Aufklärung aus der Luft

Manuel Baumann bietet mit seiner Firma Skyquest die Informationserhebung mittels Drohnen an.
Manuel Baumann bietet mit seiner Firma Skyquest die Informationserhebung mittels Drohnen an.

Unbemannte Luftfahrtzeuge – sogenannte Drohnen – werden zunehmend gewerblich genutzt. Ein kommerzieller Anbieter in Chile ist das Unternehmen Skyquest, Mitglied in der Camchal. Geschäftsführer Manuel Baumann erklärte Cóndor-Chefredakteur Arne Dettmann, wo die Drohnen zum Einsatz kommen und welche Dienstleistungen er bereitstellt.

Cóndor: Herr Baumann, Ihr Unternehmen Skyquest bietet Informationserhebung mittels Drohnenflügen an. Wer sind Ihre Kunden und in welchen Bereichen werden die Fluggeräte eingesetzt?

Unsere Kunden sind hauptsächlich Betreiber von Solarenergie-Anlagen, Bergbauminen und landwirtschaftliche Betriebe. Wir arbeiten aber auch für Wasserkraftwerke, Unternehmen der Forstwirtschaft und andere Firmen, die unsere Dienstleistungen nutzten. Es gibt unheimlich viele Gebiete, in denen wir uns entwickeln.

Mit unseren unbemannten Flugzeugen überfliegen wir bis zu 1.000 Hektar große Flächen pro Stunde; es können auch mehrere Drohnen gleichzeitig fliegen, was ihren Einsatz für größere Flächen besonders effizient macht. Auch benutzten wir Multirotoren, die für statische Einsätze besser geeignet sind, also bei Inspektionen von Infrastruktur wie zum Beispiel Strom und Mobiltelefonmasten. Hier geht es unseren Kunden vor allem um Sicherheit für das Personal sowie Verlässlichkeit der gelieferten Information.

Mit Hilfe drei verschiedener Kameratypen – optisch, multispektral und wärme-empfindlich – können wir die verschiedensten Daten erfassen: wo sich eine bestimmte Infektionskrankheit im Weizenfeld befindet, welcher Teil eines Weingutes vom Frost betroffen wurde, welche Photozelle bei Solaranlagen überhitzt ist und ausgetauscht werden muss, wie viele Kubikmeter Kohle oder auch Holz in einer Lagerstätte tatsächlich vorhanden sind, oder wie groß ein bestimmtes Gebiet ist und welches Relief es aufweist.

Aufnahme eines Weizenfeldes in Chile: Der rechte, rot-gelbe Bereich zeigt die Fläche mit einer multispektralen Kamera erfasst, die für das menschliche Auge sichtbare und unsichtbare Bilder einfängt. Somit lassen sich der Gesundheitszustand der Pflanzen sowie der Bedarf an Dünger und Wasser feststellen, um letztendlich die Landwirtschaft zu optimieren.
Aufnahme eines Weizenfeldes in Chile: Der rechte, rot-gelbe Bereich zeigt die Fläche mit einer multispektralen Kamera erfasst, die für das menschliche Auge sichtbare und unsichtbare Bilder einfängt. Somit lassen sich der Gesundheitszustand der Pflanzen sowie der Bedarf an Dünger und Wasser feststellen, um letztendlich die Landwirtschaft zu optimieren.

Natürlich können wir auch Fotografieren und Videos erstellen mit 4K-Auflösung. Mehr darüber können Sie im Internet bei www.skyquest.cl erfahren oder uns direkt übers Handy erreichen unter der Rufnummer 9 9346 0456.

 

Wie beurteilen Sie den Markt für solche Dienstleistungen in Chile?

In der letzten PWC-Studie von Mai 2016 wird der weltweite Drohnen-Servicemarkt auf über 127 Milliarden US-Dollar geschätzt. Leider gibt es für Chile keine genauen Angaben, aber bei Skyquest beobachten wir ein steigendes Interesse an dieser Technologie in der Industrie, wobei es aber an technischen Kenntnissen mangelt, wenn es um Drohnenbedienung geht. Deshalb haben wir uns vorerst gegen den Vertrieb dieser Produkte entschieden und setzen vielmehr auf die Bereitstellung der Dienstleistung. Uns ist es bisher auch gelungen, mit Spezialisten wie zum Beispiel Topographen, Inspektoren und Agronomen zusammen zu arbeiten, die ihr eigenes Know-how mit unserem teilen, um so gemeinsam eine integrale Lösung für unsere Kunden anzubieten.

Das chilenische Amt für Geologie und Bergbau (Servicio Nacional de Geología y Minería, abgekürzt Sernageomin) setzt bei seiner Arbeit bereits Drohnen ein, um die Sicherheit der Minenarbeiter zu überprüfen, Schutt- und Abfallablagerungen zu kontrollieren und die Einhaltung der Konzessionsflächen zu überwachen. Auch Mitarbeiter der Forstbehörde Conaf (Corporación Nacional Forestal) wurden vor Kurzem in der Anwendung unbemannter Flugkörper geschult. Ziel ist, die Inspektion schwer zugänglicher Gebiete von der Luft aus vorzunehmen. Laut Rodrigo Pedraza, Leiter der Abteilung für Überwachung und Bewertung des Umweltschutzes, sind derzeit zwei Drohnen im Einsatz. Das staatliche Fischereiamt Sernapesca wiederum hofft, mit Drohnen der illegalen Fischerei auf dem Meer zuvorzukommen.
Das chilenische Amt für Geologie und Bergbau (Servicio Nacional de Geología y Minería, abgekürzt Sernageomin) setzt bei seiner Arbeit bereits Drohnen ein, um die Sicherheit der Minenarbeiter zu überprüfen, Schutt- und Abfallablagerungen zu kontrollieren und die Einhaltung der Konzessionsflächen zu überwachen.
Auch Mitarbeiter der Forstbehörde Conaf (Corporación Nacional Forestal) wurden vor Kurzem in der Anwendung unbemannter Flugkörper geschult. Ziel ist, die Inspektion schwer zugänglicher Gebiete von der Luft aus vorzunehmen. Laut Rodrigo Pedraza, Leiter der Abteilung für Überwachung und Bewertung des Umweltschutzes, sind derzeit zwei Drohnen im Einsatz.
Das staatliche Fischereiamt Sernapesca wiederum hofft, mit Drohnen der illegalen Fischerei auf dem Meer zuvorzukommen.

Wo kaufen Sie die Drohnen, wer steuert sie?

Drohnen sind heute überall erhältlich, wobei wir die Marktführer im jeweiligen Segment bevorzugen. Bei den Drohnen mit größerer Spannbreite entschieden wir uns für die schweizerische Firma Sensefly, während wir bei Multirotoren DJI aufsuchten. Auch wenn es Preisunterschiede gibt, wählten wir doch deren lokale Vertreter, um so Schulung, Ersatzteile und Service zur Hand zu haben. Diese Strategie hat sich deutlich ausgezahlt, wenn ich mir die leidlichen Erfahrungsberichte einiger meiner Konkurrenten anhöre.

Teilweise bin ich noch selbst am Steuerknüppel der Drohnen, denn es macht mir immer noch großen Spaß. Außerdem muss ich viel vorbereiten, bevor es überhaupt zum Flugeinsatz kommt.

Unsere unbemannten Flugzeuge werden meist gar nicht von Hand gesteuert. Der Flugplan, Wetterkonditionen, Kameras und das Ziel werden vorher am Computer kalkuliert und eingestellt, so dass nachher der Flug bis hin zur Landung vollautomatisch abläuft. Das hat den großen Vorteil, dass die Fluglinie viele Male ganz genau gleich abgeflogen werden kann, was die Messergebnisse genauer und exakt vergleichbar macht. Das kann mit einer manuellen Fernsteuerung kaum gelingen.

Achtung, das ist kein Witz: Google testet derzeit seine Lieferdrohnen in den USA mit der Zustellung frisch zubereiteter Burritos. Auch der Online-Händler Amazon will zukünftig mit seinem Drohnen-Service «Prime Air» Päckchen mit einem Gewicht von bis zu 2,3 Kilogramm binnen 30 Minuten zustellen. Die Deutsche Post teste bereits 2014 den automatischen «Paketcopter», der die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte.
Achtung, das ist kein Witz: Google testet derzeit seine Lieferdrohnen in den USA mit der Zustellung frisch zubereiteter Burritos. Auch der Online-Händler Amazon will zukünftig mit seinem Drohnen-Service «Prime Air» Päckchen mit einem Gewicht von bis zu 2,3 Kilogramm binnen 30 Minuten zustellen. Die Deutsche Post teste bereits 2014 den automatischen «Paketcopter», der die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte.

Drohnen haben teilweise ein nicht so gutes Image, weil es beinahe Unfälle mit Flugzeugen in der Nähe von Flughäfen gab. Drohnen sind also kein Spielzeug. Wie stellen Sie Sicherheit her?

Es gibt viele Arten von Drohnen. Den größten Teil davon kann man als Hobbydrohnen bezeichnen. Unsere sind dagegen industrielle Drohnen. Der Unterschied liegt nicht nur in der Bedienung, sondern vor allem in der Planung der Flüge. Für unsere unbemannten Flugzeuge sind mehrere Sicherheitskontrollen vorgeschrieben, die uns nicht erlauben, einfach irgendwie und irgendwo zu fliegen. Zum Beispiel kehren unsere Drohnen bei Signalverlust wieder zum Startpunkt zurück und steigen oder sinken automatisch, wenn etwas Ungeplantes ihren Weg kreuzt. Sie können außerdem bei bestimmten Situationen in der Luft kreisen, um auf weitere Flugbefehle zu warten.

In Chile existiert ein Gesetzt für Drohnenflüge, das DAN 151 und ein Teil des DAN 91. Beide wurden von der DGAC (Dirección General de Aeronáutica Civil) schon vor über einem Jahr in Kraft gesetzt. Damit gehören wir weltweit zu den führenden Ländern mit einer solchen Gesetzgebung. Die hier vorgeschriebenen Richtlinien sind streng einzuhalten, wenn man sich nicht eine saftige Strafe einhandeln möchte. Hierzu gehört natürlich, die vorgeschriebene maximale Höhe und die Entfernung zu allen Flugpisten einzuhalten, um die Sicherheit des Flugverkehrs zu gewährleisten. Es ist zudem verboten, über Menschenansammlungen und Städte zu fliegen, außer man erhält eine schriftliche Zusage von der DGAC.

Am wichtigsten ist es jedoch, richtig zu planen, bevor man fliegt. Risikos ganz zu vermeiden ist immer einfacher, als in der Luft zu versuchen die Fehler zu korrigieren.

 

Herr Baumann, wir bedanken uns für das Gespräch.

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