Wie nachhaltig ist die Mobilfunkbranche?

Umweltproblem Smartphone

Umweltproblem Smartphone
Zuschauer fotografieren mit ihren Smartphones auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona (Spanien) während der Präsentation des neuen Smartphones G6 von LG. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Wie fair und nachhaltig können Smartphones sein? Welche Verantwortung haben die großen Konzerne? Oder der einzelne Nutzer, der stets nach dem neuesten Produkt lechzt?

Barcelona (dpa) – Es ist eine große Inszenierung. Auf der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona werden auf gigantischen Shows die allerneusten Smartphones und Tablets präsentiert. Der Markt ist ein Milliardengeschäft, die Konzerne liefern sich einen harten Kampf um die Kunden. Was bei all dem Spektakel schnell übersehen wird: Es ist ein Geschäft, das oft zu Lasten der Umwelt geht. «Die Hersteller verursachen mit ihren kurzlebigen Geräten und unnötig schnellen Produktzyklen massive Umweltschäden und katastrophale Arbeitsbedingungen», sagt Manfred Santen, Elektronik-Experte von Greenpeace, auf dem Mobile World Congress.

Seit Einführung des ersten iPhones vor zehn Jahren wurden laut Marktforschern über sieben Milliarden Smartphones produziert, viele von ihnen sind längst Elektroschrott. Santen appelliert an Samsung, Apple, Huawei und Co, Produkte künftig so zu bauen, dass Schäden leichter behoben und Module besser ausgetauscht werden können. Denn: «Jedes reparierte Smartphone schont Ressourcen.»

Was macht die Produktion so problematisch? Für die Herstellung werden wertvolle Edelmetalle und sogenannte Seltene Erden benötigt, die mittels gesundheitsschädigender Chemikalien gefördert werden. Auch fügt die Jagd nach immer größeren Rohstoffmengen der Natur massiven Schaden zu und kann dazu führen, dass manche Ressourcen schon bald erschöpft sind.

Hinzu komme der massive Energieaufwand: In den vergangenen zehn Jahren verschlang die Smartphone-Produktion laut Greenpeace weltweit 968 Terawattstunden Strom, das entspreche der kompletten jährlichen Energieversorgung Indiens. «Angesichts dessen sollte man sich wirklich Gedanken darüber machen, ob man einen Vertrag braucht, der einem jedes Jahr ein neues Handy beschert», meint Santen.

Einen nachhaltigen Ansatz verfolgen Unternehmen wie Puzzlephone oder Fairphone: «Im Kongo riskieren Menschen ihr Leben in Minen, um Mineralien zu gewinnen, damit die Nutzer immer neuere und dünnere Smartphones bekommen», sagte Fairphone-Gründer Bas van Abel. «Wir haben uns gefragt: Wie macht man ein Smartphone, mit dem man etwas verändern kann?» So produziert das Unternehmen Geräte, deren Module austauschbar sind und die recht einfach repariert werden können.

Würde die Nutzungsdauer auf fünf Jahre erhöht, könnte der Einfluss auf die globale Erwärmung dank des eingesparten Kohlendioxids um 30 Prozent reduziert werden. Fast alle Geräte sind jedoch deutlich kürzer im Einsatz. Was an den Konzernen liegt, aber auch an den Kunden, die den neusten Trends hinterherjagen. Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Bitkom haben nur zwölf Prozent der Deutschen ein Smartphone, das älter ist als zwei Jahre. Bei knapp einem Viertel ist es ein bis zwei Jahre alt. 63 Prozent besitzen ein Modell, das nicht älter als ein Jahr ist.

Ein weiteres Problem ist das Recycling. «Unternehmen müssen verpflichtet werden, kaputte Smartphones bedingungslos zurückzunehmen und wiederzuverwerten», meint Greenpeace-Mann Santen. Denn die Last elektronischer Abfälle ist enorm. Laut der Universität der Vereinten Nationen fielen in Deutschland bereits 2014 pro Kopf 21,6 Kilo Elektroschrott an, in den USA waren es 22,1 Kilo. Falsch entsorgt, entsteht ein enormer Schaden für die Natur.

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