Interview mit Daniel Wöhlke
El Colegio Alemán de Frutillar fue fundado el 6 de enero de 1906 gracias al compromiso de familias alemanas que se habían establecido en esta región del sur de Chile. Desde entonces, forma parte de las instituciones chileno-alemanes más importantes de la zona. Daniel Wöhlke, presidente de la Corporación Deutsche Schule Frutillar, habla en la entrevista para el Cóndor sobre la importancia de la cultura y las tradiciones alemanas, así como sobre lo que caracteriza al colegio en la actualidad.

Die Deutsche Schule Frutillar feiert am 6. Januar ihr 120-jähriges Bestehen. Wie würden Sie die heutige Schule beschreiben?
Heute besuchen rund 360 Schülerinnen und Schüler die Deutsche Schule Frutillar. 65 Lehrkräfte sowie ein Team von Fachkräften setzen sich für die Institution ein, die sich einem ganzheitlichen Bildungsansatz verpflichtet fühlt. Rund ein Drittel der gesamten Infrastruktur ist modernisiert und umfasst Klassenräume, einen multisensorischen Raum, eine Bibliothek, eine Turnhalle, Sportanlagen, Musik- und Kunsträume sowie Bereiche für kulturelle Aktivitäten. All dies spiegelt unser historisches Profil und die Bedeutung wider, die wir der ganzheitlichen Bildung beimessen!

Welche Bedeutung haben heute die deutsche Sprache und die deutschen Traditionen an Ihrer Schule? Hat sich die Rolle der deutschen Kultur im Laufe der Jahre verändert?
Die deutsche Sprache und unsere Traditionen sind weiterhin ein wesentlicher Teil unserer Identität und eines unserer wichtigsten Merkmale. In diesem Jahr wurde entschieden, unsere Schule in ihrer akademischen Ausrichtung stärker an den Leitlinien der deutschen Schulen auszurichten – mit dem Ziel, unsere Gemeinschaft zu stärken und gleichzeitig anzuerkennen, dass sie im Laufe der Jahre vielfältiger geworden ist. Heute hat nur noch ein Teil unserer Schülerinnen und Schüler einen familiären deutschen Hintergrund. Dennoch bleiben Sprache und kulturelle Werte von zentraler Bedeutung.

Im Laufe der Zeit hat sich die Rolle der deutschen Kultur von einem stärker traditionsorientierten Ansatz hin zu einer modernen, inklusiven und bildungsorientierten Interpretation entwickelt. Unser Ziel ist es nicht mehr allein, ein bestimmtes Erbe zu bewahren, sondern eine moderne, weltoffene Kultur zu vermitteln. Die Förderung der deutschen Sprache in Chile bleibt zentral, da sie akademische und berufliche Türen öffnet, internationale Mobilität begünstigt und kritisches Denken sowie kognitive Flexibilität stärkt. Der Erwerb einer Sprache und Kultur mit so viel Geschichte und aktueller Relevanz erweitert den Horizont unserer Schülerinnen und Schüler.

Seit 2018 konzentriert sich der zweisprachige Unterricht auf folgende Schwerpunkte: die Entwicklung realer kommunikativer Kompetenzen in Deutsch, die Förderung interkulturellen Denkens, die Verbindung der Sprache mit akademischen Fächern und die Vorbereitung auf internationale Zertifizierungen sowie Chancen in Deutschland.
Ab 2026 werden wir ein Schüleraustauschprogramm über den Deutsch-Chilenischen Bund anbieten. Ziel ist es, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur die Sprache anwenden, sondern die deutsche Kultur unmittelbar erleben und dabei ihre Selbstständigkeit, Verantwortungsfähigkeit und Offenheit für neue Lebensrealitäten stärken.
Gibt es Kooperationen mit Institutionen oder Organisationen in Frutillar oder der Region?
Ja. Die lokale Zusammenarbeit ist Teil unseres Profils. Wir arbeiten aktiv mit kulturellen, sportlichen und sozialen Einrichtungen in Frutillar zusammen, insbesondere im Bereich Musik und Kunst, die für unsere Stadt prägend sind. Diese Partnerschaften bereichern das Lernen und verbinden unsere Schülerinnen und Schüler mit ihrem Umfeld.
Welche Rolle spielt das akademische Niveau in der Identität und Mission der Schule?

Die akademische Exzellenz ist einer unserer Grundpfeiler. Wir verstehen sie nicht als Wettbewerb, sondern als Qualitätsstandard, der Disziplin und Engagement für das Lernen voraussetzt. Wir möchten, dass jede Schülerin und jeder Schüler ihr beziehungsweise sein Potenzial voll entfalten und sich sicher auf ein Hochschulstudium vorbereiten kann.
Wie balancieren Sie einen akademischen Anspruch mit einer ganzheitlichen Bildung?
Wir sind überzeugt, dass beide Aspekte untrennbar miteinander verbunden sind. Eine gute Schülerin oder ein guter Schüler ist nicht nur jemand mit guten Noten, sondern jemand, der sozial-emotionale Kompetenzen, kritisches Denken, Kreativität, Teamfähigkeit und ein ethisches Bewusstsein entwickelt. Daher fördern wir sportliche, kulturelle, musikalische und sozial-emotionale Aktivitäten, die das Curriculum ergänzen.
Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um langfristig ein hohes akademisches Niveau zu gewährleisten?
In diesem Jahr bestand eine unserer wichtigsten Aufgaben darin, klare und kohärente Leitlinien festzulegen, die den Standards der deutschen Schulen in Chile entsprechen. Dazu gehören: Institutionelle und curriculare Strukturierung, Stärkung von Leitungs- und Lehrkräften, systematische Evaluations- und Diagnoseprozesse, größere Klarheit über akademische Erwartungen und die kontinuierliche Fortbildung des Lehrpersonals.

All dies soll sicherstellen, dass unser akademisches Konzept solide und nachhaltig ist.
In welchen Bereichen hat das neue Konzept bereits sichtbare Veränderungen bewirkt?
Wir haben Fortschritte bei der Wiederbelebung unserer historischen Merkmale erzielt: kulturelle Identität, ganzheitliche Bildung, Disziplin, akademische Strenge sowie Musik und Sport. Außerdem ist eine stärkere Beteiligung der Familien, eine gefestigtere Gemeinschaft und klarere, transparentere interne Prozesse zu beobachten.
Die pädagogische Planung, die Begleitung der Lehrkräfte und die Klarheit von Regeln und Prozessen wurden gestärkt. Dennoch stehen wir weiterhin vor Herausforderungen: die vollständige Konsolidierung der institutionellen Ordnung, der weitere Vertrauensaufbau innerhalb der Gemeinschaft sowie die Modernisierung organisatorischer Aspekte, um neuen Bildungsbedürfnissen gerecht zu werden.
Welche Werte sind der Schule heute besonders wichtig?
Wir betonen: Respekt, Verantwortung, Disziplin, Empathie, Inklusivität, kulturelle Identität, Exzellenz, Weltoffenheit und Zusammenarbeit. Dies sind Werte, die unser tägliches Handeln leiten.
Sie spiegeln sich im schulischen Miteinander, im Unterricht, in der Art und Weise, wie Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte miteinander umgehen, in unseren Disziplinregeln sowie im Stellenwert des akademischen Engagements wider. Wir möchten, dass die Werte nicht nur formuliert, sondern auch gelebt werden.
Auch Respekt, Empathie und interkulturelle Offenheit sind grundlegend. Wir bilden Schülerinnen und Schüler dazu aus, mit Vielfalt umzugehen, zu dialogisieren, zuzuhören und unterschiedliche Perspektiven zu verstehen. Das Lernen der deutschen Sprache und Kultur verstärkt diese globale Sichtweise.
Wie fördern Sie Motivation, Lernfreude und Neugier?
Jene Aspekte werden folgendermaßen gefördert: Projekte, künstlerische und sportliche Aktivitäten, anspruchsvolle und motivierende Lernumgebungen, engagierte und qualifizierte Lehrkräfte, Verbindungen zu Kultur sowie Musik und Wissenschaft.
Wir möchten, dass Lernen eine motivierende Erfahrung ist – keine Pflicht.
Welche Zukunft wünschen Sie sich für die Schule in den nächsten Jahren?
Ich wünsche mir eine Schule, die ihrer Geschichte treu bleibt, sich jedoch mit Innovation, Exzellenz und Gemeinschaftssinn weiterentwickelt. Eine Schule, die weiterhin ein Referenzpunkt für den Deutschunterricht, die ganzheitliche Bildung und die kulturelle Entwicklung unserer Region ist. Und vor allem eine starke, vereinte Gemeinschaft, die stolz auf ihre Identität ist – so wie es seit fast 120 Jahren der Fall ist..
Die Fragen stellte Silvia Kählert.
Vermächtnis engagierter Persönlichkeiten

Am 6. Januar 1906 nahm das Deutsche Institut Frutillar seine Arbeit als Deutsche Schule Frutillar auf. Die Gründung der Schule wurde durch ein großzügiges Vermächtnis des erfolgreichen Unternehmers Carlos Richter Schultz ermöglicht, der ausdrücklich Geld für den Bau einer privaten deutschen Schule hinterließ. Ausschlaggebend war zudem die Unterstützung des Gesandten des Deutschen Kaiserreichs, Herrn von Reichenau, der die Siedler nachdrücklich ermutigte, dieses bedeutende Projekt zu realisieren. Das Grundstück stellte Bernardo Richter Held zur Verfügung, die Eltern spendeten Holz, Baumaterialien und Arbeitskraft. Die neue Schulgemeinschaft wählte Adolfo Richter Held zum ersten Vorsitzenden des Direktoriums.
Gleichzeitig trat der vielseitige Lehrer Jakob Junginger, der auf Initiative des Deutschen Clubs Frutillar engagiert worden war, nach acht Jahren intensiver Tätigkeit an der öffentlichen Schule von Frutillar zurück, um sich vollständig der neuen Bildungseinrichtung zu widmen.
Eine Bronzetafel am Haupteingang erinnert an die Gründer, die der Stadt Frutillar eine Schule schenken wollten, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die kulturellen Wurzeln deutscher Herkunft der ansässigen Bevölkerung bewahrt.
Ein weiterer Meilenstein folgte 2003: Mit der Einführung der Oberstufe (Enseñanza Media) setzte das Deutsche Institut einen entscheidenden Entwicklungsschritt und zeigte, welche Möglichkeiten an der DS Frutillar bestehen, um junge Talente zu fördern.



