Chiles Bergbau setzt auf Lithium

Sinkende Erträge aus Kupferproduktion zwingen zur Umorientierung

Chile ist nicht nur bedeutender Kupferproduzent, sondern nimmt auch bei Jod, Rhenium und Nitraten eine führende Stellung ein. Salz ist ein weiteres wichtiges Exportprodukt. Die Hoffnungen ruhen nun aber auch auf Lithium (Foto).
Chile ist nicht nur bedeutender Kupferproduzent, sondern nimmt auch bei Jod, Rhenium und Nitraten eine führende Stellung ein. Salz ist ein weiteres wichtiges Exportprodukt. Die Hoffnungen ruhen nun aber auch auf Lithium (Foto).

 

Keine goldenen Zeiten für Chiles Kupferbergbau: Sinkende Erträge und Preise zwingen zu mehr Effizienz. Die Abhängigkeit vom roten Metall soll durch eine verstärkte Lithium-Förderung kompensiert werden.

 

Von Arne Dettmann

Welche Bedeutung der chilenische Kupferbergbau noch immer innerhalb der heimischen Wirtschaft inne hat, zeigte jüngst der Streik in einer der größten Minen weltweit. Ganze 43 Tage lang legten die Kumpel ihre Arbeit in der Minera Escondida nieder – es war der längste Konflikt im chilenischen Bergbau. Den Verlust wird nicht nur der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP Billiton und die multinationale Gesellschaft Rio Tinto als Betreiber zu spüren bekommen. Laut Schätzungen dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten drei Monaten des Jahres um 0,3 Prozent aufgrund des Produktionsausfalls zurückgegangen sein.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Bilanz insgesamt im vergangenen Jahr nicht gerade rosig aussah. Niedrige Rohstoffpreise auf den Märkten, eine geringere Kupferkonzentration im Gestein sowie aufgeschobene Investitionen führten zu einem Förderrückgang von minus 3,8 Prozent im Vergleich zu 2015. Das war somit die größte Einbuße seit der internationalen Finanzkrise 2008.

Keine Frage: Mit mehr als 5,5 Milliarden Tonnen Kupfer ist Chile immer noch der größte Kupferproduzent der Welt. China als Ranglisten-Zweiter kommt weit dahinter auf 1,76 Milliarden Tonnen, Nachbarstaat Peru auf 1,38 Milliarden. Gemäß der chilenischen Kupferkommission (Cochilco) sank jedoch Chiles Anteil am weltweiten Kupferhandel auf 26,9 Prozent – dem niedrigsten Wert seit 18 Jahren. Peru konnte dagegen ordentlich aufholen.

Branchenexperten wie der ehemalige Staatssekretär im Bergbauministerium, Francisco Ortega, machen eine verkehrte Politik Chiles für diesen Verlust verantwortlich. Die aktuelle Regierung habe sich zu sehr auf den staatlichen Kupferkonzern Codelco konzentriert und private Firmen vernachlässigt. «Der chilenische Bergbau ist aber viel mehr als nur Codelco.» Zudem habe es Peru besser verstanden, ausländische Investitionen anzuziehen. Wenn Chile also weiterhin seine internationale Führungsrolle beim Kupfer beibehalten wolle, müsse sich das Land stärker privaten Unternehmen als Entwicklungsmotor zuwenden.

Die Herausforderungen sind vielfältig. Zum einen muss es Chile gelingen, die steigenden Betriebskosten aufgrund des sinkenden Metallgehaltes in den Griff zu bekommen. Die deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Gtai) geht daher davon aus, dass die Nachfrage nach energieeffizienten Anlagen und Umweltschutztechnologien steigen wird, denn immerhin ein Drittel des produzierten Stromes in Chile verbrauche der Bergbausektor. Solarenergie sei zudem wegen der dezentralen Bereitstellung attraktiv. Aber auch die Bedeutung von Wassereffizienz nehme zu, da die Entsalzung von Meerwasser teuer sei und zudem eine Korrosion der Anlagen verursache.

Um sich vom Kupfer unabhängiger zu machen, setzt Chile zudem auf die Förderung von Lithium. Das Metall wird für Akkus in Smartphones, Laptops, Kameras und in elektrisch betriebenen Fahrzeugen gebraucht. Mehr als 70 Prozent der weltweiten Vorkommen werden im sogenannten Lithium-Dreieck Chile, Bolivien, Argentinien vermutet. Chiles Wirtschaftsförderagentur Corfo hat jüngst angekündigt, die Lithiumproduktion über Konzessionsvergabe zu steigern.

Derzeit bauen nur der US-amerikanische Konzern Albemarle (Rockwood) und die chilenische Sociedad Química y Minería de Chile (Soquimich) in der Salzebene Salar de Atacama Lithium ab. Der Preis pro Tonne Lithiumkarbonat hat sich im vergangenen Jahr auf 5.000 bis 6.0000 US-Dollar verdoppelt. Die Nachfrage könnte sich – so die Hoffnung – bis 2020 verdreifachen.

Deutsche Unternehmen auf der Exponor

Vom 15. bis 19. Mai findet in Antofagasta die Bergbau-Messe Exponor statt. Über 40.000 Fachbesucher werden erwartet, die sich dann bei mehr als 1.000 Ausstellern aus 30 Ländern über die neuesten Entwicklungen in dieser Branche informieren können. Darunter werden auch 34 deutsche Zulieferer auf einem Gemeinschaftsstand dabei sein.

Laut der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer (Camchal) präsentieren sie Technologie, Produkte und Dienstleistungen «made in Germany»: Windkraft und Sonnenenergie zur Deckung des Strombedarfs, hochpräzise Kameras zur Volumenmessung in zwei- und dreidimensionaler Darstellung, moderne Transportsysteme sowie Filtrations- und Separationstechnologien bei der Wasserwiederaufbereitung. Am Dienstag, den 16. Mai, gibt es zudem einen «German Day», bei dem 15 deutsche Firmenvertreter ihre Leistungen für interessierte Kunden erläutern. Die Veranstaltung sowie ein Besuch der weltgrößten Tagebau-Kupfermine Chuquicamata im sogenannten «German Bus» werden von der Camchal, der EnergieAgentur Nordrhein-Westfalen, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sowie dem Industrieverband Antofagasta organisiert.

Intensive Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Chile bestehen schon seit Längerem: Ende November 2015 wurde in Santiago de Chile zwischen dem Industrieverband Antofagasta und dem Netzwerk Bergbauwirtschaft für die Bergbauzulieferbranche Nordrhein-Westfalen eine Absichtserklärung für eine stärkere Kooperation unterschrieben. Als gemeinsame Themen wurden dabei Nachhaltigkeit, Sicherheit und Digitalisierung festgelegt.

Im Jahr 2013 wurde außerdem das Deutsch-Chilenische Forum für Bergbau und Rohstoffe ins Leben gerufen. Es soll den Austausch zwischen deutschen und chilenischen Unternehmen fördern und zum Dialog im technischen und wissenschaftlichen Bereich beitragen. Das Treffen findet jährlich statt und wird von der Camchal in Zusammenarbeit mit der Deutschen Rohstoffagentur und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie organisiert.

Weitere Infos unter www.rohstoffforum.cl sowie bei der Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer www.camchal.cl, Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe.

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