Deutscher Business Angel in Chile gelandet

Markus Schreyer fördert Start-ups

Business Angel Markus Schreyer
Markus Schreyer arbeitet als Business Angel in Chile. Der Deutsche fördert junge Unternehmen.

«Preparing business for Global Investments» steht auf der chilenischen Visitenkarte von Markus Schreyer. Die Anglizismen zu übersetzen wird schwierig. Was gesagt werden soll: Der Deutsche unterstützt Existenzgründer auf ihrem Weg ins internationale Geschäft. Er gehört zur Zunft der Business Angels.

Von Petra Wilken

Auch dieser elegante Begriff wirkt gestelzt, wenn man den Versuch macht, ihn auf Deutsch auszudrücken. Es handelt sich um Personen, die innovative, wachstumsstarke Existenzgründungen in der frühen Phase finanziell sowie mit Know-how und Kontakten unterstützen. Damit sind sie ideale Investoren für Start-ups, die Kapital für die Produktentwicklung benötigen.

Viele Business Angels waren selbst einmal Gründer und haben mit dem Verkauf ihres Unternehmens Kapital erworben, das sie nun zusammen mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen in junge Firmen einbringen. Andere wiederum sind Unternehmer oder leitende Angestellte mit langer Management-Erfahrung und einem erstklassigen Netzwerk.

Markus Schreyer gehört zu letzteren Kategorie. Er war 20 Jahre lang im Management des US-Konzerns Thermo Fisher angestellt, führend in den Sparten Medizin- und Biotechnologie sowie Lifescience. Angesiedelt in Sao Paulo, war er für das Südamerika-Geschäft des Unternehmens zuständig. Irgendwann wollte er eine neue Herausforderung und gründete noch in Brasilien seine eigene Consultingfirma MGMS.

Dass er 2014 nach Chile übersiedelte, hatte zwei Gründe. Erstens vertrat er Thermo Fisher 2012 bei einer Mission des Governor of Massachusetts, dem Mekka für Biotechnologie und Life Science, nach Chile und lernte bei der Gelegenheit das chilenische Wirtschaftssystem und die hiesige Gründerszene kennen. Zweitens hatte er vor über zehn Jahren auf einem Flug von Hong Kong nach Chicago eine Chilenin kennengelernt. Ende 2012 traf er sie wieder, 2015 haben die beiden geheiratet. Der zweite Grund war der ausschlaggebende. Er gründete MGMS Chile.

«Ob ich sonst nach Chile gegangen wäre, weiß ich nicht», räumt Schreyer ein. «Erst einmal habe ich mich sehr unstrukturiert in diesem Ökosystem bewegt und mit Start-ups gratis gearbeitet». Inzwischen hat er gelernt, was er hier wissen muss. «In Chile muss man erkennen, was Luft ist», meint er. «Und man muss erkennen, welche Investoren involviert sind und welche nur aus Prestige dabei sind.» Sein Fazit: «In einigen Bereichen fehlt es an Finanzierungen, aber vor allem fehlt es an Erfahrungen und an Mentorship-Hilfe».

Das heißt nicht, dass er die chilenische Szene negativ sehen würde, ganz im Gegenteil. Das Corfo-Programm Start-up Chile habe ein hervorragendes Image in der Welt. Das Lob kommt nicht von ungefähr. Immerhin ist er inzwischen selbst an diesem Erfolg beteiligt, er unterstützt die Biotechnologie Initiative von Corfo.

Nicht nur bei Corfo ist er dabei, sondern auch in der zweiten wichtigen lokalen Institution, die Start-ups fördert: Vor einem halben Jahr ist der Deutsche ins Direktorium von ChileGlobal Angels gewählt worden, die 2009 als Plattform der Wirtschaftsfördereinrichtung Fundación Chile gegründet worden ist. Dort leitet er zudem die Abteilung für Suche und Auswahl von vielversprechenden Projekten.

Bei einem Stück Streuselkuchen im Café Mozart erläutert der gebürtige Rheinländer, wie ein «emprendimiento» normalerweise vonstatten geht. «Erste Phase: Es wird mit Geld von der Familie gearbeitet. Zweite Phase: Inkubatoren, also Einrichtungen, die Unternehmen auf den Weg der Existenzgründung bringen, übernehmen die finanzielle Unterstützung. In dieser Phase ist das Risiko sehr hoch. Es wird das Tal des Todes genannt. Die dritte Phase ist die der Kommerzialisierung von Protoypen. Das wird early stage genannt, und in diesem Moment ist die Unterstützung mit Netzwerken und Erfahrung ganz erheblich».

Wer die dritte Phase überstanden hat, hat jedoch längst noch keinen Grund zum Ausruhen. Jetzt geht es darum, sich auf das Wachsen der Firma und die Internationalisierung vorzubereiten. Die Frage lautet nun: Wie schaffe ich es, meinen Prototyp erfolgreich in den Markt zu bekommen? Wie sichere ich das intellektuelle Eigentum ab, wie melde ich Patente an? Auf diese Phase, in der es um Kommerzialisierung und Management geht, hat sich Schreyer spezialisiert.

Seine Kontakte in Massachusetts, das als erste Adresse für angewandte Forschung und Innovation im Bereich Biotechnologie und Life Science gilt und wo er fünf Jahre gelebt hat, kann er in Chile bestens einsetzen. «Alle großen Firmen in dem Bereich sitzen in Boston. Sie kaufen Technologie ein, die schon entwickelt wurde und übernehmen den Markteintritt und die Kommerzialisierung», erklärt Schreyer.

An den Universitäten in Chile würde mehr geforscht, als man gemeinhin denken würde. Aber es fehle der nächste Schritt – daraus vermarktbare Produkte zu entwickeln. «Die Unis kommen nicht auf die Idee, Patente einzureichen. Innovation ist in Chile ein langer Lernprozess».

Zwei von Markus Schreyer gecoachte chilenische Start-ups haben Wettbewerbe in Massachusetts gewonnen und ihre Produkte marktfähig gemacht. Eines ist BabyBe, ein Kissen für Säuglinge im Brutkasten, über die der Herzschlag und die Atmung der Mutter an die Babys übermittelt werden. Die zweite Erfindung ist der Agroindustrie nützlich. Es ist ein bakterienabweisendes Gerät, das die Brustdrüsenentzündung bei Rindern vermeidet. Sein Name ist VACuCh.

Markus Schreyer hat für diesen Zweck einen eigenen sogenannten Scale-up Accelerator gegründet und diese Firma GaneshaLab genannt. Seine Vision ist es, mit ihr auch international zu wachsen und nicht nur Start-ups, sondern auch bereits bestehende kleine und mittlere Unternehmen zu beraten und dazu Partner mit hineinzunehmen.

Der 56-Jährige weiß, dass er auf seine internationalen Erfahrungen in leitenden Positionen in großen Unternehmen bauen kann. Seine Führungsfähigkeiten wurden schon genutzt, als er 25 war und bei Dunlop in Deutschland Gruppenleiter-Aufgaben übernahm. Nach der Schule in Bonn hatte er zuerst eine Ausbildung zum Werkzeugmacher absolviert und dann in Köln mit einem Fachhochschulabschluss als Ingenieur für Verfahrenstechnik aufgestockt.

«Sehr schnell bin ich auf Business umgestiegen. Das interessierte mich. Ich habe eine Fortbildung bei Bayer in Marketing und Vertrieb gemacht. Ich liebe es, Dinge auszuprobieren. Meine brasilianischen Mitarbeiter haben gesagt, sie haben noch nie einen Chef gehabt, von dem sie so viel gelernt haben und so wenig kontrolliert worden sind». Bei Corfo schätzten sie seinen Enthusiasmus.

Den muss man mitbringen, zusammen mit einer gehörigen Portion unternehmerischen Handelns, wenn man so viele Dinge auf die Beine stellt wie Markus Schreyer. So hat er zusätzlich noch ein «kleines Projekt» im Nordosten von Brasilien in der Nähe von Natal, wo die Strände endlos sind. Dort baut er derzeit Ferienhäuser mit hohem Standard. «Als ich noch in Brasilien angestellt war, brauchte ich eine Herausforderung», sagt er.

Für die nächste Zeit will er in Chile bleiben. Seine eigenen Kinder sind bereits 26 und 24 Jahre alt und leben in Deutschland. Seine chilenische Frau hat ebenfalls zwei Kinder, die 15 und 10 Jahre alt sind und für die er die Vaterrolle übernommen hat. Wenn er Zeit hat, fährt er mit dem Motorrad durch Chile oder macht Windsurfing. Das passt zu seinem Typ. Einen Business Angel hingegen hatten wir uns nicht so lässig und hemdsärmelig vorgestellt.

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