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viernes, 9. diciembre 2022
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Familie Roehrs in Magallanes

Große Leidenschaft für das Landleben

Der Hamburger Wilhelm Roehrs hat seinen vielen Nachkommen vor allem eines hinterlassen: die Liebe zur Natur. Nach seiner Ankunft 1890 in Punta Arenas arbeitete er auf der Estancia Gente Grande, später auf der Glencross-Ranch und gründete mit Emilia Bahrdt eine zehnköpfige Familie. Seine jüngste Tochter Victorina Teresa (1914-2007) hat die Familienbiografie vor rund 30 Jahren aufgeschrieben (Teil 1 im Cóndor 4468).

Damals in «Gente Grande» arbeitete mein Vater als «puestero». In ihrem eigenen Haus fühlten sich meine Eltern sehr wohl: Es hatte zwei Schlafzimmer, eine Küche, ein Esszimmer und eine Speisekammer. Das Bad war, wie es damals üblich war, zehn bis 15 Meter vom Haus entfernt.

Dort lernte meine Mutter, die Kühe zu melken. Mein Vater brachte ihr ein kleines Lamm mit, um sie zu unterhalten, da sie fast den ganzen Tag allein war, während mein Vater auf dem Feld arbeitete. 

Er erzählte, dass es dort viele wilde Rinder gab, und wenn man sie von weitem sah, musste man danach verschwinden, weil sie angriffen. Manchmal, wenn sie auf dem Gutshof Rindfleisch brauchten, ging Vater vor dem Morgengrauen mit seinem Gewehr hinaus, und wenn er sah, wo die wilden Rinder waren, wartete er, bis es hell wurde, schoss und rannte in vollem Galopp mit seinem Pferd davon. Am Nachmittag, wenn die Rinder weg waren, ging er los, um seine Beute nach Hause zu bringen. Er zog das Fell ab und transportierte das Fleisch auf einem Wagen. Papa war ein sehr guter Schütze, so wie wir alle. 

Aus Deutschland hatten sie eine Menge Samen und Pflanzen mitgebracht wie für Rhabarber und Johannisbeeren und fast alles wuchs sehr gut. Eine Rhabarberpflanze wurde in ein Fass gepflanzt, weil es hieß, dass diese Pflanze hier nicht wächst. Doch sie hat sich sehr gut entwickelt, und auch der Salat und der Kohl wuchsen gut und sie haben sie den Gutsbesitzern geschenkt.

Sonntags ritten sie aus. Mutter immer auf einem Frauensattel. Sie erzählte, dass sie einen langen, weiten Rock und eine sehr enge Jacke mit vielen Knöpfen getragen habe. Sie gingen an den Strand, wo sie Goldnuggets und Edelsteine wie zum Beispiel Rubine fanden. Ihre Ringe waren aus Gold, das sie an diesem Strand gefunden hatten, wo oft Schiffswracks aus der Magellanstraße angeschwemmt wurden.

Für das erste Weihnachtsfest haben sie einen Calafate-Zweig als Weihnachtsbaum verwendet, der mit der aus Deutschland mitgebrachten Dekoration sehr schön aussah.

Sie hatten einen Goldklumpen von der Größe einer Bohne und wir spielten damit, bis wir ihn verloren. Viel später schlachtete die Köchin ein Huhn, und als sie den Bauch aufschnitt, fand sie den Goldklumpen, und die Mutter schenkte ihn der Köchin.

Nach vielen Jahren auf «Gente Grande» ging mein Vater 1908 zu den Besitzern der Glencross-Ranch, die Alejandro und José Menéndez y Cia. von der Glencross Shepherd Company erworben hatten, eine Ranch in Argentinien südlich des Santa Cruz-Flusses. 

Meine älteren Brüder besuchten in den ersten Jahren die deutsche Schule in Punta Arenas, aber später stellten meine Eltern Privatlehrer ein, die uns auf dem Land unterrichteten, wie zum Beispiel Werner Gromsch. Wir haben sogar gelernt, Klavier zu spielen und etwas über die Flora und Fauna erfahren. Wir sind durch die Felder gelaufen und haben nach Tehuelche-Pfeilspitzen gesucht. Meine Schwester Hanna machte Fotos, die sie selbst entwickelte, wusste mit Waffen umzugehen und hatte eine beneidenswerte Zielsicherheit. Sie las sehr gerne und war sehr gebildet.

Wir waren zehn Geschwister, zwei sind schon ganz früh gestorben: mein Bruder Erni und ein kleines Mädchen, deren Namen ich nie erfahren habe. Wir waren acht vom Ältesten bis zum Jüngsten: Walter Ludwig, Rudolph Wilhelm, Johanna Cristine, Ella Elise, Wilhelm Julius, Margarite Caroline, Victorina Teresa (ich) und Hans Friedrich.

1935 kehrten wir endgültig nach Punta Arenas zurück, und mein Vater eröffnete in der Calle Bories im Stadtzentrum eine Buchhandlung, die viele Jahre lang bestand und auch von meinen Schwestern Hanna und Ella geführt wurde. Dort berieten sie Studenten und andere Kunden, die sich über die Literatur auf dem Laufenden halten oder etwas über die Region erfahren wollten.

Später führten meine Brüder Willi und Hans das «Roehrs-Haus», in dem sie Angel- und Jagdausrüstung, Saatgut und andere neue Waren aus Europa verkauften. Hanni, Grete (Margarita) und ich wurden Cocktail-Barkeeper und machten viele mehrstöckige – bis zu sechsstöckige -Hochzeitstorten. Meine Schwester Ella Elise heiratete Professor Karl Schade und zog nach Buenos Aires.

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