Upcycling: Taschen mit Sinn

Lukas Steiner, schweizerischer Start-up-Gründer

Lukas Steiner und Camila Romero an ihrer industriellen Nähmaschine
Lukas Steiner und Camila Romero an ihrer industriellen Nähmaschine

 

Der Schweizer Lukas Steiner (28) hat sich zusammen mit seiner chilenischen Freundin den Traum erfüllt, sich selbstständig zu machen und ein Produkt herzustellen, das Sinn macht: Sie gründeten ein Atelier für Stofftaschen aus wiederverwerteten Materialien.

 

Von Petra Wilken

Lukas Steiner ist in der malerischen mittelalterlichen Stadt Aarau, Hauptort des gleichnamigen schweizerischen Kantons, geboren und aufgewachsen. Sie liegt zwischen Basel, Zürich und Bern am Nordrand des Schweizer Mittellandes und im Übergang zum Juragebirge. Hier absolvierte er auch nach Abschluss der Schule eine vierjährige Ausbildung als Schreiner. Danach ging er zusammen mit zwei Kollegen erst einmal groß auf Reisen.

Mit einem Um-die-Welt-Ticket lernte er Indien, Südostasien, Australien und Neuseeland kennen und – schon fast auf dem Weg nach Hause – kam er nach Chile. In Santiago jobbte er in einem Hostal am Cerro Santa Lucía und lernte Camila kennen.

Camila Romero (30) hatte Kunst an der Universidad de Chile studiert und malte. Sie hatte ihr eigenes Atelier in der Straße Bremen in Ñuñoa, und Lukas begann, Holzrahmen für ihre Gemälde zu bauen. Doch dann musste er in die Schweiz zurück. Camila nutzte eine Europa-Reise, um Lukas in der Schweiz zu besuchen. Doch wie sollte ihre Beziehung nun weitergehen?

Die beiden überlegten zusammen, was sie gerne machen würden und stellten fest, dass es viele Gemeinsamkeiten in ihren Vorstellungen und Idealen gab – etwas Nachhaltiges machen, etwas Sinnvolles beitragen wollten sie gerne. Sie brachten Talent für Design und fürs Handwerkliche mit. So kamen sie darauf, Stoffbeutel aus recycelten Materialien zu entwerfen und selbst zu nähen.

Ihr Start-up heißt Chiza Bolsas – Bags – Taschen. Im Namen Chiza verschmelzen die Wörter Chile und Suiza miteinander. «Das i steht in beiden Ländernamen genau in der Mitte und verbindet so zwei Teile miteinander», erklärt Lukas. Ihre Marke drückt für ihn und Camila perfekt das gemeinsame Projekt aus.

«Es gibt so viele Plastiksäcke in Santiago», sagt Lukas. «Die Idee war, alles selbst zu machen. Wir machen das Design, nähen und bedrucken die Stoffe per Siebdruck.» Die Besonderheit an ihren Taschen und Beuteln ist, dass sie aus Stoffresten bestehen, die sie zum Beispiel aus Kleiderfabriken beziehen. Upcycling heißt das auf Neudeutsch. Gemeint ist, dass scheinbar nutzlose Abfallprodukte in neuwertige Materialien umgewandelt werden, wodurch es zu einer Aufwertung kommt. 

«Wir verwenden Baumwoll-Polyester-Mischungen, die sehr widerstandsfähig sind. Die Taschen sind sehr leicht, können aber viel Gewicht aushalten», erklärt Lukas. Viele verwenden deshalb die Taschen ebenso wie die Variante des klassischen Turnbeutels, den die beiden auch nähen, für den Laptop. Inzwischen haben die beiden auch ein neues Material entdeckt: Sie benutzen Reste von Swimming-Pool-Abdeckungen. Die Plastikteile verarbeiten sie als Boden für einige Modelle ihrer Taschen.

Seit rund eineinhalb Jahren betreiben die beiden ihr Nähatelier im Barrio Italia. Das Fenster zur Straße Sucre haben sie vergrößert, um den Passanten den Blick auf ihre industrielle Nähmaschine zu ermöglichen. «Wir zeigen unseren Besuchern, wie wir nähen, wie wir bedrucken. Uns gefällt die Idee eines gläsernen Ateliers», sagt Camila. Hellen Holzmöbeln in jungem Design sieht man an, dass ebenso wie bei den Taschen Wert auf Qualität gelegt wurde. «Lukas hat sie gebaut», erklärt Camila. Ach ja, natürlich, er ist ja Schreiner.

Obwohl das Atelier in dem touristischen Viertel angesiedelt ist, sind die Kunden erstaunlicherweise nicht hauptsächlich ausländische Besucher. «Unsere Klienten sind Chilenen sowie Franzosen, die in Chile leben. Warum, weiß ich auch nicht», erzählt Lukas. «Es sind Leute, die schätzen, was wir machen und denen es gefällt, bewusste Produkte zu kaufen. Es sind junge Leute, auch Familien, so zwischen 25 und 35 Jahren», erklärt Lukas. «Unsere anderen Kunden sind pensionierte Frauen. Sie wissen Qualität zu schätzen», fügt Camila hinzu.

Der Verkauf läuft auch viel über Instagram, Facebook und die Homepage www.chiza.cl. «Man kann bei uns ein Model reservieren, und wir schicken es mit der Post oder auch in die Regionen», so Lukas.

Chiza-Bags läuft nun schon im dritten Jahr, und die beiden finden, dass ihr Projekt inzwischen gereift ist. «Wir haben begonnen, als Paar zusammenzuleben und gleichzeitig haben wir mit Chiza-Bags angefangen», erzählt Camila. Man merkt den beiden an, dass sie ein eingespieltes Team sind. Und sie haben es geschafft, wovon viele junge Leute heute träumen – ihr eigenes kleines Unternehmen auf die Beine zu stellen, und zudem das Gefühl zu haben, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. 

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