Smart Energy Concepts fördert Energieeffizienz in Chile

60 Betriebe der Agrar- und Lebensmittelindustrie sollen Emissionen senken

Beim Anbau von Weintrauben hat sich gezeigt, dass das Abdecken mit Plastikfolien im Jahr bis zu 20 Prozent der Kosten für mit Dieselstrom betriebene konventionelle Bewässerungssysteme einsparen kann. Foto: Camchal
Beim Anbau von Weintrauben hat sich gezeigt, dass das Abdecken mit Plastikfolien im Jahr bis zu 20 Prozent der Kosten für mit Dieselstrom betriebene konventionelle Bewässerungssysteme einsparen kann. Foto: Camchal

 

Während sich Politiker auf der Weltbühne um den Ausstieg Trumps aus dem Pariser Klimaabkommen rangeln, arbeiten zwei junge Deutsche an konkreten Emissionssenkungen in der chilenischen Agrar- und Lebensmittelindustrie. Das Projekt Smart Energy Concepts führt sie in Kuhställe, Brauereien und Weinkeller.

 

Smart Energy Concepts ist ein Projekt der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer, das mit Mitteln der Internationalen Klimaschutz-Initiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) finanziert wird. Dabei geht es um Energieeffizienz-Maßnahmen in der Agrar- und Lebensmittelindustrie, einer der wichtigsten Produktionszweige des Landes. Chilenischer Projektpartner ist die Energieeffizienzagentur AChEE.   

Das deutsche Umweltministerium hat dem Projekt ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben: 60 chilenische Betriebe des Agrar- und Lebensmittelsektors sollen ihren Ausstoß an Treibhausgasen um fünf Prozent senken. Das zu messen wird in der Praxis schwer werden, da viele Produzenten nicht einmal wissen, wie viel Energie sie verbrauchen. Doch Projektleiterin Annika Schüttler kann das nicht aus der Ruhe bringen: Die bisherigen Ergebnisse des Vorhabens, das von 2015 bis 2019 läuft, können sich sehen lassen.

Wenn Betriebe neben anderen Energieeffizienzmaßnahmen auch noch den Strom selbst mit Solaranlagen erzeugen, wird die CO2-Einsparung umso höher.
Wenn Betriebe neben anderen Energieeffizienzmaßnahmen auch noch den Strom selbst mit Solaranlagen erzeugen, wird die CO2-Einsparung umso höher. Foto: Camchal

Die Politkwissenschaftlerin arbeitet zusammen mit Iris Wunderlich, Wirtschaftswissenschaftlerin, daran, eine Pipeline an Projekten von Firmen zusammenzustellen, die Energieeffizienzmaßnahmen durchführen wollen. Dazu steht ein Fonds zur Verfügung, mit dem Machbarkeitsstudien kofinanziert werden können. Derzeit befinden sich 17 Projekte in der Evaluierungsphase. «Wir finanzieren nur Studien, wenn wir sicher sind, dass die geplanten Vorhaben auch durchgeführt werden», erläutert Annika Schüttler. Die erste Firma, die es geschafft hat, das IKI-Team davon zu überzeugen, ist das Weingut Las Veletas in San Javier, Region Maule.

Firmeninhaber Raúl Dell ‘Oro Crespo hat vor, das Bewässerungssystem des 210 Hektar großen Weingutes durch den Einsatz von hocheffizienten Motoren und Frequenzumrichtern zu modernisieren sowie zudem den Strom selbst mittels einer Fotovoltaikanlage zu produzieren. Damit würde das Weingut 45 Prozent seiner derzeitigen CO2-Emissionen einsparen.

«Viele Unternehmer verstehen natürlich, dass Energie ein Kostenfaktor ist, den man managen kann. Nur – dazu muss man Messungen durchführen. Das Problem ist, dass viele kleine und mittelständischen Unternehmen nicht die nötigen Informationen über ihre Prozesse haben», so Annika Schüttler. Das Projekt sieht deshalb auch den Know-how- und Technologietransfer aus Europa vor. Nachdem 2016 ein Experte mit Brauereien in der Region Los Ríos gearbeitet hat, kamen in diesem Jahr Gewächshaus- und Milchwirtschaftsfachleute in Magallanes und in Osorno zum Einsatz.

«Wir laden Leute aus der Praxis ein. Josef Pellmeyer war Präsident des Deutschen Biogas-Verbandes und führt selbst einen Milch- und Ackerbaubetrieb. Er ist jemand, der einen Schraubenzieher in die Hand nimmt und sagt: ‘Bei mir auf dem Hof machen wir das so´», erkärt Iris Wunderlich. Um das Fachwissen vor Ort zu stärken, ist zudem ein Train-the-Trainer-Kurs durchgeführt worden, bei dem 18 Mitarbeiter von Unternehmen aus der Agrar- und Lebensmittelbranche sowie Consultants für Energieeffizienz in der sogenannten Green-Foods-Methode ausgebildet wurden, die in Österreich entwickelt worden ist.

Die Projektleiterin Annika Schüttler (rechts) und ihre Kollegin Iris Wunderlich sind überall auf dem Land unterwegs, wo Energieeffizienzmaßnahmen angewandt werden können – auch im Kuhstall. Das Erlebnis war ein Selfie wert. Foto: Camchal
Die Projektleiterin Annika Schüttler (rechts) und ihre Kollegin Iris Wunderlich sind überall auf dem Land unterwegs, wo Energieeffizienzmaßnahmen angewandt werden können – auch im Kuhstall. Das Erlebnis war ein Selfie wert. Foto: Camchal

Eine weitere Strategie des Projektes ist es, Informationen zu sammeln und den Unternehmen zur Verfügung zu stellen. So sind aus 135 Studien in der Branche die Initiativen herausgearbeitet worden, die als Best-Practice-Beispiele für die jeweiligen Industriezweige gelten. «Die Unternehmer sollen Anregungen bekommen, sich untereinander austauschen und Netzwerke bilden. Wir wollen auch zeigen, dass Energieeffizenzmaßnahmen eine relativ schnelle Amortisationszeit haben, im Durchschnitt zwei bis drei Jahre», erklärt Wunderlich.

Die Spannbreite der Möglichkeiten, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten, ist groß. Das fängt schon mit der Reinigung und permanenten Instandthaltung der Installationen an. Bei allem, was mit Dampf zu tun hat, geht es darum, die Ventile auszutauschen. Bei Weintrauben hat sich gezeigt, dass das Abdecken mit Plastikfolien im Jahr bis zu 20 Prozent der Kosten für mit Dieselstrom betriebene konventionelle Bewässerungssysteme einsparen kann. Wenn dazu noch erneuerbare Energien wie zum Beispiel Solarenergie eingesetzt werden, wird die CO2-Reduzierung umso höher. 

Das Interesse der Branche ist längst geweckt – von Juanito Pérez bis Agrosuper, wie Annika Schüttler anschaulich verdeutlicht. So werden sie und Iris Wunderlich mit zwei Gruppen im September und Oktober auf Technologiemission nach Deutschland gehen. Auf dem Programm stehen unter anderem der Besuch der Messen Drinktec und der Nahrungs- und Genussmittelausstellung Anuga.

Internationale Klimaschutzinitiatve (IKI)

Deutschland zahlt Milliarden für den Klimaschutz

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) finanziert seit 2008 Klima- und Biodiversitätsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie in Transformationsstaaten. Der Initiative stehen jährlich mindestens 120 Millionen Euro zur Verfügung.

In den ersten Jahren wurde die IKI aus den Versteigerungserlösen des Emissionshandels finanziert, mittlerweile stammen die Mittel aus dem Haushalt des Umweltministeriums. Die IKI ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Klimafinanzierung und der Finanzzusagen im Rahmen der Biodiversitätskonvention. Sie konzentriert sich u.a. auf die Minderung von Treibhausgasemissionen. Zwischen Anfang 2015 und Juni 2017 hat das Ministerium Projekte für rund 1,064 Milliarden Euro auf den Weg gebracht.

Weltweit gibt es derzeit 517 IKI-Projekte. In Mittel- und Südamerika sind 124 Initiativen registriert, davon 17 in Chile. Damit leistet Deutschland einen Beitrag zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommen von 2015, das eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 C, möglichst 1,5 C, im Vergleich zu vorindustriellen Levels vorsieht. 145 Länder haben das Abkommen ratifiziert, Chile im April 2017.

Quellen: Programmbüro Internationale Klimaschutzinitiative und www.bmub.de, (Stand Mai 2017).

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