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Monday, 9. March 2026
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Praxisnahes Projekt zur Ausbildung bei Grünenthal Chile

Kooperation mit AHK Chile

La empresa farmacéutica alemana Grünenthal, que también produce medicamentos en Chile, inicia junto a la AHK Chile un nuevo proyecto de cooperación orientado a la formación profesional práctica de personal especializado. En una entrevista, Nina Bottenberg, coordinadora del proyecto, y Elena Wipfler, quien al igual que su colega trabaja en el área de formación dual de la AHK Chile, explican los objetivos, el enfoque y el desarrollo de esta iniciativa.

Lorena Olivares, Elena Wipfler, Cornelia Sonnenberg, Carmen Fernández, Victor Barbosa, Nina Bottenberg, Claudia Ramos, Javier Martin, Leonardo Tonelli, Virginia Borges und David Perlroth

Ziel des Projekts des Unternehmens Grünenthal Chile und der AHK Chile ist es, Jugendliche in einem dualen Ausbildungsformat zu Maschinenführerinnen und -führern (Operador/a de Máquina) zu qualifizieren. Das deutsche Pharmaunternehmen hat seine Zentrale in Aachen und seine Produktionsstätten in Chile befinden sich in Peñalolén.

Zehn bis fünfzehn junge Menschen, die ihre Hochschulreife an technischen Berufsschulen erworben haben, absolvieren über einen Zeitraum von sechs Monaten eine Ausbildung bei Grünenthal. Die Ausbildung verbindet Praxis und Theorie: An vier Tagen pro Woche arbeiten die Teilnehmer direkt in den Produktionsanlagen des Unternehmens und lernen dort die Abläufe der industriellen Arzneimittelherstellung kennen. Ergänzt wird dies durch einen wöchentlichen Unterrichtstag, an dem theoretische Grundlagen in Chemie, Maschinenbedienung und pharmazeutischer Produktion vermittelt werden.

Nach Abschluss des Programms soll ein Großteil der Absolventinnen und Absolventen in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Das Projekt bietet jungen Menschen damit einen unmittelbaren Berufseinstieg und ermöglicht Grünenthal zugleich, qualifizierte Fachkräfte gezielt auszubilden und langfristig zu binden, wie Nina Bottenberg, Projekt Manager, und Elena Wipfler, Project Leader – beide im Bereich Duale Ausbildung der AHK Chile tätig – im Interview erläutern.  

Wie kommt es, dass sich Grünenthal jetzt in Chile für dieses Projekt entschieden hat?

Erstes Treffen der Ausbilder: Alan Salinas, Mario Quintana, Nina Bottenberg und Oscar Evans

Grünenthal Chile hat seine Produktionsanlagen kürzlich modernisiert und eine neue, hochmoderne Produktionshalle eröffnet. Dadurch entsteht ein erhöhter Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Ein zusätzlicher Motivationsfaktor war ein erfolgreiches Best-Practice-Beispiel aus Ecuador, wo Grünenthal gemeinsam mit der AHK Ecuador ein ähnliches Programm umgesetzt hat. Auf dieser Grundlage entschieden sich Grünenthal Chile und die AHK Chile, gemeinsam ein entsprechendes Ausbildungsprogramm in Chile zu entwickeln und zu starten.

Unterscheidet sich dieses Projekt von der betrieblichen dualen Ausbildung in Deutschland?

In Chile existieren nur wenige duale betriebliche Ausbildungsformate im klassischen deutschen Sinne. Tatsächlich gibt es verschiedene Formate, die sich am dualen Ansatz orientieren. So existieren in den «Liceos Técnicos» duale Modelle sowie eine deutsche duale Berufsschule, in der eine duale Berufsausbildung nach deutschen Standards angeboten wird. Daneben gibt es Programme mit alternierenden Phasen zwischen theoretischem Unterricht und betrieblicher Praxis an Hochschulen. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl von Initiativen zur Stärkung der betrieblichen Ausbildung, die sich speziell an Jugendliche richten und eine «on the Job» Ausbildung fördern. Letzteres entspricht dem entwickelten Programm von Grünenthal und der AHK Chile, da es sich um eine an den Betrieb angepasste «On-the-Job»-Ausbildung handelt. Das Programm unterscheidet sich insbesondere dadurch, dass auch die theoretische Ausbildung gezielt auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten ist und spezifische Kenntnisse zur Arzneimittelherstellung vermittelt.

Welche Erfahrungen aus Deutschland oder anderen Ländern fließen in das chilenische Programm ein?

Cornelia Sonnenberg, Hauptgeschäftsführerin der AHK Chile, und David Perlroth, Head of Human Resources des Pharmaunternehmens Grünenthal in Chile
Fotos: Grünenthal

Das Programm basiert auf den Qualitätselementen der deutschen dualen Ausbildung: Ausbildung der Ausbilder, praxisnahe Ausbildung, an die Praxis angepasste Ausbildungspläne und anderes mehr. Darüber hinaus fließen auch die Erfahrungen des Programms aus Ecuador ein, wo ein vergleichbares Modell erfolgreich umgesetzt wurde. Der enge Austausch zwischen der AHK Chile und der AHK Ecuador sowie zwischen den jeweiligen Grünenthal-Standorten war vor allem in der Entwicklungsphase von großer Bedeutung. Darüber hinaus brachte die AHK Chile ihre langjährige Erfahrung in der Übertragung und Anpassung des deutschen dualen Ausbildungssystems an die chilenische Realität ein. Diese Kenntnis sowohl des deutschen als auch des chilenischen Modells war entscheidend für die Entwicklung eines nachhaltigen Programms.

Ist das Projekt Teil einer langfristigen Unternehmensstrategie oder ein Pilotversuch? Können weitere Standorte oder Berufe bei Grünenthal folgen?

Das Projekt ist als Pilotprojekt angelegt, jedoch klar in eine langfristige Unternehmensstrategie eingebettet. Ziel ist es, in den kommenden Jahren die Anzahl der teilnehmenden Jugendlichen schrittweise zu erhöhen und damit die langfristige Gewinnung qualifizierter Fachkräfte zu sichern. Zudem soll analysiert werden, welche weiteren Ausbildungsberufe künftig bei Grünenthal Chile angeboten werden könnten. Auf globaler Ebene dienen Programme wie dieses – ebenso wie das Modell in Ecuador – als Best-Practice-Beispiele für andere Grünenthal-Standorte.

Welche konkrete Rolle übernimmt die AHK Chile bei dem Programm?

Die AHK Chile übernimmt eine umfassende Beratungsrolle. Dazu gehören die Anpassung des Programms an die chilenischen Rahmenbedingungen, die Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse von Grünenthal sowie die Beratung zu öffentlichen Förderprogrammen und zum Auswahlprozess der Jugendlichen. Gemeinsam mit Grünenthal entwickelt die AHK Chile das Ausbildungsprogramm und verantwortet die erste Phase der Rekrutierung. Sie nimmt Kontakt zu Schulen auf, informiert über das Programm und trifft eine Vorauswahl der Bewerberinnen und Bewerber. Darüber hinaus organisiert die AHK Chile die international anerkannte Ausbildung der Ausbilder (AdA International), um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Grünenthal auf ihre Rolle als Ausbilder vorzubereiten. Damit zertifiziert die AHK Chile, dass Grünenthal eine qualitativ hochwertige Ausbildung mit qualifizierten Ausbildern anbietet. Abschließend übernimmt die AHK Chile gemeinsam mit Grünenthal die Qualitätssicherung, um sicherzustellen, dass die Ausbildungsziele erreicht und das Programm kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Die Ausbildung zum Anlagen- und Maschinenführer dauert in Deutschland zwei Jahre.
foto: dpa

Inwiefern orientiert sich das Ausbildungsmodell an deutschen Standards und wie ist es an chilenische Gegebenheiten angepasst?

Das Ausbildungsmodell bei Grünenthal Chile basiert auf der deutschen Berufsausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer beziehungsweise -führerin. Die entsprechende Ausbildungsordnung wurde jedoch hinsichtlich Dauer und Inhalte an die betrieblichen Anforderungen und die chilenische Realität angepasst. Das Programm orientiert sich somit an deutschen Qualitätsstandards der dualen Berufsausbildung, berücksichtigt aber zugleich lokale Gegebenheiten, insbesondere bei der Ausbildungsdauer und den theoretischen Inhalten. Ein Schwerpunkt des Unterrichts liegt auf der Arzneimittelherstellung, während die praktische Ausbildung eng an der deutschen Ausbildungsordnung für Maschinen- und Anlagenführer und -führerinnen ausgerichtet ist. Darüber hinaus basiert das Ausbildungsformat auf  den Qualitätselementen der deutschen dualen Ausbildung wie zum Beispiel der Ausbildung der Ausbilder.

Wie stellt die AHK sicher, dass Ausbildungsqualität und Lernziele eingehalten werden? 

Die Qualität und Lernziele werden konstant vor und während der Ausbildung sichergestellt durch die Ausbildung von Ausbildern, den ständigen Austausch mit den Ausbildern und Lehrern des theoretischen Teils sowie mit den Jugendlichen. Nach Abschluss des Programms findet eine umfassende Evaluation statt. Dabei werden unter anderem der Rekrutierungsprozess, der Ablauf der Ausbildung, die Übernahmequote der Jugendlichen sowie das Feedback der Ausbilder berücksichtigt. Ziel ist es, sicherzustellen, dass das Programm seine Ziele erreicht und kontinuierlich verbessert wird.

Nach welchen Kriterien werden die Auszubildenden ausgewählt? Beziehungsweise welche Jugendlichen werden teilnehmen? Welche schulischen oder sozialen Voraussetzungen müssen Bewerber mitbringen? Wie viele Bewerber gibt es?

Berücksichtigt werden Jugendliche, die ihre Hochschulreife an einer technischen Berufsschule mit passendem Berufsprofil abgeschlossen haben, beispielsweise in Elektrotechnik, Elektronik, Industriemechanik oder industrieller Chemie, und kurz vor dem Abschluss stehen. Da das Programm an der Schnittstelle zwischen Maschinenbedienung und Arzneimittelherstellung angesiedelt ist, werden keine spezifischen fachlichen Vorkenntnisse über den Schulabschluss hinaus verlangt. Da es sich um ein Ausbildungsformat zum Berufseinstieg handelt, wird zudem keine Berufserfahrung vorausgesetzt. Wichtig sind jedoch Motivation, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, bei Grünenthal einzusteigen. Die Teilnehmer müssen sie soziale und persönliche Kompetenzen mitbringen, insbesondere Teamfähigkeit, Lernbereitschaft und sorgfältiges Arbeiten. Der Auswahlprozess umfasst mehrere Stufen, um diese Kompetenzen gezielt zu prüfen. Insgesamt haben sich nach Schulbesuchen über 100 Bewerber und Bewerberinnen für das Programm beworben.

Erhalten die Auszubildenden eine Vergütung – und wenn ja, in welcher Form? Werden sie übernommen?

Ja, die Auszubildenden erhalten eine Vergütung in Höhe des chilenischen Mindestlohns. Zusätzlich profitieren sie von allen Leistungen eines festangestellten Mitarbeiters bei Grünenthal, wie Kantine und Shuttlebusse. Darüber hinaus erhalten die Jugendlichen eine theoretische Weiterbildung und zusätzlich besteht die Möglichkeit, parallel zur Ausbildung ein Studium aufzunehmen, sofern dies mit dem Unternehmen abgestimmt ist.

Welchen Nutzen erwartet Grünenthal von dem Ausbildungsprogramm?

Grünenthal erwartet, durch das Programm qualifizierte Berufseinsteigerinnen und -einsteiger zu gewinnen, die sich langfristig im Unternehmen entwickeln und durch Teilnahme an den betrieblichen Prozessen ausgebildet werden. Ein besonderer Fokus liegt darauf, dass die Jugendlichen frühzeitig die Werte und Ziele des Unternehmens kennenlernen und verinnerlichen. Das Programm verfolgt somit eine Strategie der frühen Bindung und gezielten Entwicklung junger Talente, um langfristig den Fachkräftebedarf in den neuen Produktionsstätten in Chile zu sichern.

Welche Qualifikationen erwerben die Auszubildenden, die auf dem chilenischen Arbeitsmarkt gefragt sind?

Die Auszubildenden erwerben eine Zusatzqualifikation als Maschinen- und Anlagenführer beziehungsweise -führerin sowie fundierte Kenntnisse über pharmazeutische Herstellungsprozesse. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie eine Zertifizierung der AHK, die ihre Teilnahme und die Qualität der Ausbildung nach deutschem Vorbild bestätigt. Diese Zertifizierung gilt auf dem chilenischen Arbeitsmarkt als Qualitätssiegel und erhöht – in Kombination mit praktischer Erfahrung in einem modernen und renommierten Unternehmen – die Attraktivität erheblich.

Kann das Projekt als Modell für andere Unternehmen oder Branchen dienen?

Ja, das Projekt kann als Modell sowohl für weitere Unternehmen der Pharmaindustrie als auch für andere Branchen dienen. Da dieses Ausbildungsmodell jeweils in Kooperation mit den beteiligten Akteuren an die Bedürfnisse des Unternehmens und der jeweiligen Branche angepasst wird, sind solche Programme auch branchenübergreifend umsetzbar. Das Pilotprojekt zwischen Grünenthal und AHK Chile stellt somit ein Best-Practice-Beispiel dar und zeigt, wie Elemente der deutschen dualen Berufsausbildung erfolgreich mit den Besonderheiten des chilenischen Bildungs- und Produktionssystems kombiniert werden können.

Wird das Projekt vom chilenischen Staat gefördert?

Das Projekt wird überwiegend aus privaten Mitteln finanziert. Ergänzend erhält es Unterstützung aus dem staatlichen Programm «Aprendices» des SENCE, das Unternehmen Anreize bietet, betriebliche Ausbildungsprogramme für Jugendliche umzusetzen.

Die Fragen stellte Silvia Kählert.

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