Deutsche Leidenschaft für chilenische Wälder

Der deutsche Diplom-Forstwirt und Assessor des Forstdienstes Christian Mattausch kam 2002 als Entwicklungshelfer in Temuco an, und heute ist er Eigentümer und Geschäftsführer des Forstmanagementbetriebs ZBaum in Lanco, ein Unternehmen, das vermutlich einzigartig in Chile ist. Seine Geschichte handelt davon, wie attraktiv die chilenischen Naturwälder für deutsche Förster und andere Waldliebhaber sind. Doch ist der chilenische Wald auch ein Geschäft?

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Foto: Marcelo Arriola

Wer Christian Mattausch kennt, würde in ihm erst mal nicht den Romantiker vermuten, der lustwandelnd durch die Wälder streift, sondern eher einen kühlen Rechner, unermüdlich im Einsatz, um Probleme zu lösen und hochgesteckte Ziele zu erreichen. Die Bewirtschaftung ihrer Forstbetriebe in Chile sei für seine Mandanten lange Zeit kein Geschäft gewesen, «aber jetzt kommen wir in die Gewinnzone», sagt er. Sein Schlüssel zum Erfolg war es, die richtige Mischung aus Naturwäldern, Forstplantagen und Landwirtschaft zu finden. Und immer nach den Kriterien der Nachhaltigkeit zu wirtschaften. So werden Gewinne oft in die Regeneration von Naturwäldern oder die Erschließung von neuen, bisher unproduktiven Flächen reinvestiert.

Die Liste der Mandanten der umfassenden Verwaltung von ZBaum kommt nobel daher. Die Firma bewirtschaftet die Forstbetriebe von Graf Brandenstein-Zeppelin, Dr. C. Brandenstein-Zeppelin, Prinz Udo zu Löwenstein und Graf Westerholt im Süden Chiles. Für seine Mandanten sei es Familientradition, einen Teil ihres Vermögens in Wald zu investieren. Vor rund 20 Jahren sei der Wald auch in Deutschland aufgrund hoher Kosten und geringer Einnahmen als Investition wenig attraktiv gewesen, aber die wohlhabenden Familien hätten daran festgehalten.

Es erstaunt, dass sie vorwiegend in Ländereien mit Naturwaldbeständen investiert haben, da in Chile die Forstplantagen mit sogenannten exotischen Arten wie der Monterey-Kiefer (Pinus radiata) und Eukalyptus (Eucalyptus globulus und Eukalyptus nitens) seit Jahrzehnten ein blühender Wirtschaftszweig sind. Hier sei die Produktionskette «durchgestylt», vom genetisch verbesserten Saatgut bis zur Vermarktung der Produkte, sagt Mattausch. Ganz im Gegensatz zu den oftmals degradierten Naturwäldern, die lange Zeit als unproduktiv galten. Zudem ist die Aufforstung mit einheimischen Arten wesentlich schwieriger und auch noch teurer als mit Kiefern oder Eukalyptus.

«Das Herz meiner Mandanten schlägt für den Wald. Es sind Familien, die seit Jahrhunderten Wald besitzen. Sie haben sich in das Land verliebt. Es ist eine Leidenschaft», erklärt Mattausch die Motivation seiner Klienten. «Für Chile spricht der hohe Volumenzuwachs auch einheimischer Baumarten, der es ermöglicht einen sägeholzfähigen Edellaubholzstamm in 30 bis 40 Jahren zu produzieren. In Europa wird dafür die drei- bis vierfache Zeit benötigt. Hinzu kommt die Investitionssicherheit des Landes», erläutert Mattausch zum Thema Wirtschaftlichkeit.

Dass die Investitionen auch tatsächlich rentabel werden, dafür muss Mattausch sein ganzes Können und seine Erfahrung täglich aufs Neue einsetzen. Da im eigenwilligen Naturwaldbereich von «durchgestylt» keine Rede sein kann, zählt hier der forstliche Instinkt und der Mut, Neues auszuprobieren, denn nach Lehrbuch ist den einheimischen Wäldern kaum etwas abzugewinnen, weder nach deutschem, noch nach chilenischem.

 

Weltweite Erfahrung

Christian Mattausch hat nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Sanitäter im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz gemacht. Anschließend studierte er Forstwissenschaften in Freiburg und hatte kurz darauf einen ersten Auslandseinsatz als Farmverwalter und Jagdführer in Namibia. Von 1998 bis 2000 absolvierte er ein Referendariat in der Landesforstverwaltung von Mecklenburg-Vorpommern, wo er die Bewirtschaftung von Staats-, Privat- und Körperschaftswald kennenlernte. Nach dem zweiten Staatsexamen und Erhalt des Titels Assessor des Forstdienstes hielt es ihn wieder nicht in Deutschland: Als 30-Jähriger ging er auf Studienreise nach Guatemala, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Chile. In Costa Rica lernte er seine Frau kennen, mit der er zwei Söhne hat, die heute zwölf und vier Jahre alt sind.

Gemeinsam lebten sie zwei Jahre in Deutschland, wo Mattausch in einer internationalen Holzgroßhandlung im Holzeinkauf und Export nach Spanien und Asien tätig war. Dann ging es nach Chile. Der Süden Chiles war nicht nur für die Costa-Ricanerin Karen zunächst zu kalt und gewöhnungsbedürftig, auch Christian Mattausch wären mediterrane Klimazonen lieber gewesen. Doch nach zwölf Jahren hat sich auch Karen gut in Chile eingelebt. Die Psychologin und Lehrerin für Modernen Tanz hat an der Universidad Católica eine Weiterbildung zum «Coach Ontológico» gemacht und bietet nun Kommunikations-Workshops für Unternehmen an.

«Für Karen und für mich ist ZBaum ein Wachstumsprozess», erzählt Mattausch von der Übernahme der früheren Firma Treetop Ltda. vor einem Jahr. Der Name, den sie ihrem Unternehmen gegeben haben, steht für Zukunftsbaum, ein Begriff aus der Forstwirtschaft: Je nach Baumart wird eine bestimmte Anzahl von Bäumen nach Kriterien wie Vitalität, Qualität und räumliche Verteilung ausgewählt. Auf diese Bäume konzentrieren sich die Pflegemaßnahmen, damit sie optimal wachsen können. So lassen sich gesunde, wertvolle und artenreiche Wälder schaffen.

ZBaum verwaltet neun Forstbetriebe mit einer Gesamtfläche von 8.500 Hektar, 70 Prozent davon sind Naturwälder. Wenn Mattausch die Waldarbeiter mitzählt, die in den Betrieben und tätig sind, so kalkuliert er, dass ZBaum 150 Familien ernährt. In der Forstverwaltung bei ihm selbst sind zwei Forstingenieure und ein weiterer zusammen mit einem Forsttechniker in der Abteilung Kartografie angestellt. Zudem arbeiten zwei Buchhalter und eine Sekretärin bei ZBaum.

Neben der Verwaltung von Land- und Forstbetrieben hat die Firma eine zweite Produktlinie, in der zum Beispiel Forsteinrichtungspläne, Waldinventuren, Umweltverträglichkeitsprüfungen, Sanierungen oder Fortbildungen für andere Unternehmen angeboten werden. «Diese Abteilung hat schon in verschiedenen Klimazonen von Chile und im Ausland, auch als forstliche Task-Force agiert», berichtet Mattausch. Die Auftraggeber waren private Unternehmen oder öffentliche Institutionen wie die Deutsche Botschaft in Chile und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

 

Nachhaltige Bewirtschaftung

Nach jahrelanger Erfahrung seien die Prozesse durchoptimiert und alles professionalisiert. Als Mattausch 2002 nach Chile kam, steckte die Naturwaldbewirtschaftung noch in den Kinderschuhen. Als Entwicklungshelfer in der staatlichen Forstbehörde CONAF lernte er bald, dass es an allen Ecken und Enden fehlte: Forstinventuren und -kartierungen, Konzepte für Durchforstungsmethoden, die an die vielfältigen Ökosysteme in Chile angepasst waren, ein Beratungssystem für die Waldbesitzer und in seinem Spezialgebiet der Vermarktung die nötigen Absatzwege für die verschiedenen Produkte, die aus nachhaltiger Bewirtschaftung entstehen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hatte zwischen 1992 und 2006 mehrere Millionen Euro in ein großes Kooperationsvorhaben zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Naturwälder in Chile investiert. Das Vorhaben sollte dazu beitragen, dass die einheimischen Wälder erhalten bleiben und gleichzeitig in Wert gesetzt werden. Der Landschaftszerstörung und dem Verlust der ökologischen Dienstleistungen der natürlichen Wälder, wie dem Schutz der Wassereinzugsgebiete und des Grundwassers oder des Habitats für einheimische Flora und Fauna sollte Einhalt geboten werden.

«Es ist einfach toll zu sehen, wie Wälder, die vor drei bis fünf Jahren noch degradiert waren, jetzt drei bis sechs Meter hoch sind. Wir haben meistens mit Raulí aufgeforstet, und dann sind „Siempre-Verde-Arten“ als Naturverjüngung von alleine dazugekommen», begeistert sich Mattausch. «Das alles zu sehen und dort zu arbeiten, wo Innovation beginnt, das ist ein Sog, der einen vereinnahmt», erklärt er.

Neben dem wirtschaftlichen Erfolg seiner Arbeit gefällt ihm der soziale Aspekt. «Die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder mit heimischen Baumarten hat heute zur Folge, dass unsere „Quebradas“ Wasser führen. Deshalb können wir die Stadt Lanco und vier Mapuche-Comunidades mit Wasser versorgen», spricht Mattausch einen ökologischen Vorteil der Naturwälder an. Mattausch kennt den teilweise dramatischen Wassermangel in manchen Mapuche-Gemeinden. «Wenn eine Waschmaschine läuft, kann niemand mehr Wasser nutzen», fügt er hinzu.

Zudem fährt Mattausch selbst Wildwasserkayak. «Selbst im Herbst und Winter sind die Landschaften fantastisch», schwärmt er und genießt so auch in der Freizeit die Früchte seiner Arbeit.

 

Von Petra Wilken

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3 Comments

  1. Dr..Eberhard Kruse

    Hallo lieber Kollege!

    Ich habe mich gefreut, von Ihnen aus dem Cndor zu erfahren.

    Auch ich bin Forstmann von Beruf,habe in Patagonien als Forst-und Jagdleiter
    gearbeitet und lebe heute in Viña del Mar und das seit weit mehr als 40 Jahren.

    Es wuerde mich freuen, wenn Sie mit Ihrer Z-Baum-Firma vom Sueden her viel auf die
    Beine stellen wurden.Ich habe es auch soweit geschafft,bin allerdings fast 80-Jahre. Beste Gruesse Dr.E. Kruse

  2. Beate Allert

    Sehr geehrter Herr Mattausch,

    ich schreibe Ihnen, weil mich eine befreundete Familie in Hamburg mit der Verwaltung Ihrer Erbmasse betraut hat.

    Nun stehen für die geerbten Wälder (ca. 1.500 Hektar) Steuern an, die bis zum Ende des Monats gezahlt werden müssen.

    Vielleicht können Sie mir mit einem Rat zur Seite stehen?.

    Aufgrund der Bewirtschaftung der Wälder suchen wir dringend nach einer Antwort, inwieweit wir diese Waldländereien mit einem Kredit beleihen bzw. belasten können.

    •Können Sie uns weiterhelfen an wem oder welcher Bank wir uns wenden können?
    •Wissen Sie, ob wir unbedingt einen Bürgen in Chile dafür brauchen?
    •Reichen die Bilanzen der Bewirtschaftung als Sicherheit?
    •Oder würde sogar die Waldfläche von 1.500 Ha, die einen mehrfachen Wert als Sicherheit darstellt reichen, wenn eine Bank eine Belastung als Grundschuld einträgt?

    Ich wäre Ihnen sehr, sehr dankbar, wenn Sie uns einen Tipp geben könnten.

    Mit besten Grüßen
    Beate Allert

  3. Sergei

    Sehr geehrter Herr Mattausch,
    Ich hatte auch einige Zeit eine Arbeit als Forster und wurde fast im Wald geboren, und lebte auch gerade im Wald. Ich bin ueberhaupt aus der Generation der Forster. Deswegen verstehe ich Sie voll.Und sie sind schon weltberuhmter Mensch. Deshalb bitte ich bei Ihnen Hilfe bei der Moeglichkeit.
    Wir suchen höherer Kredit für Investitionen in die okologische Holzbeschaffung und in der Betrieb der für die verbrenntbare Spaene und Pellets für EG in Belarus.
    Reingewinn ist pro/Jahr mehr als 300 000 Euro.
    http://investinbelarus.by/invest/guide/why/
    Vielen Dank

    Mit freundlichen Gruessen
    Sergei Minkov
    Belarus, Minsk
    +375291656812

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