Leidenschaft Lesen

Daniela Balieiro, Museumsleiterin an der Deutschen Schule Santiago

Die Museumsleiterin der Deutschen Schule Santiago, Daniela Balieiro
Die Museumsleiterin der Deutschen Schule Santiago, Daniela Balieiro

Die Museumsleiterin der Deutschen Schule Santiago, Daniela Balieiro, hat kleine Bibliotheken in öffentlichen Krankenhäusern eingerichtet. Für ihr soziales Engagement zur Leseförderung wurde sie von der Stiftung Comunidad Mujer ausgezeichnet.

 

Von Arne Dettmann

Am Anfang war das Wort. Schon als Kind habe sie gerne zugehört, wenn ihre Mutter ihr Geschichten vorlas. Heute widme sie nicht nur beruflich als Museumsleiterin der DS Santiago viel Zeit der Lektüre, sondern genieße auch privat das Lesen von Romanen, zum Beispiel von den chilenischen Schriftstellerinnen Marcela Serrano und Isabel Allende sowie dem norwegischen Autoren Jostein Gaarder. «Bücher sind meine Leidenschaft», so Daniela Balieiro.

Aus der Leidenschaft wurde dann im September 2014 auch soziales und kulturelles Engagement. Nach einer Operation in Deutschland war Daniela Balieiro davon überzeugt, dass man ebenso in chilenischen Krankenhäusern unbedingt Bibliotheken einführen sollte, um den Patienten die lange Zeit mit Lektüre zu erleichtern. Gemeinsam mit der Mexikanerin Sandra Velasco richtete sie im Hospital Félix Bulnes in Santiago de Chile ihre erste Bibliothek ein. Das Geld dazu stammte von dem staatlichen Förderprogramm Fondart, dessen Ausschreibung die beiden gewonnen hatten.

Auf einer Fläche von vier bis fünf Quadratmetern stehen Regale, Patienten sowie Besucher und das Krankenhauspersonal können sich die Bücher kostenlos gegen Vorlage eines Ausweises ausleihen. Dieses Lese-Rezept wird dankbar angenommen. Mittlerweile konnte Daniela Balieiro auch die öffentlichen Hospitäler del Salvador und San Juan de Dios von den Bibliotheken überzeugen. Die Bücher selbst stammen aus kostenlosen Gaben von Verlagen, Privatpersonen sowie beispielsweise von der Deutschen Schule Chicureo, die ihre Schulgemeinschaft zu Spenden aufrief.

Darunter ist fast alles zu haben: Kindergeschichten, Comics und Romane. Die korrekte Auswahl nehmen allerdings professionelle Bibliothekare vor. «Bücher mit sehr kleiner Schrift oder technische Themen, die sehr schwierig sind, kommen nicht ins Sortiment, denn die Patienten sollen selbstverständlich nicht überfordert werden», erläutert Daniela Balieiro. Erhältlich sind dagegen Werke mit Blindenschrift und sogar Hörspiele. Alle Bücher werden bei der Ausleihe vorab desinfiziert, das Personal trägt zudem Handschuhe, um Infektionen möglichst zu vermeiden.

Für ihr Engagement wurde Daniela Balieiro kürzlich von der Stiftung Comunidad Mujer neben weiteren Frauen mit dem Preis «Mujeres que dejan huellas» ausgezeichnet. Die Stiftung hob dabei hervor, dass die Mini-Bibliotheken dazu beitragen würden, eine Lesekultur in einkommensschwachen Schichten zu fördern. Daniela Balieiro: «In Chile wird leider wenig gelesen. Nur sieben Prozent nehmen sich ein Buch vor, weil sie daran Freude haben. Doch vielleicht können wir dazu beitragen, dass mehr Menschen in diesen Genuss kommen und dabei Spaß empfinden.» Letztendlich gehe es auch darum, den Patienten mit Respekt und Würde zu begegnen, erläutert die 37-Jährige, die Erziehungswissenschaften studierte und am Museo Interactivo Mirador arbeitete, bevor sie vor fünf Jahren zur DS Santiago wechselte.

Ihr Projekt «Libro Amigo» («Bücherfreund») soll nun bald die Rechtsform einer Stiftung erhalten und hoffentlich in weiteren Krankenhäusern eingeführt werden. Derzeit arbeiten 20 Freiwillige in den Bibliotheken, die mit Bücherwagen zu den Patientenzimmern gehen und auch vorlesen.

Infos: www.libroamigo.cl

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