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Tuesday, 13. January 2026
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Ramón Vinay zum 30. Todestag

Helden waren sein Fachgebiet

Fue uno de los mejores Otelos del siglo XX en la ópera homónima de Giuseppe Verdi. También destacó como cantante wagneriano, siendo uno de los pocos intérpretes de origen latino en representar roles protagónicos en el Festival de Bayreuth.

38 Jahre stand er auf der Bühne, begann als Bariton, sang auch Bassrollen, wechselte zum Tenor, feierte als solcher die größten Erfolge und beendete seine Karriere wieder als Bariton. Ramón Vinays letzter Auftritt erfolgte im September 1969 im Teatro Municipal de Santiago. Er sang den Iago bis zum zweiten Akt in Giuseppe Verdis «Otello». Im dritten und vierten Akt trat er als Otello auf – in seiner Glanzrolle, durch die er weltberühmt geworden war und die er über 250-mal gesungen hatte. Der Schluss der Oper ist Höhepunkt und Ausklang zugleich: Der von Eifersucht gequälte Mohr realisiert, dass er mit seinem Mord an Desdemona eine Unschuldige getötet hat. Er greift zu einem Dolch und sticht auf sich ein. Zeugen der Aufführung berichten, dass Vinay während des letzten Verses «Un bacio ancora. Ah! Un altro bacio.» («Noch ein Kuss. Ah! Ein letzter Kuss») schwerfällig die Stufen vor dem Ehebett hinabsank, unbeweglich liegen blieb und starb, während das Orchester die dunklen Schlussakkorde spielte. Als Vinay mit ernstem Gesichtsausdruck vor den Vorhang trat, schwoll der Applaus zum Orkan an. Der Sänger dankte mit einer langsamen Verbeugung und bekam feuchte Augen.  

Der Chilene Ramón Vinay ließ sich in Mexiko ausbilden, wo er in Donizettis «Favorita» debütierte. Anfang der 1940er Jahre wurde er durch Auftritte in Verdis «Rigoletto» und im Film «Fantasía ranchera» bekannt. 1945 debütierte er an der New Yorker City Center Opera und lernte dort Arturo Toscanini kennen. Mit ihm nahm er den «Otello» auf – eine Einspielung, die bis heute legendär ist und deren Ausdrucksintensität allenfalls von Herbert von Karajans Konkurrenzaufnahme annähernd erreicht wurde.

1952 sang Vinay den Tristan in Bayreuth, 1954 den Tannhäuser, 1953 sowie von 1955 bis 1957 den Parsifal und den Siegmund («Die Walküre»). 1962 übernahm er die Baritonrolle des Telramund im «Lohengrin».

Vinays herausragendes Merkmal war der Klang seiner Stimme. Die typische Farbe mit dem heldischen Timbre prädestinierte ihn für Wagner-Partien. Jorge Dahm meinte, er klinge «wie ein Stier im Todeskampf».

Dass ein Sänger aus dem lateinamerikanischen Sprachraum in Bayreuth Erfolg haben konnte, ist ein Ausnahmefall. Jenes Haus meidet bekanntlich selbst italienische Solisten, weil ihre Aussprache unidiomatisch klingt. Der Bariton Dietrich Fischer-Dieskau, der mit Vinay zeitweise gemeinsam auf der Bühne stand, äußerte hierzu in einem Interview mit dem Musiker und Dokumentarfilmer Bruno Monsaingeon: «Immerhin hatten wir Ramón Vinay, der ja nun kein Deutscher war, sehr wenig Deutsch sprach und der sich komplett hineinversetzt hat in die Lautgebung im Deutschen. Das war sehr erstaunlich. Er hatte zwar eine gute Souffleuse, die in der Kulisse saß und ihm – in Bayreuth kann man das  – die richtigen Vokale zuraunte, so lange flüsterte, bis das einigermaßen in Ordnung war, schon während der Proben, sie war immer da.»

Ramón Vinay starb vor 30 Jahren, am 4. Januar 1996, in Mexiko. Er wurde nach Santiago überführt und im Teatro Municipal aufgebahrt. Nach einer Trauerfeier im Theater fand das Begräbnis in seinem Geburtsort Chillán statt. Er ruht auf dem Cementerio Municipal, ganz in der Nähe, fast Kopf an Kopf, mit einem anderen großen Künstler: dem Pianisten Claudio Arrau.

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