Marlis Möller, Kulturbeauftragte im Seniorenheim

Marlis Möller Stück stammt aus Concepción. In Paine, San Carlos, Chillán und Salta (Nordargentinien) aufgewachsen, zieht sie jung verheiratet nach dem Mauerfall nach Rostock-Warnemünde, wo sie als Designerin arbeitet. Nach ihrer Chile-Rückkehr studiert sie an der Universidad Católica soziale Gerontologie. Nach ihrem Abschluss beginnt sie ihre Tätigkeit an den deutschen Altenheimen, wo sie Freizeitgestaltung, Kulturarbeit und Veranstaltungen koordiniert. Zurzeit ist sie sehr daran interessiert, dem neuen IEM Residencia Las Hualtatas dienlich sein zu können.

 

  1. Was wollten Sie als Kind werden?

Ich wusste nur, was ich nicht in der Zukunft tun wollte: unterrichten. Trotzdem bin ich Universitätsdozentin geworden. Alles andere war offen, da mir vieles gefallen hat!

 

  1. Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?

Nein, ich würde gerne Psychologin werden.

 

  1. Wer war und ist Ihr Vorbild?

Eine gute und sehr schwierige Frage für mich. Mein Vater war mein Vorbild als kleines Kind, heutzutage ist es Frau Käthe Richter, die Mitte neunzig ist, weil sie es versteht, weise zu altern.

 

  1. Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?

Ich bin ihnen dankbar, dass sie existiert haben, weil ich mit einer echten Mutter und einem echten Vater bis zum 9. Lebensjahr heranwachsen konnte. Ich werde immer dafür dankbar sein, dass ich nicht in einem Waisenhaus aufwachsen musste und dass man bei uns deutsches Brauchtum gepflegt hat.

 

  1. Was war Ihr schlechtestes Schulfach?

Leider Musik und Turnen. Damals war das Schulsystem furchtbar wettbewerbsorientiert. Heutzutage ist es völlig anders, ich sehe es an meinen Kindern. Wie gerne würde ich wieder zur Schule gehen!

 

  1. Was macht Sie glücklich?

Wenn sich das Glück bei anderen Menschen widerspiegelt. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit.

 

  1. Was macht Ihnen Angst?

Das Böse, das Perverse, das Kleinliche, der Egoismus und die unerklärliche Engherzigkeit, die sich in gewissen Menschen offenbart, die sich bedroht fühlen und ihre Umgebung damit verseuchen.

 

  1. Worauf könnten Sie verzichten?

Auf die typisch chilenischen Intrigen, die Doppelmoral und den unerklärlichen Genuss, aus einem gefällten Baum Kleinholz zu machen.

 

  1. Was ist Ihnen peinlich?

Das übertriebene Selbstmitleid. Wir sind ihm alle ausgesetzt, aber wir dürfen nicht in so einem Zustand steckenbleiben.

 

  1. Wen beneiden Sie?

All jene, die wachsen, ohne zu befürchten, ihre Lieben zu verlieren. Das Leben ist so zerbrechlich. Man muss die Gegenwart voll ausleben, wer weiß was später passiert – niemand stirbt nach vorgegebener Reihenfolge.

 

  1. Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?

Mit niemandem, obwohl mir die Rolle des chilenischen Staatspräsidenten nicht behagt. Das ist sicher eine sehr unangenehme Aufgabe.

 

  1. Wen würden Sie gerne einmal treffen?

André Rieu, weil er die klassische Musik dem Volk nähergebracht hat.

 

  1. Was würden Sie niemals tun?

Sage niemals nie. Das ist wie in den Himmel spucken: Es könnte dich treffen!

 

  1. Was regt Sie auf?

Die Faulheit, das fehlende Engagement, die Undurchsichtigkeit.

 

  1. Was ertragen Sie mit Humor?

Wenn man behauptet, ich sei langsam oder nicht arbeitsam, nachdem ich mich in Deutschland behaupten musste. Wenn ich gut genug war, um Mecklenburg-Vorpommern in der Ausstellung von Sevilla 1992 zu vertreten, kann man dann noch ernst nehmen, was jemand aus Chile von mir meint?

 

  1. Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?

Meine grenzenlose Naivität, dass ich immer davon ausgehe, dass die Leute Gutes vorhaben.

 

  1. Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?

Das habe ich schon einmal getan und würde es nicht wieder machen. Ich schätze den «Überraschungsfaktor» sehr, wenn alles nicht so geregelt ist wie in Nordeuropa.

 

  1. Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?

Ich würde mich für Gerechtigkeit einsetzen. Es geht nicht, dass jemand, der Edwards oder Irarrázabal heißt, einen besseren Status hat als ein Herr León, der vielleicht viel mehr arbeitet. Auch die Bildung sollte für alle gleich sein, wie auch die Gesundheit: alle, absolut alle sollten das gleiche Recht auf sie haben.

 

  1. Was sollten die Chilenen ernster nehmen?

Sie sollten ihre Umwelt schützen.

 

  1. Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich gehöre zu denjenigen, die verschiedene Bücher gleichzeitig lesen. Ich lese jede Nacht… aus welchem Buch, das hängt von der Gemütsverfassung ab. Folgende Bücher liegen gerade auf meinem Nachttisch: «Nuestro Lado Luminoso: 12 años de Psicología Positiva», von Claudio Ibáñez, «Testimonios sobre el Che», eine Zusammenstellung von Marta Rojas, «Der Zauberberg» von Thomas Mann, «La regla de los monjes» des Heiligen Benito, «Sexualidad sana: qué y cómo enseñar a los hijos», vom chilenischen Psychiater Ricardo Capponi and last but not least: «Cuestión de tamaño: la mente del macho chileno», von Rodrigo Guendelman.

 

  1. Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Alles, was uns unsere liebe Tochter Maike kocht, die gerade das zweite Jahr im «Culinary» absolviert.

  1. Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Ich lese äußerst gerne, genieße eine interesante Unterhaltung, hoffentlich mit einem Drink und etwas zum Knabbern.

  1. Bei welchem Film haben Sie geweint?

«Der englische Patient» hat mich mitgenommen, ich habe erst mehrere Stunden, nachdem ich wieder zu Hause war, aufgehört zu weinen. Ähnlich war es bei «Titanic» oder «Jenseits von Afrika». Das sind Filme, wo die wahre Liebe keine Erfüllung findet.

 

  1. Welchen Männertyp finden Sie anziehend?

Mein Mann soll mir verzeihen, aber ich finde die modernen Araber, mit ihrer Männlichkeit, ihrer Verspieltheit, ihrer Spontaneität, ihrer Art dem Leben entgegenzutreten, der Schnelligkeit, mit der sie einen nach Hause einladen, und ihrer wunderbaren Sinnlichkeit im Vergleich zu den Deutschen sehr interessant.

  1. Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?

Zum einen Gonzalo Cruz, ein glänzender Strafverteidiger, mit dem ich zur Schule gegangen bin, wegen seinem schwarzen, ätzenden Humor, seinem scharfen Sinn und seinem Sarkasmus. Zum anderen bewundere ich Doktor Erich Schilling, der mit meinem Vater in die Schule ging und der für mich immer ein Stückchen Vater gewesen ist.

 

  1. Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?

«Sie hat unermüdlich und mit riesiger Fraude für die Senioren der deutsch-chilenischen Gemeinschaft gearbeitet». Damit wäre ich mehr als befriedigt.

 

  1. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

«Carpe Diem», «erlebe jeden Augenblick, als ob es der letzte wäre!» Mein Vater ist so früh und unerwartet gestorben. Amüsieren wir uns, solange wir beisammen sind, und seien wir dabei «gute Reisegefährten», wie Pater Bruno sagt.

 

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