Chile zapft Flüssiggas

Der globale Flüssiggasmarkt wächst enorm. Auch in Chile steigt die Nachfrage.

Hohe Nachfrage und geringes Angebot: Das führt laut dem kleinen Einmaleins der Wirtschaftstheorie zu hohen Preisen. Und in der Praxis auch dazu, dass sich Chiles Zellulose-Gigant CMPC nach einer weiteren Energiequelle umsieht, um den steigenden Kosten auszuweichen. Der Blick geht weit hinaus gen Übersee.

Flüssiggas (LNG=Liquefied Natural Gas) heißt das Zauberwort, und es sind die großen LNG-Exporteure wie Katar, Malaysia und Indonesien, die derzeit vom weltweiten Boom profitieren. Ein wachsender Energiebedarf sowie teures Erdöl lassen die Verschiffung von Gas in liquider Form selbst über große Distanzen wirtschaftlich erscheinen. Zudem gibt es Abnehmerländer wie Japan, das aufgrund seiner Insellage kaum für den Gastransport per Pipeline in Frage kommt.

Derzeit besitzt Erdgas hinter Erdöl und Kohle einen Anteil von 21 Prozent am globalen Primärenergieverbrauch, der bis 2035 wahrscheinlich auf 29 Prozent steigen wird, so die Internationale Energieagentur (IEA). Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium erwartet laut eines Berichtes des Manager-Magazins, dass bis dorthin die Hälfte des internationalen Gashandels über LNG abgewickelt wird. Kein Wunder, dass Frank Chapman, Chef der britischen BG Group, kürzlich auf einem Branchentreffen in London dem prosperierenden Flüssiggasmarkt ein «goldenes Zeitalter» voraussagte.

Während Liquefied Petroleum Gas (LPG), das heißt Propan, Butan und deren Gemische, bei Raumtemperatur und unter geringem Druck flüssig bleiben und somit oftmals im Haushalt zum Heizen und Kochen verwendet wird, muss Erdgas auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt werden. Das so entstandene LNG weist ein 600stel des Volumens in Gasform auf und macht es daher ideal für Transport und Lagerung. In Spezialschiffen wird das LNG zu einem anderen Hafenterminal gefahren und dort wieder in Gasform umgewandelt. Genau an dieser Stelle würde gerne der chilenische Zellulosefabrikant CMPC anzapfen.

Seit 2009 wird an dem 1.878 Meter langen Hafenausleger in Quintero (V. Region) per Tanker Flüssiggas angeliefert und in riesige Behälter gepumpt. Das Betreiberkonsortium aus der BG Group, Enagás, Enap, Endesa Chile und Metrogas bezieht den fossilen Brennstoff aus Trinidad und Tobago, Ägypten, Nigeria, Äquatorialguinea und anderen Quellen. Derzeit können zehn Millionen Kubikmeter Gas pro Tag über die Anlagen zu den Abnehmern in Chiles Zentralzone geliefert werden. Nach einer Erweiterung sollen es ab nächstem Jahr 15 Millionen sein.

Nicht nur CMPC möchte seinen Energiehunger an solchen LNG-Anlagen stillen. Auch Chiles staatliche Kupfergesellschaft Codelco hat sich kürzlich beim LNG-Terminal Mejillones in der Region Antofagasta einen Liefervertrag bis 2045 für seine Minen gesichert. Mejillones wird seit 2010 gemeinsam von GDF Suez und Codelco betrieben. Und auch hier soll mit einer Investition von 200 Millionen US-Dollar ein neuer Tank mit einem Fassungsvermögen von 175.000 Kubikmeter ab Anfang nächsten Jahres eine Kapazitätserweiterung garantieren.

Laut eines Berichts in der Tageszeitung La Tercera gibt es gegenwärtig sieben Projekte in Chile, bei denen die beteiligten Firmen wie GasAtacama, AES Gener, Colbún, CAP sowie Codelco und BHP Billiton Pipelines und Anlagen für Flüssiggas in den nächsten fünf bis zehn Jahren errichten wollen.

Somit könnte LNG, das heutzutage 23 Prozent vom gesamten Energiemix Chiles ausmacht, Ende dieses Jahrzehnts einen Anteil von 30 Prozent an der nationalen Energieversorgung einnehmen. Vielleicht sogar 40 Prozent, wagen einige Experten zu prophezeien. Doch das hänge von der Preisentwicklung ab.

Derzeit kostet eine Million BTU (British termal unit) bei den LNG-Anbietern in Quintero und Mejillones zwischen 16 und 18 US-Dollar. Damit ist Flüssiggas wettbewerbsfähiger als Diesel, allerdings immer noch teurer als Kohle. Der LNG-Preis müsste bei zehn, besser noch sieben oder acht US-Dollar liegen, um Kohle den Rang abzulaufen. Zum Vergleich: Das billige argentinische Erdgas gab´s einmal für 2,5 US-Dollar pro eine Million BTU. Doch diese Zeiten sind bekanntlich längst vorbei.

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