Mit dem Segelboot auf den Spuren des deutschen Luftfahrtpioniers
Die Crew um Osvaldo Torres aus Deutschland ist am 21. Dezember eingetroffen. Am nächsten Tag hissten sie die Segel und liefen aus – diesmal für elf Tage in Richtung der Gletscher Feuerlands. «Ich freue mich schon sehr darauf», erklärt der Skipper begeistert der Cóndor-Redaktion. Dies ist bereits der zweite Teil des Projekts «100. Jahrestag der Ankunft von Gunther Plüschow in Patagonien».

Osvaldo E. Escobar Torres ist Skipper und Antarktis-Experte. Bereits mit 15 Jahren trat er in die chilenische Marine ein und diente als Leuchtturmwärter und Funker auf Kap Hoorn. Nach einem Tourismusstudium in Punta Arenas begann er seine Karriere als Berufsskipper und Expeditionsleiter. Heute lebt er in Deutschland und führt mit «Polarwind Expeditions» Segel- und Forschungsprojekte in die entlegensten Regionen der Erde – vor allem rund um Feuerland, Kap Hoorn und die Antarktis. Mehr als 100-mal hat er das legendäre Kap Hoorn umrundet und viele seiner Erfahrungen in Büchern, Filmen und Fotos festgehalten.
Wie ist Ihr Interesse an dem Segler, Flugpionier und Abenteurer Gunther Plüschow entstanden?
Mein Interesse an der Expedition von Gunther Plüschow begann im Jahr 1995, als ich in Patagonien ankam und das erste Buch über seine Reise kaufte. Als Segler und tiefgehender Kenner der Kanäle im Süden Chiles hat diese Expedition für mich einen besonders persönlichen Wert.
Wie entstand Ihre Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Gunther Plüschow?
Unsere gemeinsame Arbeit begann, als ich in Ushuaia das Buch «Ikarus Gunther Plüschow. Ein Leben auf drei Kontinenten» des Autors Gerhard Ehlers gekauft und anschließend Kontakt mit dem Freundeskreis aufgenommen hatte. Schon bei unserem ersten Treffen erkannten wir sofort, dass wir die gleichen Interessen teilten. Dies ermöglichte es uns, eine schöne Freundschaft aufzubauen und gemeinsam den Weg zu gehen, eine gemeinsame Geschichte zwischen beiden Nationen – Chile und Deutschland – zu verbreiten.
Wie wird Gunther Plüschows Expedition heute in Chile und Argentinien erinnert und gewürdigt?
Obwohl die Geschichte von Plüschow ihren Ursprung in Deutschland hat, entfaltet sie sich vollständig aus der Perspektive der Seefahrt und der Luftexpedi-
tionen im chilenisch-argentinischen Patagonien.

In Argentinien wird die Expedition bis heute gewürdigt – mit Straßennamen, einer Nachbildung von Plüschows Flugzeug und verschiedenen Gedenkveranstaltungen. Chile hingegen ist in Bezug auf dieses faszinierende historische Kapitel, das seinen Anfang in Punta Arenas nahm und später in der Region Kap Hoorn fortgesetzt wurde, etwas ins Hintertreffen geraten.
Genau dieses Projekt möchte diese Situation in Chile verändern – mit dem Ziel, das 100-jährige Jubiläum dieses historischen Ereignisses in der Region Magallanes bekannt zu machen und zu feiern.
Mit unseren Reportagen, Dokumentarfilmen und Veröffentlichungen hoffen wir, diese Geschichte auch in Deutschland wieder ein Stück lebendig werden zu lassen.
Wie genau soll Ihr aktuelles Projekt aussehen?
Das Projekt selbst hat zum Ziel, die Geschichte von Gunther Plüschow in Chile – insbesondere in der Region Magallanes – weiter zu erforschen. Dazu werden wir umfangreiche Recherchen in verschiedenen regionalen Archiven durchführen und mit unserem Segelboot mehrere Fahrten in dieser Region unternehmen – ganz so, wie es einst Plüschow mit seinem Cutter Feuerland getan hat.

Für dieses Vorhaben begleitet uns eine Gruppe von Seglern aus Deutschland, darunter unser Freund und Plüschow-Biograf Gerhard Ehlers sowie verschiedene Journalistinnen und Journalisten aus Chile und Argentinien, Korrespondenten nautischer Magazine aus Deutschland und Spanien und Fotografen, die uns bei der Erstellung unserer kommenden Publikationen unterstützen werden.
Alle diese Aktivitäten, die bereits mit dem Wissen und der Unterstützung der chilenischen Behörden durchgeführt werden, bilden den Auftakt zur späteren Koordination der Feierlichkeiten zur Ankunft von Gunther Plüschow in Patagonien im Jahr 2027.
Was wollen Sie mit dem Projekt bewirken?
Das Hauptziel des Projekts ist es, eines der Kapitel der gemeinsamen Seefahrtsgeschichte, die wir mit Deutschland teilen, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Expedition von Gunther Plüschow an Bord der Feuerland war für ihre Zeit eine echte nautische Meisterleistung, und seine Überflüge mit dem Silberkondor, bei denen erstmals die Gipfel Patagoniens fotografiert wurden, waren ein Meilenstein in der Luftforschung der Region.
Die vorhandenen Unterlagen und Plüschows Bücher ermöglichen es uns heute, die enormen Schwierigkeiten zu verstehen, die mit der Durchführung dieser Expedition in einem der unwirtlichsten, komplexesten und anspruchsvollsten Seefahrtsgebiete der Welt verbunden waren.
Außerdem werden uns zweifellos die Recherchen ermöglichen, einige der Routen, insbesondere in der Seefahrt nachzuvollziehen, die Plüschow an Bord der Feuerland zurückgelegt hat.



