium aus Chile: «Im Batteriesektor ist das stärkste Wachstum zu verzeichnen»

Interview mit Dr. Heiner Marx, Vorstandsvorsitzender der K-UTEC AG Salt Technologies

Pilotanlage im Technikum der K-UTEC zur Aufbereitung von Rohstoffen, beispielsweise zur Herstellung von batterietauglichem Li2CO3
Pilotanlage im Technikum der K-UTEC zur Aufbereitung von Rohstoffen, beispielsweise zur Herstellung von batterietauglichem Li2CO3

 

Die K-UTEC AG Salt Technologies in Sondershausen (Thüringen) ist eine Ingenieur- und Forschungsgesellschaft, die seit mehr als 67 Jahren im Bereich der Kali- und Steinsalzindustrie weltweit tätig ist. Das Leistungsspektrum reicht von der Erkundung und Bewertung von Lagerstätten über die Planung zur Gewinnung und Aufbereitung von Salzen und Salzlösungen bis hin zur Entwicklung von Konzepten zur Nachnutzung bergmännischer Hohlräume. Das Unternehmen unterstützt derzeit Bolivien bei der Errichtung und Inbetriebnahme einer Lithium-Anlage.

 

Dr. Heiner Marx, Vorstandsvorsitzender der K-UTEC AG Salt Technologies
Dr. Heiner Marx, Vorstandsvorsitzender der K-UTEC AG Salt Technologies

Cóndor: K-UTEC hat einen Vertrag mit Bolivien unterzeichnet, der den Bau einer Verarbeitungsanlage für Lithium vorsieht. Was genau soll dort gemacht werden und wie sieht der Zeitplan aus?

Dr. Heiner Marx: Basierend auf den im Salar de Uyuni enthaltenen Wertstoffen strebt der Staat Bolivien den Aufbau einer eigenen Mineralsalzindustrie an. Neben KCl (Kaliumchlorid) in Düngemittelqualität soll aus der am Salar de Uyuni anstehenden Natursole als zweites Hauptprodukt Li2CO3 (Lithiumcarbonat) in Batteriequalität ge­wonnen werden.

Die K-UTEC wurde vom bolivianischen Staat im Jahr 2015 mit der Planung der Li2CO3-Anlage einschließlich der Verfahrensentwicklung beauftragt. Die Rohstoffbasis bildet ein aus der solaren Eindunstung resultierendes poly­mineralisches Salzgemisch, für das von K‑UTEC ein maßgeschneidertes, über den Stand der Technik hinausgehendes Verfahren ausgearbeitet wurde. Dieses Verfahren ermöglicht die Gewinnung weiterer vermarktungsfähiger Nebenprodukte und somit eine nahezu vollständige Nutzung der Lagerstätte. Die durch K-UTEC für die Li2CO3-Anlage ausgearbeiteten Planungsunterlagen wurden Ende 2017 übergeben.

In einer ersten Phase wird seit 2015 die Produktionsanlage für die Herstellung von 350 Kilotonnen KCl in Düngemittelqualität errichtet. In einer zweiten Phase soll Ende 2018 mit dem Bau der Produktionsanlage für die Herstellung von 15 Kilotonnen Li2CO3 in Batteriequalität begonnen werden. Hierfür läuft derzeit das Ausschreibungsverfahren, um einen geeigneten Generalunternehmer zu finden.

 

Wäre die Errichtung einer solchen Anlage auch in Chile möglich?

Die Errichtung einer solchen Anlage ist prinzipiell auch in Chile möglich, da hier durch eine Reihe von Salzseen und evaporitischen Lagerstätten (Sedimentgestein; Anmerk. d. Red.) entsprechende Ressourcen zur Verfügung stehen. Wesentliche Voraussetzungen für die Nutzung und die mögliche Produktpalette sind die Zusammensetzung der Lagerstätte, deren Erreichbarkeit sowie die vorhandene Infrastruktur. Generell erfordert jeder Salar ein maßgeschneidertes, individuell angepasstes Aufbereitungskonzept.

Derzeit gewinnen SQM und Albemarle Lithiumcarbonat Li2CO3 sowie weitere vermarktungsfähige Produkte (Kalisalze, Magnesium- und Borverbindungen) aus der im Salar de Atacama anstehenden Natursole. In beiden Fällen besteht jedoch eine räumliche Trennung zwischen der solaren Eindunstung zur Aufkonzentrierung der Lösung und der Produktionsanlage zur Weiterverarbeitung der mit Lithium angereicherten Lösung.

 

 

Wie beurteilen Sie die internationale Marktlage beim Lithium?

Das Anwendungsspektrum von Lithiumverbindungen ist breit, wobei dem Batteriesektor die größte Bedeutung zukommt. In diesem Bereich ist gegenwärtig auch das stärkste Wachstum zu verzeichnen. Während hier der Anteil beispiels­weise im Jahr 2006 noch bei 19 Prozent lag, hat er im Jahr 2017 bereits 46 Prozent erreicht. Es ist kurz- und mittelfristig weiterhin mit einem starken Wachstum des Bedarfs an Lithiumverbindungen für Batterieanwendungen zu rechnen.

Die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung spiegelt sich sowohl in einem stetigen Anstieg der Weltproduktion als auch in der Entwicklung des Preisniveaus wider. So können für batterietaugliches Li2CO3 Spotpreise von bis zu 24.000 US-Dollar pro Tonne erreicht werden.

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