An der Hand Chinas gehen

Unter dem Titel «Chiles Abhängigkeit vom Kupfer: eine Falle?» ging Alexander Leibbrandt im Deutsch-Chilenischen Bund (DCB) auf die Zukunft dieser wichtigen Exportware ein.

«Wenn man die Zukunft kennen will, muss man die Vergangenheit studieren.» Es ist wohl kein Zufall, dass Alexander Leibbrandt seinen Vortrag über Chiles Abhängigkeit vom Kupferexport vergangene Woche mit den Worten des chinesischen Philosophen Konfuzius einleitet. Denn neben Chile als größtem Kupferlieferanten steht heute China als weltweit größter Abnehmer. Getreu der chinesischen Weisheit beginnt Leibbrandt mit einem Blick zurück in die Vergangenheit. Über 2.000 Jahre Kupferabbau anschaulich im Schnelldurchlauf.

Kupfer wurde demnach im Norden Chiles schon abgebaut, lange bevor die Republik gegründet wurde. Schon die andinen Völker vor der Kolonialisierung kannten das rote Metall. Mit den Spaniern kamen die ersten Minen.

Aber es kam auch das Feuer. Um die frühen Kupferöfen zu beheizen, benötigte man Holz. Es kam zu einer Abholzung der gesamten Baumvorkommen nördlich von Santiago. Der Export war aufgrund fehlender Straßen und teurer Transportkosten jedoch lange Zeit nicht möglich. Erst die Eisenbahn und die Entwicklung der Frachtschiffe ließen es zu, Kupfer zu geringeren Preisen auch nach Europa zu exportieren. Um das Jahr 1700 kostete ein Transport in den alten Kontinent fast genau so viel, wie das transportierte Kupfer wert war. Heute zahlt man für die Überfahrt keine zwei Prozent mehr.

«Wenn Chile die letzten 20 Jahre kein Kupfer gehabt hätte, müsste das Land jetzt auf 45 Prozent seines Einkommens verzichten. Der Effekt des Kupfers auf das Land ist monumental», erläutert Leibbrandt die wirtschaftliche Bedeutung des Metalls.

Ein Drittel des Kupfers auf dem internationalen Markt kommt aus Chile. Das macht das Land weltweit mit Abstand zum Hauptproduzenten. Aber es führt auch zu einer Abhängigkeit. Denn es ist nicht der Produzent, der den Markt kontrolliert. Es ist der Kunde, so Leibbrandt. Und dieser Kunde heißt China. Die Hälfte des weltweit gehandelten Kupfers wird von dem Land des Konfuzius importiert. Und wahrscheinlich wird China seine Position noch festigen und den Markt kontrollieren. «Daraus kann auch für Chile eine Abhängigkeit von China entstehen.»

China als Hauptabnehmer und dominante Macht und Chile als Produzent, abhängig von seinem größten Kunden. Auf einmal klingt Chiles eigentlich so privilegierte Position auf dem Kupfermarkt gar nicht mehr so reizvoll. Doch aus den Studien der Vergangenheit zieht Leibbrandt auch Schlüsse für die Zukunft. Denn noch ist Chile unabhängig und relativ frei auf dem Markt. Man müsse jedoch in Forschung und Entwicklung investieren. Nur so könne sich die Technologie mit den immer tiefer werdenden Minen mit entwickeln.

Darüber hinaus könnte die Entwicklung preiswerter Raffinerien dazu führen, dass Chile sein eigenes Kupfer weiterverarbeitet, statt nur den Rohstoff zu exportieren. Bisher seien eigene Raffinerien nicht rentabel, erklärt Leibbrandt. Sowohl die Installation als auch die Arbeitskosten seien weit höher als in Ländern wie den USA oder China. Erst wenn dort die Preise stiegen und man preiswertere Möglichkeiten in Chile fände, würden sich Raffinerien für Chile wirtschaftlich lohnen.

Dieser Blick in die Zukunft ist wichtig. Chile verfügt über fast ein Drittel der weltweit verbleibenden Kupfervorkommens. Kein anderes Land hat annähernd so große Reserven. «Auch unsere Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel werden noch Kupfer haben», beruhigt Leibbrandt seine Zuhörer. Doch China ist im Kommen. Fast wie eine Vorahnung grinst zum Schluss ein chinesischer Drache von der Leinwand auf das Publikum herab. «Wir müssen an der Hand Chinas gehen, aber dürfen ihnen keine schwache Seite bieten», erklärt Leibbrandt. Und in Bezug auf den Drachen sagt er: «Keine Sorge. Dieser hier ist nicht böse. Er lacht.»

 

Von Daniel Stoecker

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