Rohstoffpartner auf Schatzsuche

Die diesjährigen Deutsch-Chilenischen Wirtschaftstage am 15. und 16. Oktober im Kongresszentrum Casa Piedra in Santiago hatten den Bergbau zum zentralen Thema. Und das aus gutem Grund: Weltweit sucht die Bundesrepublik derzeit Rohstoffpartner, um die Versorgung der deutschen Industrie zu sichern.

Luis Ignacio Silva und Hans-Joachim Kümpel unterzeichnen die Kooperation zwischen Sernageomin und BGR. Dahinter: Jorge O´Ryan Schütz, Chiles Botschafter in Deutschland, Cornelia Sonnenberg, Camchal-Geschäftsführerin, Hernán Solminihac, Hans Henning Blomeyer-Bartenstein, Dr. Bernhard Heitzer und Roberto Hahn, Camchal-Präsident.

Chile liege zwar 12.000 Kilometer entfernt von Deutschland, erklärte Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Bernhard Heitzer, der die lange Reise extra für die Wirtschaftstage auf sich genommen hatte. Doch seien beide Länder eng miteinander verbunden. Der deutsche Gast war mit einer Delegation ins rohstoffreiche Chile gekommen und interessierte sich hier besonders für einen Sektor: die Bergbauindustrie.

Bereits im Juli hatte der deutsche Botschafter Hans Henning Blomeyer-Bartenstein gemeinsam mit dem chilenischen Bergbaustaatssekretär Francisco Orrego das deutsch-chilenische Rohstoffforum eröffnet, das nun innerhalb der Wirtschaftstage ein zweites Mal stattfand – mit sehr konkreten Ergebnissen und Projekten, wie der Botschafter auf einem Empfang im Club de la Unión betonte.

Staatssekretär Bernhard Heitzer wiederum traf bei seinem Besuch mit dem chilenischen Bergbauminister Hernán de Solminihac, Wirtschaftsminister Félix de Vicente, Energieminister Jorge Bunster, dem Präsidenten der Deutsch-Chilenischen Handelskammer (Camchal), Roberto Hahn, sowie dem Direktoriumsmitglied des chilenischen Bergbauverbandes, David Baril, zusammen. So viel Engagement ist natürlich kein Zufall.

Deutschland als wichtige Industrienation zählt laut Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu den größten Rohstoffkonsumenten der Welt. Während Massenrohstoffe wie Kies, Sand und Ton noch aus eigenen heimischen Lagerstätten gewonnen werden, müssen Industriemineralien, Seltene Erden und fossile Rohstoffe vollständig importiert werden. Damit steigt das Risiko von gefährlichen Abhängigkeiten. Es besteht aber auch die Sorge, dass China das Rennen um die Vorräte macht.

Zur Sicherung der Rohstoffversorgung hat die Bundesregierung im Jahr 2007 eine sogenannte Rohstoffstrategie ins Leben gerufen. Ein Instrument zur Diversifizierung von Lieferquellen sind dabei bilaterale Rohstoffpartnerschaften, die bisher mit der Mongolei 2011, Kasachstan 2012 und Chile 2013 abgeschlossen wurden. Mit Peru laufen bereits Verhandlungen, entsprechende Kooperationen könnten auch mit Sambia, Südafrika und Namibia sowie Afghanistan vereinbart werden. Rohstoffpartnerschaften dienen als Plattformen für Firmen sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Zeitgleich hat die Bundesregierung Anfang dieses Jahres ein Explorationsförderprogramm für kritische Rohstoffe aufgelegt.

Chile ist in dieser Hinsicht für Deutschland doppelt interessant. Zum einen ist das Land Weltmarktführer in der Kupferproduktion – etwa 40 Prozent der globalen Reserven schlummern hier in den Anden – und zählt auch bei Lithium, Molybdän, Nitraten und Jod zu den Top 3 der Produktionsländer.

Zum anderen weist das Land sehr gute makroökonomische und politisch stabile Rahmenbedingungen auf. Für die Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan musste sich die Regierung in Berlin herbe Kritik von der Opposition gefallen lassen. Menschenrechtsgruppen werfen dem Reich am Kaspischen Meer schwere Verfehlungen vor. Und auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte erst kürzlich, dass der Abbau und Handel mit Mineralien aus Konfliktregionen transparent, ökologisch und verantwortungsvoll über die Bühne laufen müsse.

Dass Chile im Gegenzug auch etwas von deutscher Seite erwarten darf, machte Wolfgang Wolf, Leiter vom BDI-Landesverband Baden-Württemberg, in seiner Rede vor den Gästen in der Casa Piedra deutlich. Deutschland sei weltweit führend in Sachen Industrietechnologie und setze zudem auf Ressourcen-Effizienz sowie Nachhaltigkeit. «Lassen Sie uns also zusammen arbeiten.» David Baril vom nationalen Bergbauverband bezeichnete den chilenischen Markt als einen «fruchtbaren Boden» für Investitionen der deutschen Industrie. Bernhard Heitzer wiederum lobte Chile als ein «Musterbeispiel einer stabilen Demokratie» mit offenen Märkten, auf denen die Aussichten für Unternehmen weiterhin glänzend seien. «Unsere Länder begegnen sich auf gleicher Augenhöhe.»

Nachdem die Wirtschaftstage 2010 und 2011 in Chile und im vergangenen Jahr in Essen stattgefunden hatten, war es nun bereits die vierte Auflage dieser Veranstaltungsreihe. Das Motto in diesem Jahr lautete «Innovation, Produktivität und Nachhaltigkeit im Bergbau – ein neuer Blick in die Zukunft». Organisatoren der Wirtschaftstage sind die Camchal und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Zu den Expertenvorträgen sowie Podiumsdiskussionen bezüglich Sekundärbergbau, Technologietransfer, Arbeitssicherheit, Humankapital, Wasser- und Energieeffizienz kamen laut Camchal-Angaben 1.500 Besucher.

Beim Treffen unterzeichneten Luis Ignacio Silva vom Nationalen Geologischen- und Bergbaudienst (Sernageomin) und Professor Dr. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), eine Absichtserklärung zur Kooperation bei der Potenzialbewertung von Lagerstätten und Bergbaurückständen. Die BGR hatte sich zuvor in Antofagasta am «International Biohydrometallurgy Symposium» beteiligt. Bei dieser Tagung mit 200 Vertretern aus 34 Ländern ging es um Biomining-Verfahren, bei dem Erze mittels pflanzlicher oder bakterieller Organismen extrahiert werden.

 

Arne Dettmann

 

Fotolectura:

 

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