«Die beste Sängerin ohne Stimme»
Fue actriz, cantante y escritora. Hizo carrera en Alemania, en Hollywood y en el Broadway. Sus memorias «Der geschenkte Gaul» («El caballo regalado») fueron traducidas a 17 idiomas y se transformaron en el libro de autor alemán más vendido después de 1945.
Berlin, 1944. Die 19-jährige Hildegard Knef unternimmt ihre ersten Versuche, als Schauspielerin Kontakte zu knüpfen. Die Lage ist hoffnungslos. Eine Rolle zu bekommen ist ebenso schwierig wie ein Brot mit Schinken zu organisieren. Sie gibt nicht auf, beginnt eine Liebesbeziehung mit Ewald von Demandowsky, dem Produktionschef der Tobis Filmkunst GmbH. Sie darf in den Filmen «Unter den Brücken» und «Fahrt ins Glück» auftreten. Als Ende April 1945 die sowjetischen Panzer anrollen, steigt sie in Soldatenkleidung und Stahlhelm auf ein Fahrrad, fährt mit einem Freund ins Ungewisse und gerät mitten ins Trommelfeuer. Verzweifelt robben sie zwischen blutverschmierten Leichen über einen Bahndamm. Kaum scheinen sie gerettet zu sein, fragt er sie: «Wollen wir heiraten?» – «Bist du verrückt?», antwortet Hildegard, «du bist doch verheiratet!»

Plötzlich meldet jemand: «Hitler ist tot, der Krieg ist aus!» Die Nachricht verändert die Lage vollends. Die Flüchtlinge laufen unter dem Getöse der Stalinorgeln und Granaten nun westwärts, in der Hoffnung, die Amerikaner zu erreichen. Sie marschieren wochenlang, sprechen kaum, essen Brotreste, Baumrinde und Gras. Endlich erreichen sie das Haus des berühmten Schauspielers Viktor de Kowa. Hildegard meldet sich an: «Ich komme von Ewald von Demandowsky.» Sie hat Erfolg, wird eingelassen, darf ein warmes Bad nehmen – das erste seit drei Monaten. De Kowa hört interessiert zu, als sie ihre Erlebnisse schildert. Dann sagt er: «Potzblitz, ich werde Sie Mechthild nennen, ich finde, Mechthild passt zu Ihnen.» Das Ehepaar de Kowa behandelt sie, als gehöre sie zur Familie. Am nächsten Morgen, während des Frühstücks, meint de Kowa: «Mechthild darf den Garten nicht betreten. Es wäre nicht gut, wenn die Russen sie sähen.»
Karrierestart mit Kabarett, Theater und Film
Nach dem Krieg kehrt Knef nach Berlin zurück und sucht ihre Bekannten auf. Demandowsky ist von den Sowjets vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen worden. Sie erhält Rollen im Kabarett und im Theater. Der Regisseur Wolfgang Staudte ist von ihrer Leistung beeindruckt und engagiert sie für den ersten deutschen Nachkriegsfilm «Die Mörder sind unter uns». Die Handlung spielt vor echten Trümmerkulissen, es geht um Vergangenheitsbewältigung, Schuldgefühle und Selbstkritik. Staudte hatte nämlich Jahre zuvor im Propagandafilm «Jud Süß» mitgewirkt. Mitte Oktober 1946 wird der Streifen im Admiralspalast – im sowjetischen Sektor Berlins – uraufgeführt und erhält gute Kritiken. Hildegard Knef wird international bekannt.
Knapp zwei Jahre später spielt sie in der Trümmerproduktion «Film ohne Titel» mit und erhält dafür bei dem Locarno Film Festival den Preis als beste Darstellerin. Die soeben gegründete Illustrierte «Stern» setzt ihr Bildnis auf das Titelblatt der ersten Ausgabe und in den USA erscheint in der Zeitschrift «Life» ein mehrseitiger Fotobericht über Knef.
In Hollywood wird der Produzent David O. Selznick auf sie aufmerksam und lädt sie ein, für ihn zu arbeiten. Sie reist an und unterschreibt einen Sieben-Jahres-Vertrag. Eigenartigerweise erhält sie keine Rollen, aber regelmäßig ein fabelhaftes Gehalt. Bald stellt die junge Deutsche jedoch fest, dass es mit Selznicks Firma abwärts geht. Sie hat Glück im Unglück: Willi Forst bietet ihr die Hauptrolle in «Die Sünderin» an. In einer Zeit, in der das Kinopublikum leichte Unterhaltung und Ablenkung haben will, Heimat- und Liebesfilme großen Zulauf haben, produziert Forst einen Streifen, in dem so unerwünschte Themen wie Prostitution und Freitod behandelt werden. Dazu hat die attraktive Hauptdarstellerin eine kurze Nacktszene. Die katholische Kirche protestiert, vor den Kinos wird demonstriert, es kommt zu Aufführungsverboten und zu Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht und dem Bundesgerichtshof. Unterdessen sehen sich sieben Millionen Menschen den Film an. «Die Sünderin» ist sowohl als Erfolg als auch als Skandal einzigartig.

Krach mit der MGM
Hildegard Knef wird die Aufregung um sie zu viel, sie reist wieder nach Hollywood und dreht für die 20th Century Fox sowie in England, Frankreich und Deutschland einige Filme. Im Jahr 1955 singt sie am Broadway in Cole Porters «Silk Stockings» die Hauptrolle. Zwei Jahre später kommt es zum Krach, als Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) die Filmrechte des Musicals erwirbt, Knef in der Hauptrolle haben will, die Fox sie jedoch nicht freigibt. Die Schauspielerin bricht den Vertrag, beendet ihre Karriere in den USA und kehrt nach Deutschland zurück.
In ihrer Heimat tritt sie in verschiedenen Filmen unterschiedlicher Qualität auf, macht Schallplattenaufnahmen. Knefs rauchige Stimme und ihr bewusst ungekünstelter Vortrag veranlassen Ella Fitzgerald, sie als «beste Sängerin ohne Stimme» zu etikettieren.
Im Jahr 1970 gibt Knef ihr autobiografisches Buch «Der geschenkte Gaul» heraus. In betont lässigem Ton erzählt sie aus ihrer Kindheit und Jugend, schildert in allen Einzelheiten ihre Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs und verzichtet auf jegliches Selbstmitleid bei der Beschreibung ihrer nervenaufreibenden Tätigkeit am Broadway. Das Buch erreicht den ersten Platz unter den Bestsellern und wird in 17 Sprachen übersetzt.
Sie ist bis ins hohe Alter aktiv. Trotz gesundheitlicher Gebrechen gibt die Kämpfernatur nicht auf. Kurz nach ihrem letzten Auftritt in einer Fernsehshow erliegt die 76-Jährige am 1. Februar 2002 einer Lungenentzündung.



