Klaus Brien Klagges (23), neues Vorstandsmitglied des DCB

Klaus Brien Klagges
Klaus Brien Klagges

Ein Youngster für die Verjüngungskur

Klaus Brien (23) ist trotz seines jungen Alters schon lange ein großer Fan des Deutsch-Chilenischen Bundes. Er gehört zu den Organisatoren des Sommerlagers. Doch nun hat sein Engagement andere Dimensionen angenommen – er ist Mitglied des DCBs geworden und hat sich sofort in den Vorstand wählen lassen. Sein Anliegen: eine Verjüngungskur der Liga.

 

Von Petra Wilken

Seit nunmehr 102 Jahren geht der DCB der Aufgabe nach, die er sich bei seiner Gründung 1916 gestellt hat: die Pflege des deutschen Kulturguts in Chile. Seine Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen oder kulturelle Vorträge erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit bei der deutsch-chilenischen Community. Doch es fällt schwer, junge Leute anzusprechen.

Es sei denn, es geht ums Sommerlager, das der DCB seit den 1930er Jahren anbietet. Da sind junge Leute mit Begeisterung dabei. So auch Klaus Brien. Er war 15, als er das erste Mal mitmachte, und seitdem ist er jeden Sommer mit von der Partie. Seit seinem 19. Lebensjahr gehört er zu den Organisatoren.

Riesenspaß beim DCB-Sommerlager

«Manche sind in dritter Generation dabei. Schon ihre Eltern und Großeltern waren im Sommerlager», weiß Klaus Brien. Neben dem Riesenspaß, den die Kinder und Jugendlichen haben, hebt er vor allem den pädagogischen Wert der Ferienfreizeit hervor. «Man lernt Gemeinschaft», so der junge Mann. «Heutzutage versuchen alle, allein erfolgreich zu sein. Sie vergessen dabei, dass man komplizierte Sachen nicht alleine erreichen kann», meint er und spricht wie ein weiser Alter.

Beim Lager kommen im Schnitt 240 Schüler zwischen zwölf und 20 Jahren aller deutscher Schulen in Chile zwei Wochen lang zusammen. Zwischen 1974 und 2016 wurde es am See Lanalhue bei Contulmo aufgeschlagen. Da es dort aufgrund des Mapuchekonflikts unsicher wurde, verlegte der DCB den Standort an den See Calafquén bei Panguipulli, der sich als fast noch geeigneter herausstellte. «Wir sind 25 bis 30 Betreuer. Wenn die Kinder ankommen, werden die Handys abgegeben.» Das Auskommen ohne Handy hält er für eine hervorragende Übung. «Man sollte das von früh an üben mit den Kindern», sagt er in seiner reifen Art, die man ihm aufgrund von Alter und Outfit nicht ohne weiteres zugetraut hätte.

Siedler am Llanquihue-See

Vielleicht hängt seine Reife auch mit dem starken Einfluss seiner Großeltern auf seine Entwicklung zusammen. Er kommt aus einer «fast nur deutschen Familie», wie er es ausdrückt, die sehr eng mit der deutsch-chilenischen Gemeinschaft verbunden ist. Seine Familie mütterlicherseits, die Klagges, gehörten zu den Siedlern am See Llanquihue. «Sie haben mit einem Pferd, einer Kuh und einem Ochsengespann angefangen», so Klaus Brien. Die Familie väterlicherseits ist nach dem Ersten Weltkrieg nach Chile gekommen. Sein Anfang 2018 verstorbener Großvater Walter Brien war sehr engagiert in der deutschen Gemeinschaft. «Er war Präsident der Lota-Kirche, der Burschenschaft und des DCB», erzählt der Enkel.

«Meine Großeltern haben nur auf Deutsch mit mir gesprochen. Wenn ich es auf Spanisch versucht habe, haben sie nicht geantwortet. Sie haben behauptet, sie verstehen mich nicht. Das ist eine gute Art, Deutsch zu lernen», findet er. Jedenfalls ist er ihnen dankbar für sein eigenes gutes Sprachniveau. Zum Beweis besteht er darauf, das gesamte Gespräch mit dem Cóndor auf Deutsch zu führen. «Man kann durch die zwölf Jahre Deutsche Schule gehen, ohne gut zu sprechen», meint er.   

Sehnsucht nach dem Süden

Klaus Brien ist in Santiago zur Welt gekommen und hat die ersten fünf Lebensjahre in Iquique verbracht, weil sein Vater Robert Brien dort als Ingenieur im Bergbau tätig war. Dann kehrte die Familie zurück nach Santiago, wo er auf die Deutsche Schule in Vitacura ging. Inzwischen studiert er im fünften Jahr Bauingenieurswesen an der Universidad de los Andes und hat bereits Pläne für den Einstieg ins Berufsleben: Er will in den Süden gehen (der für ihn bei Concepción beginnt) und dort am liebsten Staudämme und Brücken bauen. «Es lebt sich ruhiger in den Regionen, es gibt nicht so viel Kriminalität, und wenn die Zeit kommt, eine Familie zu gründen, ist es auch viel besser im Süden. Die Kinder haben einen sichereren Schulweg.»

Doch zunächst will er sich beim DCB engagieren, um das Angebot der Kultureinrichtung für ein jüngeres Publikum attraktiv zu machen. «Meine Großeltern sind einmal pro Woche in die Konzerte des DCB gegangen und haben es geliebt, aber nun hat die Liga ein Problem der Überalterung. Im Vorstand ist das Durchschnittsalter 60 Jahre. Es gibt kaum Aktivitäten für Leute zwischen 20 und 30», so Brien. «Die Frühschoppen sind toll, aber auch nicht die Lösung.»

Klaus Brien: Neue Aktivitäten für den DCB

Hat er bereits Vorschläge für andere Aktivitäten? Seiner Ansicht nach muss man sich Aktivitäten zuwenden, für die ein Bedarf besteht. Wie zum Beispiel Touristenberatung oder Seminare zu technologischen oder Wirtschaftsthemen. «Der DCB sollte nicht nur an Unterhaltung denken, sondern auch Fachseminare anbieten. Es gibt sehr viele deutsche Fachleute verschiedenster Gebiete hier. Vorträge von ihnen können für chilenische Studenten sehr interessant sein.»

Nicht, dass er etwas gegen Musik hätte. Ganz im Gegenteil. Er selbst spielt sieben Musikinstrumente und hat schon mit zwölf angefangen, Musik zu komponieren und sie mit Freunden zusammen aufzunehmen. Zudem liegt die Musik in der Familie, sein Großvater Roland Klagges ist bis heute im Chor «Frohsinn». Und sein jüngerer Bruder Alan studiert sogar Musik. So geht es auch dem Youngster im Vorstand nicht darum, mit bewährten Traditionen zu brechen, doch dass Neues her muss, davon will er das Direktorium auf alle Fälle überzeugen.

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