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martes, 31. enero 2023
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Porträt – Alejandra Voigt

«Konstante Arbeit (oder vielleicht Sturheit?) versetzt Steine»

Vizepräsidentin und Direktorin des Aura-Observatoriums in Chile

Das US-Konsortium Aura hat die Chilenin Alejandra Voigt zur neuen Vizepräsidentin und Direktorin des Aura-Observatoriums in Chile ernannt. Damit ist sie seit Anfang November die erste Frau in dieser Position.

Alejandra Voigt war seit 2014 Geschäftsführerin der Sternwarte Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (Alma). In ihrer Position unterstützte sie den vollständigen Übergang vom Bau zum Betrieb, indem sie neue Prozesse und Strategien entwickelte und optimierte. 

«Nach meinem Jura-Studium  arbeitete ich in einer Anwaltskanzlei, aber ich merkte bald, dass ich andere Dinge wollte, die mehr globale Zusammenhänge und Interdisziplinarität zuließen. So studierte ich in Spanien internationales Recht und EU-Recht. Danach übernahm ich Führungspositionen in der Legislative und Exekutive und lehrte an der Universität. Am Alma-Observatorium habe ich dann meinen Platz und meine Bestimmung in der Arbeitswelt gefunden: Wissenschaft zu ermöglichen, die die Grenzen des Wissens sprengt, indem sie Verbindungen schafft und Entscheidungsprozesse mit einer langfristigen Perspektive erleichtert», erklärt sie. 

Nun wurde Alejandra zur neuen Vizepräsidentin und Direktorin des Aura-Observatoriums in Chile ernannt. Aura ist eine Gesellschaft, die zahlreiche, meist von den Vereinigten Staaten finanzierte Teleskope verwaltet und unterstützt, darunter zahlreiche optische und Infrarot-Teleskope sowie Sonnen- und Weltraumteleskope. «Meine Position ist ein Bindeglied zwischen der langfristigen strategischen Vision aus den USA und der Entwicklung der Aktivitäten in Chile. In naher Zukunft wird Chile das Zentrum der bodengebundenen Astronomie nicht nur für Aura, sondern für die ganze Welt werden. Ich muss dafür sorgen, dass die notwendigen Bedingungen geschaffen werden und nachhaltig sind, damit sich unsere Aufgabe in Chile zusammen mit der chilenischen Gesellschaft und der wissenschaftlichen Gemeinschaft weiter entwickeln kann.»

Neben dieser Tätigkeit ist sie derzeit auch Mitglied des Rates der Universidad de Aysén. Warum gerade Aysén? «Ich wurde im März 1975 in Santiago geboren, kurz darauf zogen meine Eltern nach Coyhaique, in die wunderschöne Region Aysén. Meine Kindheit war glücklich und frei. Ich erinnere mich immer wieder an das Grün, die Berge, den Schnee, den eisigen Wind und die Wärme der zwischenmenschlichen Bande, die in der Härte der Isolation geschmiedet werden. Ich hatte das Privileg, in der wilden Natur Patagoniens aufzuwachsen und Teil dieser Region zu werden», sagt sie. Mit ihrem Bruder, der in Santiago Geschäftsführer eines Solarenergieunternehmens ist, reist sie so oft es geht nach Patagonien. «Wir erziehen unsere Kinder mit der gleichen Verbundenheit und Liebe zu dieser Region, in der wir aufgewachsen sind.»

Alejandras Urgroßvater kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Hamburg nach Chile, die Familie der Urgroßmutter stammte aus Baden-Baden. Sie arbeiteten in der Landwirtschaft im heutigen La Pintana. «Mein Vater ist Anwalt, genau wie ich. Er kam Mitte der 1970er Jahre nach Aysén, um am Aufbau regionaler Institutionen mitzuwirken. Meine Mutter war Anfang der 1980er der erste Reiseveranstalter in Aysén und ein ganz besonderes Mitglied der Gemeinschaft von Coyhaique, hyperaktiv, immer mit großer Freude an der Entwicklung der Region beteiligt. Ich besuchte eine Schule und ein Gymnasium, die von einer italienischen Missionsgemeinde betrieben wurden, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die wenigen Siedler, die nach Aysén kamen, zu unterrichten. Sie lehrten mich Werte, die mein ganzes Leben geprägt haben: Solidarität, Kameradschaft, Sparsamkeit, die Zufriedenheit mit einer guten Arbeit, intellektuelle Neugier, Führungsqualitäten und Tatkraft.»

In Deutschland war Alejandra viele Male, denn ihr Vater ist ein großer Liebhaber des Landes und seiner Kultur (und ein großer Fan von elektrischen Zügen). «Er nahm uns fast jährlich mit auf Deutschlandtour. Auch Dank meiner früheren Tätigkeit hatte ich das Glück, sehr oft in das Land meiner Vorfahren zu reisen. Es ist sehr merkwürdig, wie unsere Gene uns zur Kultur, der Sprache, dem Essen und den Farben unserer Vorfahren hinziehen. Ich genieße jeden Besuch in Deutschland, als ob ich wieder zu Hause wäre», stellt sie fest.

Verheiratet ist Alejandra Voigt mit einem Akademiker, Juristen und Philosophen, der an der Universidad Católica arbeitet. «Ich habe eine 22 Jahre alte Stieftochter namens Magdalena und einen frechen neunjährigen Sohn namens Alfonso. Und meine Hobbies stammen alle aus einer Kindheit ohne Fernsehen und auf dem Lande: Ich liebe es zu häkeln, zu sticken, zu malen und zu angeln. Jetzt, als Erwachsene, haben mein Mann und ich zusammen mit meinem Bruder und seiner Familie Trekking als ein neues Hobby entwickelt.»

Ob sie als erste Frau in der Position als Vizepräsidentin und Direktorin des Aura-Observatoriums Probleme hat? «Oft kommt der Mangel an Akzeptanz von uns Frauen selbst, weil wir uns weniger wert fühlen und uns von Trägheit zurückhalten lassen. Die Nützlichkeit meiner Arbeit und der Beitrag, den meine andere Sichtweise leistet, ist fast immer sehr gut aufgenommen worden. Deshalb auch mein Lebensmotto: «Konstante Arbeit (oder vielleicht Sturheit?) versetzt Steine.»

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