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martes, 31. enero 2023
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Porträt – Alejandro Weber

Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Universidad San Sebastián

«Ich gebe immer alles, was ich kann»

Alejandro wurde 1983 in Santiago geboren, doch die Familie zog kurz danach nach Paillaco, eine kleine Stadt in der Nähe von Valdivia. Hier besuchte er ab der 9. Klasse das Liceo Municipal Rodulfo Amando Philippi. «Ich habe immer gern gelernt. Meine guten Noten ermöglichten mir ein Studium an der Universidad Católica.» 

Alejandro Weber hat die besten Erinnerungen an seine Kindheit: Ein Leben auf dem Lande, gesund und einfach. «Wir haben auf den Koppeln Fußball gespielt, bis die Sonne unterging», erinnert er sich, aber auch an das leckere Essen seiner Großmutter, die Sommer mit Cousins und Cousinen, die Ausflüge mit den Eltern. «Bei Besuchen in Santiago wurden wir von meinen Großeltern mütterlicherseits mit viel Liebe empfangen. Und es war fantastisch, Zugang zu all dem zu haben, das es im Süden nicht gab – sogar der Gang zum Einkaufszentrum war ein Abenteuer!» Der Vater war Landwirt, aber auch sehr an Politik interessiert, er war zweimal Stadtrat und Bürgermeisterkandidat von Paillaco. Die Mutter hatte Kunst studiert und unterstützte den Vater auf dem Land. Alejandro hat zwei Schwestern, eine studiert Jura, die andere ist Psychologin. 

Väterlicherseits kamen beide Familien nach dem Ersten Weltkrieg aus Deutschland nach Chile. Die Webers und die Wagners stammten laut Familiengeschichte aus München und wanderten über Puerto Saavedra in die Region Araucanía ein, wo sie sich trafen. Zunächst ließen sie sich in Caburgua nieder und betrieben ein Eisenwaren- und Lebensmittelgeschäft. Dann zogen sie weiter nach Süden, bis nach Paillaco.

Der groβe Schritt von einer staatlichen Schule in dem kleinen Ort zu einer der angesehensten Universitäten des Landes war (und ist) sicher nicht alltäglich. «Ich bin sehr stolz darauf, im öffentlichen Bildungswesen studiert zu haben. Die Unterschiede zwischen Santiago und den Regionen in den 80er und frühen 90er Jahren waren enorm. In Paillaco habe ich Disziplin, Liebe zur Arbeit, Solidarität und Empathie vermittelt bekommen und gelernt, dass wir alle, unabhängig von unserer Herkunft, gleich an Würde sind. An der Universidad Católica erkannte ich die Ungleichheiten, die es in Chile gab. Das spornte mich an, den öffentlichen Dienst zum Mittelpunkt meiner beruflichen und persönlichen Entwicklung zu machen.» Im Jahr 2021 wurde er zum Ehrenbüger der Gemeinde Paillaco ernannt. 

Nach einem Bachelor in Sozialwissenschaft studierte Alejandro Weber Psychologie und absolvierte danach in den USA Master-Studiengänge in Betriebswirtschaft und internationaler Entwicklungspolitik. «In meiner Ausbildung und beruflichen Laufbahn hatte ich das Glück, Psychologie und Wirtschaft im privaten und öffentlichen Sektor zu integrieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Probleme von heute multidisziplinär sind und ihre Lösung einen differenzierten und vielfältigen Ansatz erfordert», unterstreicht er. 

Mit 34 Jahren war er die jüngste Person, die jemals an der Spitze des «Servicio Civil y la Alta Dirección Pública» im Finanzministerium stand. Mit 36 Jahren wurde er Unterstaatssekretär im Finanzministerium, der erste Psychologe auf diesem Posten in der Geschichte Chiles. Diese Erfahrungen in einem krisenhaften Umfeld aufgrund der Pandemie und der sozialen Unruhen haben ihn sehr geprägt: «Ich konnte in dieser schwierigen Zeit zur Lösung komplexer Probleme beitragen. Ich war in enger Zusammenarbeit mit Präsident Piñera an der Ausarbeitung und Aushandlung so wichtiger politischer Maßnahmen wie die Allgemeine Garantierte Rente (PGU), das Notfall-Familieneinkommen IFE und die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen beteiligt.»

Seit April ist Alejandro Weber Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Universidad San Sebastián. «Wir haben ein Zentrum für Öffentliche Politik gegründet, das auf der Grundlage eines interdisziplinären, regionalen und evidenzbasierten Ansatzes zur integrativen Entwicklung Chiles und seiner Regionen beitragen soll. Ich bin überzeugt, dass die Fakultät sich in den kommenden Jahren zu einer der relevantesten ihrer Art in Chile entwickeln wird, mit einem modernen Lehrplan und einem Team exzellenter Professoren, sowohl für die Ausbildung unserer Studierenden als auch für die Generierung von relevantem Wissen für Wirtschaft und Gesellschaft.»  

«Meine wichtigste Stütze ist meine Familie. Meine Frau, Daniela Peñaloza, ist die Bürgermeisterin von Las Condes. Wir teilen beide die Leidenschaft für den öffentlichen Dienst. Wir haben drei wunderbare Kinder: Augusto, 9, José Tomás, 6 und Elisa, 2 Jahre alt. Der perfekte Tag für mich ist gemeinsames Grillen mit meiner Familie und Freunden, um dann im Stadion ein Fuβballspiel der UC zu sehen. Wir sind Fans von La Católica, und so wie mein Großvater mich als Vierjährigen zum ersten Mal nach San Carlos de Apoquindo mitnahm, tat ich das auch mit meinen Kindern. Ich spiele Gitarre seit ich 13 bin und versuche, meinen Kindern die Liebe zur Musik zu vermitteln, ebenso wie die Lust am Reisen, am Kennenlernen anderer Welten und Kulturen.»  

Er kann sich nicht vorstellen, in irgendeinem Bereich nur halbe Sachen zu machen: «Als Vater, als Ehemann, als Berufstätiger gebe ich immer alles, was ich habe, und versuche, das Beste aus meinen Fähigkeiten zu machen. Das ist meiner Meinung nach der richtige Weg, andere in ihrer ganzen Würde zu respektieren.»

Foto: privat

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