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martes, 31. enero 2023
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Familie Klein kultiviert Bio-Blaubeeren bei Temuco

«Im Einklang mit der Natur»

Blaubeeren sind nicht nur lecker – sie gehören auch zu den gesündesten Früchten. Was sie noch gesünder macht, ist der Bio-Anbau, auch wenn er aufwendiger und teurer ist. Aus Überzeugung kultivieren Carlos Klein und seine Tochter Soledad Bio-Blaubeeren bei Temuco, und seit vier Jahren auch Bio-Haselnüsse.  

«Es gibt nichts Schöneres, als eine Handvoll Blaubeeren einfach abzupflücken und direkt zu essen!», findet Soledad Klein und fügt hinzu: «Und wenn du weißt, dass die Frucht nicht mit chemischen Produkten bespritzt wurde, ist es einfach ein schönes Gefühl.» Gerne möchte sie, dass noch mehr Menschen erkennen, dass sie mit dem Kauf von Biofrüchten sich und der Umwelt etwas Gutes tun. «Das Bewusstsein ist schon gewachsen», stellt sie fest. 

Gesunde und resistente Beeren 

Als einer der ersten Erzeuger in Chile begann Carlos Klein vor über 30 Jahren mit dem Anbau von Bio-Blaubeeren (arándanos). Inzwischen arbeitet Tochter Soledad an seiner Seite mit. Sie hat Ende 2022 einen Marketing-Kurs der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Köln absolviert. Das hat Soledad Klein in der Idee bestärkt, die Heidelbeeren zu verarbeiten: als getrocknete Früchte, wie Rosinen oder – noch ein Zukunftsprojekt – zu Essig vergoren. Bisher exportieren die Kleins über 90 Prozent ihrer Bio-Heidelbeeren in die USA.

Der Weltmarkt für Bio-Heidelbeeren ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Verbraucher mögen die dunkelblauen Beeren, denn es ist nachgewiesen, dass Heidelbeeren in vielerlei Hinsicht sehr gesund sind: Die Früchte enthalten gerade einmal 45 Kilokalorien pro 100 Gramm, gehören zu den besten Quellen von Vitamin C, Kalium und Zink, Folsäure und Eisen sowie Gerb- und Pflanzenfarbstoffen (Polyphenole). Polyphenole sind sekundäre Stoffe, die Zellen erneuern, Entzündungen bekämpfen und das Immunsystem stärken. 

Das war sicherlich auch ein Grund für Carlos Klein, als er sich entschied, auf seinem 1,9 Hektar großen Grundstück 1988 bei Temuco Kulturblaubeeren anzubauen. «Außerdem spielte eine Rolle bei der Entscheidung, dass diese Beeren keine Stacheln haben, also leicht zu pflücken sind. Weitere Gründe waren: Sie sind sehr resistent und das kühle, feuchte Klima im Süden ist ideal für den Anbau dieser Früchte. Als die Stadt wuchs, verkaufte der Agraringenieur das Land und erwarb bei Freire ein neues, wo er auf 26 Hektar Boden von vorne anfing. «Der Neuanfang war nicht leicht», erläutert Soledad. «Man muss bedenken, dass es vier bis fünf Jahre dauert, bis ein Blaubeerbusch Früchte trägt. Kaum war dies 2010 der Fall, erfuhren wir, dass es neue Züchtungen gibt, die fester, knackiger, haltbarer und resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten sind und deren süßes Aroma mehr dem Geschmack der Konsumenten entspricht. Also haben wir quasi wieder von vorne angefangen», beschreibt Soledad die Anfangsphase als Großproduzenten.

Handarbeit statt Chemie

Auch das Konzept des ökologischen Anbaus bedeutet für die Kleins mehr Arbeit und mehr Ausgaben. Sie haben sich dennoch aus Überzeugung für die ökologische Landwirtschaft entschieden: «Es ist für unsere Umwelt besser, im Einklang mit der Natur zu arbeiten und auf diese Art und Weise wirklich gesunde Früchte zu erzeugen!» Das beginnt schon bei der Wahl der Dünger: «Wir verzichten vollständig auf synthetische Dünger und wählen nur solche, die ein Bio-Zertifikat tragen. Auch wenn diese teurer sind und öfters verwendet werden müssen.»

Doch damit nicht genug: Zwischen den Blaubeerbüschen wurden in einem Abstand von jeweils einem Hektar biologische Korridore mit Blumen und nativen Bäumen gepflanzt. Sie sorgen dafür, dass Bienen angelockt werden und die Heidelbeerpflanzen bestäuben und dass einheimische Insekten in ihrer Umgebung bleiben und nicht auf die Heidelbeeren übergehen. 

Das Gleiche gilt beim Pflanzenschutz: «Es kommt keine Chemie auf unsere Pflanzen – stattdessen arbeiten wir mit der Hand.» Bodenschädlinge werden mit der Hand aufgenommen oder mit Fallen gefangen. Ebenso wird Unkraut händisch herausgerissen, statt chemische Bekämpfungsmittel zu verwenden.

Etwa 25 bis 30 Prozent weniger ernten ökologische Landwirte im Vergleich zu chemisch behandelten Pflanzen. Vom Staat kann man in Chile aber keinen Zuschuss für die Bio-Produktion erwarten. 

Sechs Mitarbeiter unterstützen den Anbau, in der Erntezeit sind es ungefähr 120. Im Jahr 2021 ernteten die Kleins rund 150.000 Kilogramm Blaubeeren, 2022 waren es rund 140.000 Kilogramm. Nach der Bepflanzung mit neuen Sorten soll die Ernte in drei bis vier Jahren auf circa 250.000 Kilogramm steigen.

Verband für ökologische Landwirtschaft

Im Jahr 2019 haben die Kleins begonnen, Bio-Haselnüsse auf 16,5 Hektar anzubauen. «Bisher sind die Bäume noch klein, und in diesem Herbst wurden gerade einmal 200 Kilogramm geerntet. Aber 2023 soll es mit dem Export losgehen», berichtet Soledad. Sie hat schon viele Ideen zur Vermarktung: «Wir können die Nüsse zu Öl, Butter und Mehl verarbeiten.» Ein Abnehmer hat besonders großes Interesse: die Firma Agrichile, die im Auftrag von Ferrero arbeitet – bekannt für die Pralinen Ferrero-Küsschen. Das Unternehmen legt ebenfalls großen Wert auf die Qualität von nachhaltig erzeugten Nüssen – und da kann der ökologische Anbau der Kleins punkten. 

Jedes Jahr lassen sich die Blaubeeren-Anbauer in Temuco durch eine externe Fima zertifizieren, dass sie ökologischen Anbau betreiben. «Das ist sehr aufwändig und teuer, wir müssen viele Papiere ausfüllen und Dokumente erstellen», stellt Soledad fest.

Die allgemeine wirtschaftliche Situation macht der Familie Sorgen. Die Nachfrage gerade nach den teureren Bio-Produkten geht zurück. Um sich gegenseitig zu unterstützen, initiierte Carlos Klein letztes Jahr die Gründung eines Verbands von Gleichgesinnten: die Agrupación Agricultura Orgánica de La Araucanía (Agagola). «Inzwischen sind wir schon über 

25 Mitglieder», sagt Soledad Klein.Eine Hoffnung sei, dass auch in Chile das Bewusstsein dafür steigt, dass «die ökologische Produktion von Früchten, Gemüse und Fleisch sowohl gesünder als auch besser für die Umwelt ist».

Zur Person

Carlos Klein ist Enkel von deutschen Immigranten, die im Jahr 1885 nach Chile kamen. Er machte an der Universidad de Chile sein Diplom als Agraringenieur und hat sehr früh in der nordchilenischen Wüste mit ökologischen Studien begonnen, die er später in Gießen, Hessen, mit einer Promotion abschloss. Der Weg bis zum organischen Anbau war bereits vorgezeichnet. 

Nach seiner Promotion arbeitete er für die damalige GTZ (heute GIZ), was die Familie Klein in verschiedene Länder führte, vor allem immer wieder nach Deutschland.

Zur Person

Soledad Klein

Ihre Kindheit verbrachte sie in Deutschland, und ist dann aufgrund der Arbeit ihres Vaters immer wieder umzogen. Die Schule besuchte sie daher in Deutschland und deutschen Auslandsschulen.

Nach der Schulzeit entschied sie sich, in Chile zu leben undstudierte Betriebswirtschaftslehre. Die ersten Jahre ihres Berufslebens war sie hauptsächlich im Bereich des Tourismus und bei Fluggesellschaften tätig.

Erst im Jahr 2008, als ihr Vater Hilfe für seinen Betrieb brauchte, kam es zu ihrer Mitarbeit: Sie ist im Verkaufs- und Verwaltungsbereich tätig, ihr Vater widmet sich dem Anbau und allem, was mit Landwirtschaft zu tun hat.

Zu ihrer Arbeit sagt sie: «Natürlich habe ich von meinem Vater die Liebe und den Respekt für Bio-Produktion übernommen und werde dies auch in Zukunft so halten. Ich hoffe, diese Überzeugung meinen Kindern weitergeben zu können.»

Blaubeer-Boom weltweit – mehr Anbau in Chile und Peru 

Der Konsum von Blaubeeren nimmt auf der ganzen Welt zu. Das hat auch in Chile zu einem verstärkten Anbau der Frucht geführt: Die mit Blaubeeren bepflanzte Fläche in Chile hat sich von rund 7.000 Hektar im untersuchten Zeitraum 2020/2021 auf über 18.000 Hektar in den Jahren 2021/2022 vergrößert. 

Die USA sind der wichtigste Markt für Chile für frische und tiefgekühlte Blaubeeren und erwerben laut eines Berichts des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) mehr als die Hälfte der insgesamt exportierten chilenischen Blaubeeren.

In den Jahren 2021/2022 beliefen sich die Exporte von frischen Blaubeeren in Chile auf über 100.000 Tonnen. Dies war ein Rückgang um 9 Prozent gegenüber 2020/2021, was auf logistische und klimatische Probleme zurückzuführen ist. Die Exporte von tiefgekühlten Blaubeeren beliefen sich 2021/2022 auf 53.983 Tonnen, ein Anstieg um 12,4 Prozent gegenüber 2020/21. Die Niederlande und Großbritannien sind ebenfalls wichtige Zielländer für chilenische frische Blaubeeren, an die jeweils 22,7 Prozent und 6,9 Prozent der Früchte exportiert werden.

Peru hat sich in kürzester Zeit zum weltweit führenden Lieferanten von frischen Blaubeeren entwickelt. Dank langer Wachstumstage, großer Anbauflächen und des Zugangs zu Märkten in ganz Amerika und Asien macht der Anteil Perus an der globalen Gesamtmenge der Blaubeerproduktion rund 15 Prozent aus. Viele nordamerikanische Blaubeerproduzenten expandieren, indem sie Anbauflächen in Peru anlegen.

Bis Ende Januar 2022 hat die peruanische Industrie über 200.000 Tonnen exportiert, wie aus den offiziellen Zahlen des Landwirtschaftsministeriums Perus hervorgeht.

Quelle: USDA FAS GAIN Reports,  Blueberries Consulting / agraria.pe

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