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lunes, 13. julio 2020
Inicio Porträt Dr. Steffi Eckhardt - Inhaberin des Diagnosezentrum San Vicente de Paul

Dr. Steffi Eckhardt – Inhaberin des Diagnosezentrum San Vicente de Paul

«Treffsichere Diagnosen, erschwingliche Preise»

Dr. Steffi Eckhardt

Vor knapp vierzig Jahren begannen in der Medizin elektronisch erzeugte Bilder zur Diagnose-Erstellung eine immer wichtigere Rolle zu spielen. Heute wäre die Medizin ohne Magnetresonanztomographie und Ultraschall undenkbar. Dr. Steffi Eckhardt hat diese Entwicklung in Chile von Anfang an miterlebt und an ihr aktiv teilgenommen.

Von Walter Krumbach

Es war im Pariser Louvre-Museum, als Steffi ein Schlüsselerlebnis hatte, das sie bis heute geprägt hat. Damals besuchte sie als Austauschschülerin in Begleitung ihrer deutschen Gastschwester die französische Hauptstadt: «Plötzlich standen wir vor der Mona Lisa. Wir hatten sie für uns ganz allein! Das wäre heutzutage bei den jetzigen Touristenströmen unmöglich.» Diese Tuchfühlung mit Leonardo da Vincis berühmtem Gemälde hinterließ bei der jungen Steffi tiefe Spuren. Sie interessierte sich fortan für Malerei, wovon die Besucher ihres Arbeitszimmers im Diagnosezentrum San Vicente de Paul verschiedene Kostproben sehen können, sobald sie den Raum betreten. Werke italienischer Meister, El Grecos und Albrecht Dürers hängen an den Wänden. Im Gegensatz zu anderen, meist recht kühlen Arztpraxen, verfehlen die Exponate ihre wohltuende Wirkung nicht.

Ebenso geschätzt wie die Malerei ist in Steffis Familie die Musik. Ihr Vater, Miguel Eckhardt (siehe Cóndor-Porträt vom 30. September 2016), ist ein Pianist von Niveau, der an seinem Bechstein-Flügel mit Hingabe Werke von Bach, Mozart und Schubert vorträgt. Steffi hatte als Kind und Jugendliche ebenfalls viele Jahre Klavierunterricht. Diese Pflicht wurde ihr nicht zum Zwang, sondern – ganz im Gegenteil – veranlasste sie kurz vor Schulabschluss zu der Frage, ob sie nicht eine Pianistinnenlaufbahn ergreifen sollte. Schließlich entschied sie sich jedoch, Medizin zu studieren. Heute singt sie im Divertimento-Chor, früher war sie Mitglied des Elternchores der Schweizer Schule. Ihr Sohn lebt übrigens heute in der Schweiz, wo er seinen Beruf als Umweltingenieur ausübt.

Steffis Mutter war eine erfolgreiche Ärztin gewesen. Sie gehörte zu jener Generation, in der Medizinstudentinnen noch eine Ausnahmeerscheinung waren. Das Fachgebiet der Mutter war Kinderheilkunde und in ihrer Laufbahn brachte sie es bis zur Leiterin des Krankenhauses San Borja Arriarán, eine Stelle, die sie bis Mitte der 1970er Jahre innehatte.

Steffis Hauptmotivation zum Medizinstudium war, «eine Laufbahn einzuschlagen, die einen Sinn machte», wie sie meint. «Heute denke ich manchmal darüber nach, wie es gewesen wäre, wenn ich ein etwas leichteres Studium gehabt hätte, weil man der Medizin einen Stempel der Ernsthaftigkeit und der Schwere aufzusetzen pflegt. Andererseits meine ich heute, dass es sich gelohnt hat, den Patienten vieles gegeben zu haben und Leuten zu einer besseren Gesundheit verholfen zu haben.»

Ihr Studium absolvierte sie an der Universidad de Chile Valparaíso, obwohl ihre Familie in Santiago lebte. Steffi hängt heute noch sehr an ihrer Geburtsstadt. «Valparaíso hat einen besonderen Charme und es war damals alles viel einfacher, keiner machte Umstände», stellt sie fest und fügt verschmitzt hinzu: «Wir gingen an den Strand, um zu lernen und nahmen dabei Knochen mit, die man uns in der Anatomie geliehen hatte.»

Steffi Eckhardt ließ sich als Neurologin ausbilden. Als sie unmittelbar danach am Hospital San Juan de Dios arbeitete, bekam sie den Auftrag, den ersten Scanner, der im Krankenhaus zum Einsatz kam, zu betreuen. «Es war ein enormes Monster», erinnert sie sich, «das in der Neuro-Röntgenologie eingesetzt werden sollte». Dieses Fachgebiet war damals, Anfang der 1980er Jahre, noch absolutes Neuland. So kam es, dass die junge Ärztin diesen beruflichen Bereich einschlug. Diagnosen über elektronisch erzeugte Bilder zu erstellen ist ein Medizinfachgebiet, dem seitdem enorme Errungenschaften zu verdanken sind. «Da kam mir die Idee, ein Zentrum zu gründen, das einem möglichst breiten Patientenspektrum Zugang zu einer hochqualitativen Technologie geben könnte», erinnert sie sich. «Das bedeutet Schnelligkeit, treffsichere Diagnosen und zudem erschwingliche Preise».

Das Familienprojekt nahm alsbald Form an. Vater Miguel brachte seine Erfahrung als Finanzsachkundiger mit ein und Steffi steuerte ihre Medizinkenntnisse bei. «Wir fingen vor 30 Jahren mit einem winzig kleinen Projekt an», erinnert sie sich, «und mit der Zeit haben wir uns vergrößert.» Angrenzende Grundstücke mussten erworben, die Infrastruktur vergrößert und die Apparaturen angeschafft werden. Das erste Gerät, das sie einsetzten, war ein Scanner. Andere kamen hinzu, und parallel zu den Apparaturen mussten Steffi Eckhardt und ihre Mitarbeiter mit der sich laufend erneuernden Technologie mithalten. Dieses ständige «Schulbankdrücken» ist heute bekanntlich nicht nur auf dem medizinischen Gebiet ein Muss. Dazu kam in den darauffolgenden Jahren die Magnetresonanztomographie, ein Verfahren, das unter den heutigen Bilddiagnosemöglichkeiten unerlässlich ist. «Diese Geräte erforderten eine viel größere Infrastruktur», unterstreicht Steffi Eckhardt, «weshalb wir genötigt waren, zu wachsen.»

Für die kommenden zehn Jahre wünscht die Ärztin sich, die Qualität halten zu können, womit sie nicht nur die Technik, sondern besonders die Sachkenntnisse der Ärzte meint. Dazu sei «die Säule der Weitsicht vonnöten. Das und unsere Sorge, jeden Patienten so gut wie möglich zu betreuen, ist es, was uns bisher ermöglicht hat, auf dem Markt bestehen zu können. Im Vergleich zu den Großen und den Riesen sind wir ja wie eine kleine Gemüsehandlung…»

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